Julia Franz: Intergenerationelle Bildung. Lernsituationen gestalten und Angebote entwickeln.

Julia Franz: Intergenerationelle Bildung. Lernsituationen gestalten und Angebote entwickeln.
Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag 2014, 149 Seiten.

Aus dem Nebeneinander ein Miteinander machen! So lautet die Devise der unterschiedlichen Bildungsangebote, die Menschen aus verschiedenen Lebensaltern zu Lernprozessen anregen wollen. Die Autorin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bamberg, vermittelt souverän ihr theoretisches Wissen und lässt an ihren praktischen Erfahrungen in der Erwachsenenbildung teilhaben. Julia Franz hat ihre Expertise im Modellprojekt „Generationen lernen gemeinsam“ (2006–2008) gewonnen und in vielen Folgeveranstaltungen fundiert. Intergenerationelle Bildung, betont die Autorin, geht über Erwachsenenbildung hinaus, sie betrifft auch Sozialarbeit, Jugendbildung, betriebliche und berufliche Weiterbildung, Stadtteilarbeit sowie alle Aktivitäten, die für das Thema Intergenerationalität sensibilisieren.

An den Anfang ihres Buches positioniert Julia Franz Begründungen für intergenerationelle Bildung. Gesellschaftliche Veränderungen, demografischer Wandel, Heterogenität der Menschen in allen Lebensaltern, Zunahme der Lebenszeit („Gesellschaft des langen Lebens“) geben für die Autorin Anlässe, Gelegenheiten und Herausforderungen, Formen für gemeinsames, verständnisvolles Lernen zu entwickeln. Dies kommt auch in der von der Autorin vorgeschlagenen Definition zum Ausdruck: „Intergenerationalität bezeichnet den Bereich ‚zwischen’ den Generationen und verweist damit auf die Beziehung verschiedener Generationen zueinander.“ (S. 25).

Bereiche intergenerationeller Bildungsmöglichkeiten werden in einem eigenen Kapitel zusammengefasst. Die vielfältigen Erscheinungsformen intergenerationellen Lernens, Kurssituationen und Modellprojekte werden vorgestellt. Im Abschnitt „Systematik intergenerationeller Bildung“ klärt die Autorin den Begriff Generation, den sie als genealogischen (die Abfolge der Familienangehörigen), als pädagogischen (Generationen lernen bewusst miteinander), und als historisch-soziologischen (Gruppierungen haben gemeinsam bestimmte Ereignisse erlebt), versteht. Charakteristisch für intergenerationelles Lernen, über zufällige Altersheterogenität in Gruppen hinaus, hält die Autorin, wenn den Teilnehmerinnen/Teilnehmern ihre Identität als Generation bewusst gemacht wird und diesbezügliche reflexive Lernprozesse angeregt werden. Das abschließende Kapitel präsentiert Beispiele für didaktisches Handeln, die ein Spektrum von der Arbeit mit Differenzen, gleichberechtigter Partizipation, biografische Erkundungen bis zur Orientierung am Sozialraum abdecken.

Es ist ein praxisorientiertes Buch, theoretisch solide fundiert, gut strukturiert und angenehm lesbar mit vielen Beispielen und methodischen Hinweisen. Es empfiehlt sich für die Aus- und Fortbildung, um die Professionalität zu erhöhen, aber auch für alle, denen die Herausforderung, von anderen zu lernen, ein Anliegen ist. Das ideenreiche Buch sensibilisiert für die Beziehungen zwischen den Generationen und für alles, was oder wie man dabei miteinander und voneinander lernen kann. //

Lenz, Werner (2015): Julia Franz: Intergenerationelle Bildung. Lernsituationen gestalten und Angebote entwickeln. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag 2014, 149 Seiten. In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. Juli 2015, Heft 256/66. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

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