VHS Krems: Frauen nehmen sich ihren Platz

Ein Fotoprojekt, das in Krems im Studienjahr 2016/17 in mehreren Etappen stattfand, stellt Frauen in den Mittelpunkt. Im öffentlichen Raum in ihrer Stadt. Denn dort sind sie noch immer viel zu wenig sichtbar. Sagen die teilnehmenden Frauen und ihr Photograph.

„Auslöserin war Margarete von Babenberg“, umreißt der Wiener Fotokünstler Michael Schmid den Beginn dieses Projektes. „Diese Frau spielt in der Geschichte Österreichs und der Stadt Krems eine bedeutende Rolle und kommt auf der Website der Gemeinde Krems nicht einmal vor.“ Von Margarete, der Ducisse Austrie, deren 750. Todestag am 26. Oktober 2016 begangen wurde, einen Bogen in die Gegenwart zu spannen, lag für Schmid auf der Hand. Er hat in den vergangenen Jahren mit mehreren Fotoprojekten in Österreich, der Slowakei und Spanien, die Rolle der Frau im öffentlichen Raum thematisiert.

Michael Schmid argumentiert: „Der öffentliche Raum gehört allen. Doch Frauen sind hier oft unterrepräsentiert. Das beginnt mit den Mädchen, die in den Parks von den Burschen an den Rand gedrängt werden und endet bei den Denkmälern, die meist Männern gewidmet sind“, erklärt Schmid die Beweggründe für seine jüngsten Arbeiten. In Kooperation mit der Volkshochschule Krems und dem in Krems ansässigen „Lilith Frauenzimmer“ entstand im September und Oktober 2016 die Fotoserie „Ducisse Austrie. Kremser Frauenplätze.“ Auf 25 Fotos zeigen sich Frauen aus Krems und Stein an ihren Lieblingsplätzen. Sie nehmen sich den Platz, der ihnen zusteht. Darunter finden sich bekannte Persönlichkeiten wie die Europaabgeordnete Ulrike Lunacek, die Universitätsprofessorin und Bestsellerautorin Ulrike Guérot oder die Leiterin der FH Krems, Ulrike Prommer, ebenso wie die Frauen der „FoodCoop Krems“, Studentinnen, Alteingesessene wie Zugewanderte. Ein buntes Spektrum selbstbewusster Frauen, die ihren gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft und der Öffentlichkeit beanspruchen.

Warum macht ein Mann solche Projekte, wird Schmid des Öfteren gefragt. Er hat zwei wichtige Motive: „Es ist in den vergangenen dreißig Jahren recht wenig weitergegangen bei der Gleichberechtigung. Die Männer lehnen sich zurück und schauen, wie sie ihren Einflussbereich absichern. Das bringt unsere Gesellschaft nicht weiter. Erst wenn es für Männer ganz selbstverständlich ist, dass Frauen dieselben Plätze einnehmen, werden wir Fortschritt erleben.“ Schmid bezeichnet seine Projekte als interaktive Konzeptkunst. Die Dargestellten sind Agierende, keine Models. Die Bilder entstehen aus der Interaktion. Das gelte, so Schmid auch für die Betrachter und Betrachterinnen. „Jeder und jede wird da etwas anderes sehen. Wir haben alle unterschiedliche Erfahrungen. Ich will, dass sich die Leute mit dem Thema auseinandersetzen. Ihr Leben, unsere Gesellschaftsstrukturen hinterfragen. Jeden Tag aufs Neue.“

Die höchst sehenswerte Ausstellung war zwei Monate in den Räumen der VHS Krems zu sehen, wo sie durch Stadträtin Eva Hollerer eröffnet wurde. Die Ausstellung übersiedelte in weiterer Folge in das Frauenhaus Lilith, wo sie ebenfalls zwei Monate zu sehen war. Abschließend übersiedelte die Ausstellung erneut, diesmal in das Rathaus der Stadt Krems, wo sie am Vorabend des Internationalen Frauentag (7. März 2017) vom Bürgermeister der Stadt Krems, Primar Dr. Reinhard Resch eröffnet und zum Anlass genommen wurde, verdiente Frauen in Krems zu ehren. //

Hyperlinks:

Faltus, Leo (2017): VHS Krems: Frauen nehmen sich ihren Platz. In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. November 2017, Heft 262/68. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

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