Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (Hrsg.): Kompetenzen von gering Qualifizierten. Befunde und Konzepte.

Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (Hrsg.): Kompetenzen von gering Qualifizierten. Befunde und Konzepte.

Die Themen Basisbildung oder Bildung von gering Qualifizierten haben in Österreich in den letzten Jahren die Tabu-Zone verlassen. Nicht zuletzt die Ergebnisse der PIAAC-Studie (Programme for the International Assessment of Adult Competencies), die aufzeigten, welche relativ große Anzahl von Erwachsenen Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen hat, fanden Widerhall in der Öffentlichkeit. Eine Maßnahme, das unentgeltliche Nachholen von Bildungsabschlüssen, findet inzwischen große Resonanz.

In Deutschland werden seit einigen Jahren Programme gefördert, die das Lernen älterer oder jüngerer gering qualifizierter Erwachsener unterstützen. Die Ergebnisse der Projekte werden in Tagungen vorgestellt und publiziert. Das aktuelle Buch fasst solche Beiträge zusammen, die sich insbesondere mit den Themen Berufsabschluss, Alphabetisierung und Grundbildung beschäftigt haben. Unter „gering Qualifizierte“ werden in Deutschland Personen verstanden, die weder eine Berufsausbildung noch ein Studium abgeschlossen haben: etwa 17 Prozent der 25- bis 64-Jährigen im Jahre 2011 betrifft das. Man kann aber nicht davon ausgehen, dass gering Qualifizierte keine Kompetenzen haben. Ihre Gruppe ist sehr heterogen. Als Ergebnis einer Studie wird festgehalten, dass die Anhebung allgemeiner Kompetenzen nicht genügt, um Chancen am Arbeitsmarkt zu verbessern. Dafür ist berufliche Nachqualifizierung, bestätigt durch einschlägige Zertifikate, günstig. Daraus ist die Herausforderung an die berufliche Weiterbildung abzuleiten, Motivation und Zugangsbedingungen für entsprechende Angebote zu verbessern, um gering Qualifizierten Anreize zur Beteiligung zu geben.

Weitere Beiträge beschäftigen sich mit den Chancen der Kompetenzanerkennung für gering Qualifizierte, mit erfolgreichen Nachqualifizierungswegen sowie mit Beratung, Begleitung und Coaching von gering qualifizierten Teilnehmenden.

Ebenfalls vorgestellt werden Ergebnisse aus Projekten, die sich mit der Überwindung von Lernblockaden befassen, mit intergenerationellem Lernen am Arbeitsplatz, dem Einsatz digitaler Medien im Arbeitsprozess oder, im Hinblick auf alternde Belegschaften, mit Strategien zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit.

Hervorzuheben ist noch eine Position, die Bernhard Schmidt-Hertha im letzten Beitrag vertritt. Er meint, die Aneignung grundlegender Allgemeinbildung oder selbstverständlicher Kulturtechniken sei nicht mit dem Verlassen des allgemeinbildenden Schulsystems beendet, sondern auch Aufgabe des quartären Sektors. „Grundbildung ist folglich – ebenso wie berufliche Handlungskompetenz – als lebensübergreifendes Projekt zu denken.“ Diesbezüglich dürfe man sich im Erwachsenenalter nicht nur auf informelle Aneignungsprozesse verlassen.

Mit diesem Band liegen wissenschaftlich erarbeitete Erkenntnisse mit komplexen Bezügen hinsichtlich Arbeitswelt und Bildungstätigkeit mit gering Qualifizierten vor. Eine nachholende, defizitorientierte Weiterbildung wird hier zugunsten einer lebensbegleitenden und lebensintegrierten Fortbildung – mit besonderer Berücksichtigung des Berufslebens – verabschiedet. //

Lenz, Werner (2015): Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (Hrsg.): Kompetenzen von gering Qualifizierten. Befunde und Konzepte. In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. Juli 2015, Heft 256/66. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

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