Ideales Lernen an Volkshochschulen

Im ersten Teil dieses Beitrages wird das Lernverständnis der TeilnehmerInnen der Fokusgruppe präsentiert. Lernen in der VHS wird mit Freude assoziiert, es erweitert den Horizont, bringt Selbstbestätigung und auch Macht – im Sinne von Können. Ein gutes Verhältnis von Theorie und Praxis ist den TeilnehmerInnen wichtig, und Wiederholen ist ein wesentlicher Bestandteil des Lernprozesses im Kurs. Im zweiten Teil geht es um das Lernumfeld und um die Lernsituationen in den Volkshochschulen. Dabei nimmt das Lernen in Gruppen einen besonderen Stellenwert ein, die TeilnehmerInnen diskutieren die für sie idealen Gruppengrößen und neue Medien werden als selbstverständlich zur Kursbegleitung angesehen. Im dritten Teil werden die Ergebnisse der Diskussion zum idealen Lernen in Volkshochschulen präsentiert. Nicht weiter überraschend ist, dass hier den KursleiterInnen eine zentrale Rolle zukommt. Die Berücksichtigung des Vorwissens ist sehr wichtig, ein systematisches Unterrichten und auch Überprüfen, inwieweit Lernziele erreicht worden sind, werden als ideal erachtet. Im vierten und letzten Teil werden einige Vorschläge zum zukünftigen Lernen in Volkshochschulen gemacht.

1 Assoziationen zum Begriff „Lernen“

1.1 Freude am Lernen

Eine Diskussionsteilnehmerin betont, dass sie Zeit ihres Lebens mit Lernen hauptsächlich positive Gefühle verbunden hat. Sie beobachtet auch bei ihren beiden Kindern im Alter von drei und fünf Jahren, welche Freude sie am Lernen haben. Eine andere Diskussionsteilnehmerin bemerkt:

„Das ist die Erziehung und wie man selber damit groß geworden ist, Lernen zu sehen. Später ist dann die Phase, wo man selber etwas tut.“

Eine junge Diskussionsteilnehmerin argumentiert, dass die Schulbildung für sie mit Zwang verbunden war bzw. ein Muss dargestellt hat und sie nun aus freien Stücken lernt, was ihr Spaß bereitet. Eine andere Diskussionsteilnehmerin wirft ein:

„Es liegt an der Qualität der Lehrer. (…) Also ich habe für mich und das Leben gelernt.“

Eine der Diskutantinnen hebt die Bedeutung der persönlichen Motivation hervor:

„Ich denke, es kommt darauf an, ob eine, oder ein 14-Jähriger, weiß, was er will, oder was er nicht will. Wenn ein Jugendlicher nicht weiß, was er will, dann ist es ein Zwang. Aber wenn man im Vorhinein weiß, »Ich gehe in die und die Richtung!«, dann ist es kein Muss!“

Eine weitere junge Diskussionsteilnehmerin ergänzt die Diskussion um die teilweise bestehende Notwendigkeit, sich zum Lernen zu zwingen.

„Wie ich dann zu Studieren begonnen habe, da habe ich gemerkt, dass ich den ganzen Tag nur zum Lernen Zeit habe. So viel Zeit habe ich noch nie zum Lernen gehabt. Aber das war viel anstrengender! Also ich habe mich echt dazu zwingen müssen, mich hinzusetzen.“

Eine Diskutantin nickte zustimmend zu dieser Aussage. Eine weitere Diskussionsteilnehmerin unterscheidet in der Diskussion zwischen „Etwas erlernen“ und „Basteln“. Im Gegensatz zum Erlernen geht es für sie beim Basteln um Kreativität und Lebensfreude. Sie versucht ihre Argumentation durch Lachen zu bekräftigen. Die anderen Diskussionsteilnehmerinnen stimmen jedoch nicht in das Lachen mit ein.

1.2 Wiederholen

Drei Teilnehmerinnen haben mit Lernen den Vorgang der Wiederholung assoziiert. Eine der Diskutantinnen betont die Bedeutung des Wiederholens für den Lernerfolg.

„Das heißt, Wiederholungen sind notwendig, um das Ganze zu memorieren. Das geht gar nicht anders!“

Diese Aussage stößt auf Zustimmung in der Gruppe. Als Ergänzung wird von einer Diskussionsteilnehmerin angemerkt:

„Manchmal, da lernt man in Extremsituationen. In der Schule, wenn der Lehrer auf etwas drauf kommt, dann merkt man sich wahrscheinlich sein Leben lang das Vokabel.“ 

Eine Diskutantin bemerkt dazu:

„Von den negativen Erfahrungen merkt man sich am meisten.“

Dieselbe Diskussionsteilnehmerin argumentiert, dass das Interesse für ein Themengebiet auch steuert, wie oft Wiederholungen notwendig sind.

„Die Sachen, die mich weniger interessieren, die muss ich wiederholen, weil die kann ich mir ganz einfach schwerer merken. Das, was mich interessiert, bei dem merke ich mir zumindest das Wichtigste. Ich kann mir eh nicht jedes Detail merken.

1.3 Horizont erweitern

Zwei Diskussionsteilnehmerinnen assoziieren den Begriff Lernen mit Weltoffenheit und notieren das Stichwort „Horizont erweitern“ auf ihren Kärtchen. In der Diskussion dazu melden sich vier Teilnehmerinnen zu Wort. Die dabei vermittelte Botschaft lautet, dass man

„durch Wissen einfach über die Welt mehr erfahren kann.“

Vor allem mit dem Erwerb von Sprachkenntnissen lassen sich neue Eindrücke von anderen Ländern und Kulturen gewinnen.

„Weil, wenn man in dieser Sprache sprechen kann, dann bekommt man auch ganz andere Informationen.“

Eine Diskussionsteilnehmerin bringt die EDV als Möglichkeit ein, neue Welten zu entdecken. Als Beispiel nennt sie das Internet.

1.4 Macht

Die in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangene Assoziation „Wissen ist Macht“ wurde ebenfalls in der Gruppe angesprochen. Der Begriff Macht erhält hierbei eine positiv konnotierte Assoziation und steht im Zusammenhang mit den daraus entstehenden Möglichkeiten, auch zu jenen in Bezug auf das Stichwort „Horizont erweitern“ (siehe oben).

„Wenn man bereit ist, Dinge dazuzulernen, dann ist man anderen Leuten voraus, die auf der Stelle bleiben und sich nicht weiterbilden wollen. Man hat einfach viel mehr Möglichkeiten, sei es jetzt beruflich, oder auch in Bezug auf Sprachen, damit man mit anderen Menschen kommunizieren kann. Also die Welt ganz einfach besser kennenzulernen.“

Eine Diskussionsteilnehmerin rundet die Diskussion zum Thema Macht durch die synonyme Bedeutung von Macht und Können in den romanischen Sprachen ab.

„Ja, ich glaube in den romanischen Sprachen sind Macht und Können dasselbe Wort. Wenn man etwas kann, dann hat man die Macht!“

1.5 Selbstbestätigung

Positive Selbstbestätigung in Form von Erfolgserlebnissen wird als wesentlicher Antrieb und Motivation für den Lernprozess beschrieben. Das Bedürfnis nach dieser Selbstbestätigung kann einen Kreislauf hervorrufen, in dem der Vorgang des Lernens und die Motivation durch Erfolgserlebnisse sich fortlaufend abwechseln.

„Ich werde das später noch aufgreifen, weil das ist dann sozusagen eine Erfolgsspirale. Wenn man gestärkt wird, dann will man ja mehr, weil auch etwas zurückkommt. Man bekommt Selbstbestätigung und man will ja dann idealerweise immer mehr haben!“

Auch die Neugierde und ihre Bestätigung können den Kreislauf des Lernens in Gang bringen.

„Wenn man einmal beginnt zu lernen, dann wird man neugierig. Wenn man einmal drinnen ist, dann will man noch mehr!“

Eine Teilnehmerin erzählt, dass die Neugierde, die durch das Studium der neuen VHS-Programmübersicht ausgelöst wird, sie zum Kursbesuch (ver-)führt hat.

„Bei mir ist das so, dass die Neugierde bewirkt, dass ich die Volkshochschule besuche. Wenn das Heftl kommt, dann schaue ich, was interessant wäre. Also die Neugierde ist der Beginn, wieder etwas Neues zu lernen. Das macht es eigentlich aus!“

1.6 Theorie und Praxis

Die Abwechslung zwischen Beruf und Lernen fördert die Möglichkeit, das Erlernte in Selbstbestätigung umzusetzen. Eine Diskutantin bemerkt:

„Nur Lernen ist fad!“ 

Dies trifft auf Zustimmung innerhalb der Gruppe. Allerdings ist die Trennung zwischen Berufstätigkeit und Lernprozess nicht strikt zu sehen, wie eine Teilnehmerin meint.

„Ich denke schon, dass man sich dessen oft in der Arbeit nicht bewusst ist, dass man etwas lernt.“

Eine Diskussionsteilnehmerin fügt mit ihrer Wortmeldung die einzelnen Aussagen zusammen und fordert eine Verbindung von Theorie und Praxis.

„Also auf der Uni habe ich immer daneben gearbeitet, aber ich war schon so süchtig darauf, mein Gelerntes anzuwenden! Dann geht es viel schneller. Man hat es einmal im Kopf und verwendet es dann und merkt sich das dann. Wenn man etwas lernt und das dann anwendet, dann geht das irre schnell finde ich. (…) Es ist immer so, dass Lernen und Praxis zwei Paar Schuhe sind. Das soll irgendwann einmal zusammenkommen!“

Mehrere Teilnehmerinnen stimmen dieser Wortmeldung zu. Praktische Anwendungen der Theorie und Übungen unterstützen den Lernprozess und wirken auch motivierend. Ein Sprachkurs, in dem nur in der unterrichteten Sprache gesprochen wird, zwingt zur Anwendung der erworbenen Sprachkenntnisse und fördert den Lernerfolg.

„Wenn man in die Gruppe eingeschlossen ist, die die Sprache kann. Also mit der Zeit kann man dann schon diverse Wörter heraushören. Wenn man dann gezwungen ist, diese Sprache zu sprechen, dann wird´s erst lustig! Es ist etwas anderes, wenn man die Wörter stur lernt, oder wenn man in eine Gruppe eingeschlossen ist und die Wörter dann sprechen muss.“

2 Lernstile und Lernsituationen

2.1 Lernumfeld und Lernstile

Das optimale Lernsetting besteht für eine Diskussionsteilnehmerin aus einer Meditations-CD und einem Laptop, in dem sie sich die Materie durch Lesen ins Gedächtnis ruft. Eine andere Diskutantin betont die Bedeutung von Ruhe und lernt vor allem durch visuelle Wahrnehmung.

„Es muss ruhig sein! Ich war in der Schule immer ein Last-minute-Lerner. Ich habe mir die Sachen besorgt und zusammengeschrieben. Ich bin ein sehr visueller Typ. Ich habe die Sachen immer beim Schreiben auswendig gelernt. Ich habe sehr gut gelernt, dadurch, dass ich die Sachen durchgelesen und aufgeschrieben habe.“

Eine weitere Diskussionsteilnehmerin teilt diese Meinung.

„Also ich bin auch jemand, der alles zusammenfasst. Und auch eher der visuelle Typ bei Büffelsachen.“

Eine Diskussionsteilnehmerin mit polnischer Muttersprache lernt vor allem durch Lesen. Ihr Lernfortschritt wird allerdings dadurch erschwert, dass sie die Lernunterlagen zuerst übersetzen muss.

„Üben beim Computer und viel lesen. Bei mir ist das ganz anders. Meine Muttersprache ist Polnisch und jetzt muss ich alles übersetzen. Also von Deutsch auf Polnisch. Das ist sehr schwer!“

Eine andere Teilnehmerin lernt, indem sie anderen zuschaut und sich von ihnen etwas abschaut.

„Ich schaue gerne zu und schaue dann ab und sehe das und kann dann sagen, »Ja, das ist gut und damit kann ich etwas anfangen!«. So war das mit dem EDV-Kurs zum Beispiel.“

2.2 Bedeutung von Gruppen

Beim Lernprozess kommt Gruppen und der Gruppendynamik eine wichtige Rolle zu. Vor allem bei Sprachkursen hat die Gruppe eine große Bedeutung. Eine Teilnehmerin, die gerade einen Sprachkurs besucht, berichtet, wie wichtig und motivierend der Zusammenhalt in der Gruppe sein kann.

„Wenn die Gruppe passt! Es sind zwar lauter Studierte, ich nicht, aber die sind so tolerant und feinfühlig, also es akzeptiert jeder jeden ohne Wertigkeiten. Selbst, wenn man etwas falsch macht, dann lacht niemand blöd. Im Gegenteil! Es baut jeder den anderen auf, dass das schon werden wird.“

Auch eine Teilnehmerin eines Einradkurses hebt die Vorteile der Motivation innerhalb der Gruppe hervor.

„Ich habe das auch gemerkt, bei meinem Einradkurs, dass die Gruppe sehr wichtig und wertvoll war, aber ich habe auch viele andere Kurse gemacht, wo es sehr wichtig war sich auszutauschen. Also beim Einradfahren war das sehr wichtig, dass man sich gegenseitig motivieren konnte. Und noch eine Runde! Da ist man sicher weitergekommen, als wenn man allein vor sich hintrudelt.

Eine andere Diskussionsteilnehmerin merkt an, dass bei EDV-Kursen der Gruppe nicht eine so große Bedeutung zukommt, weil man mehr alleine arbeitet. Generell besteht in der Fokusgruppe die Meinung, dass eine Kleingruppe vorteilhafter ist. In Kleingruppen haben die KursleiterInnen mehr Zeit, auf die Bedürfnisse der einzelnen KursteilnehmerInnen einzugehen. Dies kann die Lernmotivation ebenfalls fördern.

„Kleine Gruppen waren auch wichtig! Im zweiten Kurs waren wir fünf Leute und da konnten wir viel mehr machen. Die Lehrende war wirklich ganz, ganz lieb und ist gut auf die Leute eingegangen und hat geschaut, dass alles passt. Das war natürlich eine Riesenmotivation.“

„Ich habe bei Deutsch als Fremdsprache festgestellt, dass, wenn die Gruppe zu groß ist, man ein bisschen untergeht. Der hat versucht das gut einzuteilen und war super, aber in so große Gruppen muss ich nicht hinein.“

Ein Computerkurs mit fünf TeilnehmerInnen wird von einer Diskutantin als gut angesehen. Maximal sollten zehn Personen daran teilnehmen. Eine andere Diskussionsteilnehmerin vertritt zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls die Forderung nach fünf bis zehn KursteilnehmerInnen in Computer- und Sprachkursen, wünscht sich hingegen mehr TeilnehmerInnen bei Kursen zu unterschiedlichen Themen.

„Also bei Sprach- und EDV-Kursen würde ich auch eher kleine Gruppen vorziehen. Ansonsten würde ich schon 10 bis 15 Leute vorziehen, weil ja nicht jede Woche alle da sind und das bringt dann schon mehr Leben hinein.“

Als Vorteil vom Lernen in Gruppen wird neben der Motivation auch die Möglichkeit, sich untereinander Hilfestellungen zu geben gesehen. Als besonders toll wird von einer Diskutantin hervorgehoben, wenn eine „eingespielte“ Kursgruppe auch im nächsten Semester weiter läuft.

„Obwohl es ist wichtig, dass die Gruppe auch gemeinsam weiterzieht. Ich glaube, das ist total wichtig und förderlich. Man kennt sich gut und weiß mit der Zeit auch, wer was kann. Man weiß, wer einem wo helfen kann und wo man den anderen helfen kann, aber leider geht das nicht so oft. Das wäre, glaube ich, eine der optimalsten Konstellationen.“

Als vorteilhaft für die Kommunikation und das persönliche Klima innerhalb der Gruppe sieht eine Diskussionsteilnehmerin Namenskärtchen an.

„Vielleicht noch wichtig, weil man ja in der Gruppe zusammenarbeitet, hätte ich gefunden, wenn wir Namensschilder gehabt hätten. Sicher, mit der Zeit kommt man ja dann darauf, aber Schilder, wo man halt den Vor- und den Familiennamen draufschreibt. Das wäre persönlicher gewesen. Angenehmer halt! Wir haben eh ein super Klima gehabt, aber ich habe mir oft gedacht, dass Namenskärtchen nicht schlecht wären.“

2.3 Neue Medien

Eine Diskussionsteilnehmerin betrachtet das Internet für die Informationsrecherche hilfreich. Zum direkten Lernen eines Textes ist der Bildschirm ihrer Meinung nach nicht so gut geeignet. Eine andere Teilnehmerin nutzt die neuen Medien für das Erlernen von Sprachen und deren Aussprache.

„Ich habe beim Arabisch eine Lern-CD. Da hat man das Bild, das Wort dazu, und hört es auch. Es war am Anfang nur Arabisch und zum Glück waren die Bilder da, weil ich sonst nicht gewusst hätte, was, was ist.“

Bei einer anderen Diskussionsteilnehmerin wurden im Kurs Interviews aus dem amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf gezeigt. Sie profitierte jedoch nicht sehr davon.

„Für mich ist das eher eine Ablenkung. Ich habe einen Englischkurs gemacht und wir haben uns die Interviews mit Bush und Kerry angesehen, aber für mich war das nur Unterhaltung. Da habe ich nicht so davon profitiert. Das kann ich zu Hause machen, aber das muss nicht im Kurs sein.“

Generell gehören neue Medien im Kurs dazu, meint eine Diskutantin.

3 Ideales Lernen und ideale Lernbedingungen in den VHS

In diesem Kapitel werden die Ergebnisse des dritten Teils des Fokusgrupppen-Leitfadens beschrieben. Dabei wurden die TeilnehmerInnen nach den Erfolgsfaktoren für einen VHS-Kurs befragt. Von Interesse war vor allem, in welchem Ausmaß der Lernerfolg beispielsweise von den KursleiterInnen oder von den Räumlichkeiten abhängig ist und inwieweit die VHS die Fokusgruppen-TeilnehmerInnen ihrer Ansicht nach beim Lernerfolg unterstützt. Schließlich wurde diskutiert, wie Lernen in den Volkshochschulen in der Zukunft aussehen soll.

3.1 Die KursleiterInnen

Übereinstimmung zwischen den Teilnehmerinnen herrscht darin, dass den KursleiterInnen die größte Bedeutung für einen gelungenen Kurs und den Lernerfolg zukommt.

„Also ich glaube, es lebt und fällt mit dem Vortragenden.“

Dabei sind mehrere Aspekte entscheidend. Zum einen ist die Begeisterung der Vortragenden für ihre Fächer wichtig. Dabei spielt außerdem eine entscheidende Rolle, dass sie diese Begeisterung auch an die KursteilnehmerInnen vermitteln und weitergeben können.

„Er soll individuell und von seinem Fach begeistert sein. Auf jeden Fall braucht er Persönlichkeit.“

„Er muss von seinem Fach begeistert sein und muss auch die Begeisterung weitergeben. Bei mir auf der Uni, waren viele zu verschlafen.“

Unterstützen können die KursleiterInnen die Weitergabe ihrer Begeisterung an die KursteilnehmerInnen, indem sie sich gut vorbereiten und den Lernstoff interessant aufbereiten.

„Es ist wichtig, dass der Lehrer selber Freude am Thema hat und sich gut vorbereitet. Wenn es zum Beispiel um Sprachen geht, dann kann man ein Bild hernehmen und anhand dieses Bildes die neuen Vokabeln zeigen. Oder irgendwelche Folien! Also sich nicht einfach hinzustellen und irgendwelche Vorträge zu halten (…) was auch immer, Overhead, Power Point, etwas Unterstützendes.“

Weiters herrscht die Meinung vor, dass die KursleiterInnen auf die persönlichen Interessen und Wünsche der TeilnehmerInnen eingehen sollen.

„Persönlich machen ist wichtig!“ 

„Es wäre auch wichtig, wenn man sich persönlich einbringen kann. Das hängt natürlich auch vom Lehrer ab. Aber nicht nur strikt nach Lehrbüchern vorgeht, sondern auch wirklich eigene Interessen.“

KursleiterInnen sollen die TeilnehmerInnen durch lobende Worte motivieren und so ihr Interesse nach neuen Lernerfolgen hervorrufen.

Ja, die Motivation, glaube ich, ist auch extrem wichtig! Dass der eben einmal sagt, „OK, das hast Du gut gemacht!“. Dass Du nicht das Gefühl hast, dass der das über sich ergehen lassen muss, sondern sich wirklich für einen engagiert.

Dass die KursleiterInnen auf die persönlichen Lernbedürfnisse der KursteilnehmerInnen eingehen, wird ebenfalls gefordert.

„Unserer wiederholt so lange, wenn er merkt, dass einer Probleme hat, bis es passt.“

„Wenn ich wenig Vorkenntnisse habe, dann brauche ich einen Trainer, der mir jeden Schritt zeigt und sagt, dass ich diesen Knopf drücken muss.“

Hinsichtlich der Motivation kommt den KursleiterInnen auch die wichtige Rolle zu, eine lernförderliche Gruppendynamik und etwas Humor in die Gruppe zu bringen.

„Mir ist die Persönlichkeit des Lehrenden wichtig! Also, ob er gute Gruppendynamik reinbringt.

„Ich würde gerne noch etwas zum Spaß am Lernen sagen, nachdem Sie ja im Auftrag der Volkshochschule hier sind. Es kommt natürlich schon auf das Lehrpersonal an. Also, dass der Spaß gefördert wird. Man sollte sich das Personal schon sehr gut anschauen.“

Aus der Sicht einiger Diskussionsteilnehmerinnen ist auch wichtig, dass die KursleiterInnen Lernziele definieren und auch über das Erreichen dieser Ziele laufend Auskunft geben.

„Der Lehrer soll das Ziel erwähnen und sagen, wo man zum Schluss stehen soll. Und zwischenzeitlich soll man auch eine subjektive Meinung bekommen. Ob das so passt, oder nicht!“

„Durch ein Ziel kommt sich dann auch keiner am Schluss betrogen vor.“

Dabei ist auch wichtig, dass die KursleiterInnen die angestrebten Lerninhalte auch systematisch unterrichten und beibehalten.

„Von einem Kursleiter erwarte ich, dass er sehr systematisch ist, einen Überblick über das Kursprogramm hat und es auch gut einhalten kann. Ich habe auch einen Italienischkurs besucht, allerdings nicht in Wien, sondern in Deutschland, und das war die absolute Katastrophe. Er hat die ganze Zeit nur über Essen und Restaurants gesprochen. Nach dem Kurs hatte ich den Eindruck, dass ich nichts dazugelernt hatte.“

Bei Sprachkursen betonen mehrere Diskussionsteilnehmerinnen, dass sie Native Speaker als KursleiterInnen bevorzugen.

„Also ich finde einen Native Speaker gut. Gerade bei den Fortgeschrittenen. Ich habe mehrere solche Kurse im Ausland gemacht und das bringt auf jeden Fall sehr viel!“

3.2 Räumlichkeiten

An die Räumlichkeiten werden von den Diskussionsteilnehmerinnen unterschiedliche Anforderungen gestellt. Für eine Teilnehmerin eines Malkurses kommt dem Raum, dem Licht und der Ausstattung eine große Bedeutung zu.

„Für mich sind Räumlichkeiten sehr wichtig! Beim Malen brauche ich gutes Licht, gute Beleuchtung und genügend Platz. Und auch eine Staffelei, die in Ordnung ist.“

Einer anderen Diskussionsteilnehmerin zufolge ist der Raum nicht so entscheidend, jedoch ist es wichtig, dass man seine Ruhe und Konzentration darin findet. Eine andere Diskutantin betont, dass sie genügend Platz benötigt, um sich und ihre Unterlagen darauf auszubreiten.

„Also ich brauche schon einen Tisch zum Schreiben. Es gibt ja auch Kursräume, wo es nur Sessel mit einer Lehne gibt. Also so etwas lehne ich ab!“

Eine zweite Diskutantin teilt diese Meinung.

„Viel Platz halt! Einen Tisch, wo ich mir etwas zum Trinken hinstellen kann. Wo ich meine Handtasche und die Zettel ausbreiten kann. Wo ich mich wohl fühlen kann.“

Einer weiteren Diskussionsteilnehmerin ist ausreichend Platz ebenfalls ein Anliegen. Vor allem legt sie Wert darauf, dass der Raum nicht überfüllt ist. Die ausreichende Belüftung in den Kursräumen hinsichtlich gesundheitlicher Aspekte stellt ein weiteres Thema dar.

„Wir haben vor allem viel mit Terpentin und Lösungsmitteln gearbeitet. Und da war manchmal die Belüftung nicht ausreichend. Terpentin ist sehr giftig und die Dämpfe auch schädlich. Die Damen machen das Fenster zu, damit es ja nicht zu kalt wird. Man wird dann ganz schwindlig.“

3.3 Vorwissen

Mehrere Diskussionsteilnehmerinnen sehen es als wesentlich an, dass bereits erworbene oder fehlende Vorkenntnisse im Kurs richtig berücksichtigt werden und darauf eingegangen wird. Eine Diskutantin meint, einen Kurs zu besuchen, ohne die dafür notwendigen Grundkenntnisse zu besitzen, kann sehr entmutigend sein. Die Lernmotivation wird dadurch eher gehemmt.

„Also zum Beispiel bei Sprachkursen, da gibt es ja diese Levels, und wenn jemand in ein zu hohes Level einsteigt und von Nichts eine Ahnung hat, das ist dann sehr entmutigend. Das ist, kann ich mir vorstellen, ein Grund, nicht mehr lernen zu wollen.“

Zwei Diskutantinnen erzählen, dass in den VHS-Sprachkursen, die sie besucht haben, auf die Wissenslücken und Lernbedürfnisse der TeilnehmerInnen sehr gut eingegangen wurde.

„Ja, weil ich bin auch erst in die 3. Stunde gekommen. Der hat mir das kopiert und hat gesagt, »Immer fragen, immer fragen!«

„Bei mir war es so, ich habe einen Deutschkurs besucht, und das war ein Kurs für besseres Schreiben. Die Lehrerin hat ein Diktat gemacht und ist draufgekommen, dass die Grundkenntnisse bei uns fehlen. Ab diesem Zeitpunkt hat sie gefragt, gefragt, gefragt. Also nicht nur Schreiben, sondern sie ging von Anfang an darauf ein!“

Mehrere Diskussionsteilnehmerinnen stimmen zu, dass sie in den VHS-Kursen, die sie besuchen, hinsichtlich ihrer Vorkenntnisse auf dem Stand abgeholt werden, auf dem sie sich momentan befinden.

4 Zukünftiges Lernen in der VHS

4.1 Übungstag

Eine Diskussionsteilnehmerin wirft die Idee auf, an den VHS erworbenes Wissen zu einem späteren Zeitpunkt nochmals anhand der eigenen Fähigkeiten zu überprüfen. Im Rahmen eines Übungstages könnte festgestellt werden, wie viel die KursteilnehmerInnen sich wirklich gemerkt haben und ob die praktische Anwendung der Kenntnisse klappt oder neue Fragen aufgetaucht sind.

„Ich habe den Kurs EDV I und EDV II, aber ich muss das zu Hause selber lernen und schauen, ob das passt. Aber wenn wir uns ein oder eineinhalb Monate später zusammensetzen würden, und ich hätte etwas vergessen, dann hätte ich jetzt eineinhalb Monate wirklich Zeit gehabt, um draufzukommen, was ich kann und was ich machen soll. Dann könnte ich gezielt noch einmal nachfragen.“

Eine andere Diskutantin vergleicht die Forderung nach einem Übungstag mit der Möglichkeit in Tanzschulen die Perfektion zu üben.

4.2 Neue Kurszeitmodelle

Eine Diskussionsteilnehmerin wünscht sich verstärkt Kurse auch in den Sommermonaten.

„Ich habe von Mai bis Oktober keinen Arabischkurs. Wie viel kann man dann noch?“

Zwei Diskussionsteilnehmerinnen würden gerne Intensivkurse im Sommer besuchen. Eine andere Teilnehmerin hat mit solchen Intensivkursen bereits sehr positive Erfahrungen gemacht.

„Ich habe auch einen Intensivkurs im Sommer gemacht, vier Wochen lang, von Montag bis Donnerstag. Da lernt man so viel wie in einem Semester. Das hat sehr viel gebracht, weil man wirklich täglich gefordert war und auch für den nächsten Tag immer lernen musste.“

Eine andere Diskutantin schlägt vor, im Jahr an bestimmten Tagen einige Themen in Blockform zu gruppieren.

„Ich kenn mich da sehr schlecht aus. Ich kenne das Angebot der Volkshochschule nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass ich gerne bestimmte Tage gerne besuchen würde, also zu bestimmten Themen. Nicht ein ganzes Semester, aber zu bestimmten Themen ein paar Tage.“

4.3 Beurteilung und Auswahl der KursleiterInnen

In einigen Kursen wurden zu Kursende keine Feedbackbögen ausgeteilt und es gab keine Möglichkeit zur Beurteilung der KursleiterInnen.

„Bei uns gab es keinen Beurteilungsbogen! Uns hat niemand gefragt, ob wir zufrieden waren.“

„Die Vortragende war eine ganz Liebe. Es ist schade, dass wir auch keinen Feedbackbogen hatten, weil ich mir denke, dass die Volkshochschulen ja auch davon profitieren, wenn man sagt, »Die war lieb und hat das gut rübergebracht!«. So, dass man sich, wenn man in der Volkshochschule etwas zu sagen hat, die Leute wirklich gut aussuchen kann.“

Generell sind die Teilnehmerinnen der Fokusgruppe der Meinung, dass die VHS bei der Rekrutierung der KursleiterInnen die in Kapitel 3.1 beschriebenen Punkte stärker berücksichtigen sollte bzw. die LeiterInnen laufender Kurse strenger evaluieren sollte: Qualität der KursleiterInnen und ihre fachliche Kompetenz, Vorbereitung des Kurses, Aufbereitung des Lernstoffs, Eingehen auf TeilnehmerInnen, Berücksichtigung ihres Vorwissens, Motivierung der Lernenden, Humor und lernförderliche Gruppendynamik, Lernzielkontrolle und systematisches Unterrichten.

Eine Diskussionsteilnehmerin schlägt – angelehnt an die Idee der Diskussionsforen im Internet – vor, die Ergebnisse der Feedback-Fragebögen im Internet zugänglich zu machen.

„Vielleicht könnte die Volkshochschule das Ergebnis der Befragung veröffentlichen, zum Beispiel im Internet. Weil, wenn ich mich zu einem Kurs anmelde, dann möchte ich schon wissen, ob der Kurs und der Kursleiter gut sind. Ich weiß nicht, wie weit das machbar ist oder ob die Kursleiter einverstanden sind, mit Namen erwähnt zu werden, aber ich glaube, wir sollten Zugang zu diesen Auskünften haben.“

Die Möglichkeit der Schnuppertage ist dabei hilfreich, so die Meinung einer Diskutantin. Eine andere Teilnehmerin hat einfach das Sekretariat befragt, welcher Kursleiter bzw. welche Kursleiterin besser geeignet ist und hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht. //

„Also ich möchte sagen, dass ich es ganz toll finde, Kurse zu besuchen und dass es die Volkshochschulen gibt, weil ich die Dinge, die ich in den letzten sechs Jahren gelernt habe, nie alleine geschafft hätte und wahrscheinlich das Interesse verloren hätte, weil allein vieles nicht schaffbar ist.“

Teilnehmerin der Fokusgruppe zum idealen Lernen an der Volkshochschule

1   Siehe dazu: http://magazin.vhs.or.at/wp-content/uploads/2015/03/OVH_Magazin_251_01_2014.pdf [30.6.2015]

Lueghammer, Regine  und Pannagl, Harald, bearbeitet von Bisovsky, Gerhard (2015): Ideales Lernen an Volkshochschulen. In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. Juli 2015, Heft 256/66. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

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