Herwig Rabl 1922–2015

Wir verabschieden uns heute von DI Herwig Rabl und ich darf als Vertreter der Österreichischen Kulturvereinigung VHS Krems einige Worte sprechen und versuchen, auch aus seiner Biografie heraus die Bedeutung seiner Persönlichkeit, von der wir so viel Zuneigung und Freundschaft erfahren haben, zu umreißen. Dass das nur eine sehr persönliche Auswahl sein kann und ich alles nur sehr rudimentär darstellen kann, bitte ich zu verstehen. Er war seit 1970 Präsident und später 1. Vorsitzender unserer Vereinigung und bis zu seinem Ableben Ehrenvorsitzender. Ich bin seit 1972 im Vorstand und habe – zumindest seit 1977 – aufs Engste mit ihm zusammengearbeitet und ich darf auch sagen, dass hier trotz des Altersunterschiedes, und auch mancher unterschiedlicher Auffassungen in politischen und gesellschaftlichen Fragen eine enge Freundschaft entstanden ist, und mir in den letzten Tagen viele, viele Erinnerungen durch den Kopf gegangen sind.

26b-_rabl-herwig-c-oesterreichisches-Volkshochschularchiv_w

Herwig Rabl
Credit: Österreichisches Volkshochschularchiv

Ich erlaube mir einen kurzen Blick auf sein ereignis- und tatenreiches Leben zu werfen, in dem auch viele Entwicklungen des turbulenten 20. Jahrhunderts ihren Niederschlag gefunden haben. Geboren wurde er am 11. Juli 1922 in Klagenfurt als Sohn von Alois und Elisabeth Rabl. Seiner Familiengeschichte, ja überhaupt seiner Familie, galt zeitlebend sein großes Interesse. Und seine Kärntner Herkunft hat er niemals vergessen und seine Kontakte dorthin immer gepflegt.

Ich habe ihn oft von der Übungsvolksschule der LBA und der BG und BRG Klagenfurt erzählen hören, von seinen LehrerInnen und von dem ihm vermittelten Wissen, das er bis ins hohe Alter in erstaunlicher Weise abrufen konnte. Seine humanistische und naturwissenschaftliche Bildung wurde ergänzt durch seine Neugier und seine Freude am lebenslangen Lernen – die Wurzeln des Erwachsenenbildners Rabl reichen also schon in seine Schulzeit zurück.

Die Reifeprüfung bestand er im Jahre 1940 mit Auszeichnung. Das Studium der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Graz musste er im Gefolge des Krieges bald abbrechen. Er wurde zum Kriegsdienst eingezogen und landete schließlich in sowjetischer Kriegsgefangenschaft in Estland.

Harte und entbehrungsreiche Nachkriegsjahre hatte er zu überstehen. Sie haben ihn sicher geprägt und die Grundlagen für die Hartnäckigkeit, Prinzipientreue und Konsequenz gelegt, die sein Handeln stets bestimmt haben. Es folgten die Graduierung zum Diplomingenieur, der berufliche Eintritt in die „Magindag Steirische Magnesit AG“ in Leoben und privat die Verehelichung mit seiner Gattin Edith und die Geburt der Zwillingstöchter Jutta und Hanna. Damit hatte er eine neue Kraftquelle erschlossen, die fürderhin  sein Leben und seine Einstellung wesentlich mitbestimmte. Ein weiterer Markstein aber war die Übersiedlung nach Krems, verbunden mit der Übernahme der Leitung des „Magindag“-Werkes Krems und dem Titel eines Werksdirektors. Er hat dieses Werk aufgebaut und bis zu seiner Pensionierung 1982 höchst erfolgreich und charismatisch geleitet. Es war ein schwerer Schlag für ihn, dass das Werk später als Bauernopfer der beginnenden Globalisierung geschlossen wurde.

Vom Anfang an sah er es als Selbstverständlichkeit an, sein Wissen und seine Kompetenz der Zivilgesellschaft, und damit mehreren Vereinen und Organisationen, zur Verfügung zu stellen. Das begann schon mit Funktionen als Elternvereinsobmann, im Schmalfilm- und Videoclub und natürlich bei den Lions, aber davon wird noch die Rede sein. Der alte Wappenspruch „Ich dien!“ galt ihm immer als Leitlinie. Und als kritischer und mitunter unbequemer Bürger erhob er immer wieder seine Stimme, was dazu führte, dass ihn der damalige Bürgermeister Dr. Wilhelm einlud, die Präsidentschaft der Österreichischen Kulturvereinigung – VHS Krems zu übernehmen, der Eintritt des Herwig Rabl in die Kremser und in die Österreichische EB-Landschaft war damit vollzogen.

Er schuf alsbald moderne räumliche und organisatorische Strukturen und leitete damit einen Professionalisierungsprozess ein, dem wir uns viele Jahre lang gemeinsam verpflichtet gefühlt haben. In hartnäckigen Verhandlungen mit der Kremser Stadtregierung gelang es ihm, die Finanzierung der VHS auf stabile Beine zu stellen; die Kursstätte Göttweigerhof wurde geschaffen. Und die Krönung war sicherlich die Übersiedlung der VHS aus der Ringstraße 44 in den historischen Fellnerhof 1992. Dabei hat er noch im 71. Lebensjahr persönlich die Bauaufsicht geführt – wie wirkungsvoll, davon wissen die beauftragten Firmen ein respektvolles Lied zu singen. Auch die Errichtung des EDV-Schulungsraumes hat er mit gewohnter Entschlossenheit unterstützt, wie ihm überhaupt eine moderne Infrastruktur ein großes Anliegen war.

Er hat sich aber auch inhaltlich immer wieder eingebracht, so etwa im von der VHS getragenen „Modell Lerchenfeld“, das als vorbildliche Gemeinwesenarbeit im Sinne der Bürgerbeteiligung den österreichischen Preis der Erwachsenenbildung erhielt. Oder durch die Organisation der ersten Altenhelferkurse in Niederösterreich. Er hat auf zahlreichen Tagungen und Seminaren immer wieder seine Stimme erhoben und bis ins hohe Alter durch unkonventionelle Ideen überzeugt. Sein Hauptthema aber, das ihn immer wieder umtrieb, war eine gesicherte Finanzierung der Erwachsenenbildung. Nicht nur einmal hat der langjährige Generalsekretär des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen, Dr. Filla, zu mir gesagt, wir würden in Österreich mehr Rabls brauchen.

Seine Leistungen für die Kremser Erwachsenenbildung, aber auch in anderen Organisationen, haben auch die Stadt Krems veranlasst, ihm durch die Verleihung der silbernen und später der goldenen Wappenplakette ihren Dank auszusprechen. Die Republik Österreich würdigte seine Tätigkeit mit dem Silbernen Verdienstzeichen. Höhepunkt der Ehrungen aber war der Würdigungspreis für Erwachsenenbildung im Rahmen der niederösterreichischen Kulturpreise, den ihm LH Dr. Pröll 1997 im Landhaus in St. Pölten überreichte.

Beeindruckend für alle, die mit ihm zu tun hatten, war seine umfassende Bildung und seine sachverständige Liebe zu allen Formen der Kunst, besonders zur Musik. Dem Neuen gegenüber war er stets aufgeschlossen, mit dem Zeitgeistigen konnte er weniger anfangen, in einer Zeit, in der zunehmend die Verpackung wichtiger als der Inhalt zu sein scheint. Bei allen Konturen, die er zeigte, war er als Mann der Wirtschaft aber immer bereit, pragmatisch zu handeln.

Er war im Umgang mit den Mitmenschen mitunter unbequem und fordernd, stets aber bereit, andere Positionen, wenn sie ihm schlüssig erschienen, zu akzeptieren. Und er war ein guter, großzügiger Freund. Weltoffenheit und Heimatliebe waren für ihn ebenso wenig Gegensätze wie Prinzipientreue und Toleranz, sofern diese nicht in Belang- und Konturenlosigkeit ausarteten. Er war sehr geprägt von seiner Jugend in einem Kärnten der nationalen Auseinandersetzungen, von den Eltern, vom Krieg und der Gefangenschaft, auch von seinem studentischen Leben, von der Korporation. Das stand nicht immer im Einklang mit dem Mainstream der österreichischen Nachkriegsgesellschaft. Sein positives Zukunftsbild, seine Leistungen, seine Offenheit und seine Toleranz haben ihm aber eine mehr als geachtete Position in dieser Gesellschaft eingebracht.

Nach dem tragischen Tod seiner Frau Edith hat er mit der Verehelichung mit seiner zweiten Gattin Elisabeth ein neues Glück für den Lebensabend gefunden, für das er – wie er immer betonte – sehr dankbar war. Von seinen Kindern und Enkelkindern hat er gerne mit großer Liebe und großem Stolz immer wieder erzählt. Und es ist ein tröstliches Zeichen, dass exakt an dem Tag, an dem Herwig von seinen Leiden erlöst wurde, sein Urenkel geboren wurde. Es geht immer weiter, so wie er das gewollt hätte. Und es ist keine Phrase, wenn ich sage, dass er in der Erinnerung derer, mit denen er gelebt und gearbeitet hat, weiterleben wird. Vor allem natürlich in der Erinnerung seiner Familie, der ich meine große Anteilnahme aussprechen möchte. Und dir, lieber Freund Herwig, mit dem ich so schöne Gespräche – vor allem über historische Themen – führen durfte, sage ich ein heute letztes Lebewohl. //

1   Rede bei der Verabschiedung von Herwig Rabl am 9. Juli 2015 in der Stiftskirche Dürnstein.

Angerer, Hans (2015): Herwig Rabl 1922–2015. In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. Juli 2015, Heft 256/66. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Zurück nach oben