Gerhard Niedermair (Hrsg.): Informelles Lernen. Annäherungen – Problemlagen – Forschungsbefunde.

Gerhard Niedermair (Hrsg.): Informelles Lernen. Annäherungen – Problemlagen – Forschungsbefunde.
Linz: Trauner Verlag 2015, 436 Seiten.

In bewährter Qualität dieser Schriftenreihe liegt deren neunter Band „Informelles Lernen“ vor. Dessen „opaker“ (dunkel, wenig durchsichtig) Charakter, so eine Bezeichnung in einem Beitrag, wird in dieser Publikation, nach allen Möglichkeiten wissenschaftlichen Handwerks, erhellt. Als Orientierung kann ein gemeinsamer Nenner für informelles Lernen gelten: Es ist nicht als eine isolierte Lernform zu sehen, sondern als ein Lernen, das in formellen, aber auch in informellen Kontexten angesiedelt sein kann. „Die jeweilige Ausgestaltung dieser Praxis ist in ihren sozialen, institutionellen und kulturellen Rahmungen ebenso wie in ihren vielfältigen Gestaltungsweisen zu beleuchten.“ (S. 134). Dieses Verständnis begründet, wie breit gefächert Gerhard Niedermair, Leiter der Abteilung für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung an der Universität Linz, das Buch als Herausgeber konzipiert hat.

Es ist in fünf Abschnitte untergliedert. Im ersten finden sich Beiträge, die lerntheoretische und begriffliche Reflexionen beinhalten. Der zweite Teil umfasst die Entwicklung von spezifischen Kompetenzen und Ressourcen durch informelles Lernen. Dies betrifft z. B. Kompetenzen und berufliche Bildung für nachhaltige Entwicklung, Beschäftigung mit digitalen Medien sowie die Rolle informellen Lernens bei der Überwindung von Stress im Beruf. Der dritte Teil, Gestaltung von Lehr- und Lernarrangements und Prozessen der Kompetenzentwicklung, beschäftigt sich mit beruflicher Bildung, die die Schnittstellen formellen und informellen Lernens betrifft. Auch hier kommt webgestütztes Lernen in dem Sinn zum Tragen, dass das Internet traditionelle Abgrenzungen von institutionalisiertem Lernen aufweicht und neue Lerngelegenheiten schafft.

Biographisches Lernen steht im vierten Teil im Vordergrund. Bei zwei ausgewählten Berufsgruppen, Kfz-Mechatroniker und Beratende in Dienstleistungsberufen, werden die Ergebnisse informeller Lernprozesse beurteilt.

Im letzten Teil finden sich Beiträge zur Identifizierung, Bewertung und Anerkennung informell erworbener Kompetenzen. Darin geht es z. B. um neue Formen, wie Lernergebnisse in der beruflichen Bildung anerkannt werden können, und um entsprechende Validierungsverfahren. Vom Herausgeber selbst stammt ein „Kompetenzporträt“, das in Zusammenarbeit mit dem bfi-Oberösterreich entwickelt und erprobt wurde. Beruhend auf einer biographisch orientierten Methode hilft das Modell, informell erlernte individuelle Kompetenzen zu eruieren.

Die Publikation unterstreicht, die Perspektive des informellen Lernens nicht isoliert, sondern in einem sozialen und lernübergreifenden Kontext lebensbegleitender Bildung zu sehen. Ein Schwerpunkt auf berufsorientierter Bildung ist gegeben. Auf alle Fälle sollte das Buch in Wissenschafts- und Studienbibliotheken nicht fehlen. Die Lektüre fördert die Professionalisierung im Bereich (beruflicher) Weiterbildung und fordert ForscherInnen zu weiteren Untersuchungen im Sektor lebenslanges Lernen heraus. //

Lenz, Werner (2016): Gerhard Niedermair (Hrsg.): Informelles Lernen. Annäherungen – Problemlagen – Forschungsbefunde. Linz: Trauner Verlag 2015, 436 Seiten. In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. April 2016, Heft 258/67. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

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