Das Gelingen von Kommunikation ermöglichen
Der QUADA-Lehrgang, eine Qualifizierungsmaßnahme für DolmetscherInnen im Asylverfahren

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Ein Asylverfahren in Österreich ist ein komplexer Prozess, an dem sehr viele unterschiedliche Personen beteiligt sind, und ein faires Asylverfahren setzt immer voraus, dass die Kommunikation zwischen AntragstellerIn und VertreterInnen der Behörden funktioniert. Dazu braucht es in der Regel DolmetscherInnen mit hoher professioneller Handlungskompetenz. Diese ist jedoch nicht immer gegeben: Viele der derzeit eingesetzten DolmetscherInnen verfügen weder über die erforderlichen sprachlichen Kompetenzen noch über Basiswissen zu Translationstechniken oder die Arbeit als DolmetscherInnen. Das österreichische Asylrecht sowie ihre Rolle als DolmetscherInnen im Asylverfahren sind vielen fremd.

Seit 2015 bietet der Verband Österreichischer Volkshochschulen in Kooperation mit dem UNHCR und mit ExpertInnen in einem multidisziplinären Team einen sprachübergreifenden, modular aufgebauten Ausbildungslehrgang an, der speziell auf diesen Bereich ausgerichtet ist und die DolmetscherInnen in ihrer Professionalisierung unterstützt. Entwickelt wurde das Curriculum von ExpertInnen im Rahmen eines Projekts (vgl. UNHCR Österreich: 2015). Der Lehrgang besteht aus zwölf gleichlangen Modulen zu verschiedenen Themen wie zum Beispiel zu den Grundlagen des Asyl- und Fremdenwesen, zur Rolle von DolmetscherInnen, zu Berufsethik, Dolmetsch- und Notizentechnik, zum Psychischen Erleben von DolmetscherInnen oder zur Mehrsprachigkeit und transkulturellen Kommunikation et cetera.

Die Module werden im Blended-learning-Format angeboten. Das bedeutet, dass die TeilnehmerInnen einen Teil der Lehrgangsinhalte eigenständig erarbeiten – wann und wo immer sie Zeit haben und ein Computer zur Verfügung steht. Das bedeutet auch, dass sie in ihrem individuellen Lerntempo arbeiten und sich die, für sie unbekannten Inhalte erschließen. Somit wird der Lehrgang auch anschlussfähiger an vorhandenes Wissen. Den größeren Teil jedes Moduls absolvieren die TeilnehmerInnen gemeinsam mit anderen DolmetscherInnen bei den Präsenzeinheiten.

Der Pilotlehrgang, der modulweise gebucht werden konnte, wurde im Oktober dieses Jahres abgeschlossen und rückblickend kann gesagt werden, dass insgesamt 61 Personen an diversen Modulen teilgenommen haben, wobei 13 TeilnehmerInnen mindestens neun der insgesamt zwölf Module besucht haben. Sie brachten unterschiedliche Vor- bzw. Berufserfahrungen mit, wie etwa die Arbeit für Behörden und Sozialeinrichtungen in diesem Bereich, aber auch in Krankenhäusern, Pfarren oder unterschiedlichsten Einrichtungen des öffentlichen Dienstes (Polizei, Finanzamt et cetera).

Insgesamt waren mindestens 33 verschiedene Sprachen von Albanisch bis Urdu vertreten. Im Rahmen der diversen Evaluationen unterstrichen die TeilnehmerInnen wiederholt die Bedeutung der Inhalte für Ihre tägliche Arbeitspraxis. Das zeigte sich auch bei der sehr hohen allgemeinen Zufriedenheit mit dem Lehrgang, dessen Inhalten und seiner Form. Da die Professionalisierungsmaßnahme derzeit allerdings nur mit einer Teilnahmebestätigung abschließt, wünschen sich viele eine Abschlussprüfung und ein damit verbundenes Zertifikat, das ihre Kompetenzen auch den Behörden gegenüber noch klarer ausweist.

Ab Herbst 2016 gelang es, das Lehrgangskonzept an drei VHS-Standorten in Wien, Salzburg und Graz (Urania) zu etablieren. Die Lehrgänge in Wien und Salzburg laufen bereits erfolgreich, und der Lehrgang an der Urania in Graz soll ab Februar starten.

Die Zugangsvoraussetzungen sind bewusst niederschwellig angelegt. Die Teilnehmer sollten Deutsch auf B2-Niveau des Europäischen Referenzrahmens beherrschen, und bereits im Asylverfahren dolmetschen bzw. zumindest in diesem Bereich arbeiten oder in anderen Bereichen Erfahrung als DolmetscherIn gesammelt haben und künftig auch im Asylverfahren dolmetschen wollen.

In einem weiteren Schritt wird es nötig sein, neben einer Abschlussprüfung auch die sprachlichen Kompetenzen der (zukünftigen) DolmetscherInnen zu optimieren bzw. das Bewusstsein über die eigenen Kenntnisse und Schwachpunkte zu schärfen. Außerdem sollen Wege gesucht werden, um den Teilnehmenden verstärkt die Möglichkeit zur (Selbst-)Reflexion und zum Austausch über diverse Plattformen oder Stammtische aber auch in Form von Supervision zu ermöglichen.

Auf diese Weise kann ein wichtiger Beitrag dazu geleistet werden, dass Asylverfahren in Österreich zukünftig fairer sowie für alle Beteiligten, und vor allem die Asylsuchenden, erfolgreicher und rascher durchgeführt werden können. //

Feigl, Elisabeth (2016): Das Gelingen von Kommunikation ermöglichen. In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. Dezember 2016, Heft 260/67. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

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