Erwachsenenbildung in Österreich – wie geht es weiter?

Die ersten veröffentlichten Daten zum Adult Education Survey 20161, der alle fünf Jahre europaweit durchgeführt wird und die Bildungsbeteiligung in dem Jahr vor der Befragung erhebt, zeigen eine Steigerung der österreichischen Beteiligung an Weiterbildung der 25- bis 64jährigen Wohnbevölkerung: Um 11,7 Prozentpunkte ist die formale und nicht-formale Bildung bzw. Weiterbildung gestiegen. Dieser Zuwachs ist auf die nicht-formale Weiterbildung zurückzuführen, dort haben wir nämlich eine Zunahme von 12,9 Prozentpunkten, was einer Steigerungsrate von 28 Prozent entspricht. Der Vergleich von 2007 bis 2016 zeigt, dass das Wachstum in der Beteiligung an Bildung/Weiterbildung der 25 bis 64 jährigen Wohnbevölkerung auf die nicht-formale Weiterbildung2 zurückzuführen ist.

beteiligung-nach-aes_w

Diese Entwicklung beruht auf einem Zusammenspiel von staatlicher Erwachsenenbildungspolitik mit einer Erwachsenenbildungslandschaft, in deren Mittelpunkt die institutionalisierte Erwachsenenbildung steht, wie sie durch die Volkshochschulen und andere Institutionen im Rahmen der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) repräsentiert ist. Ein breites Bildungsangebot bietet berufliche Bildung und Allgemeinbildung, die den Zweiten Bildungsweg ermöglicht und zahlreiche Kurse, Lehrgänge und Projekte anbietet, die von Sprachen über Mathematik, Neue Technologien, Naturwissenschaften, Gesundheit, Kunst/Kultur bis hin zur Vermittlung bürgerschaftlicher Kompetenz reichen. Bewährt ist ein kooperatives Modell der Steuerung (Governance) mit bundesweiten Maßnahmen wie: Initiative Erwachsenenbildung, Bildungsberatung, Professionalisierung und Qualitätssicherung, das gleichzeitig freien Raum für vielfältige Bildungsprozesse Erwachsener lässt.

Österreich hat im Gegensatz zu manch anderen Ländern grundsätzlich gute Strukturen in der Erwachsenenbildung, die eine rasche, flexible und flächendeckende Umsetzung von Bildungsaktivitäten ermöglichen.

Es ist zwar bedauerlich, dass der Erwachsenenbildung im aktuellen Regierungsprogramm kein eigenes Kapitel gewidmet ist, implizit ist sie aber sehr wohl ein Thema in mehreren Bereichen. Und es ist bekannt, dass mehrere große Herausforderungen die Erwachsenenbildung notwendiger denn je machen.

Die Digitalisierung ist eine Entwicklung, die wir zwar nicht aufhalten können, die aber sehr wohl gestaltbar ist. Der Erwachsenenbildung kommt hier nicht nur die qualifizierende Aufgabe zu, die ja ohnedies schon seit langem praktiziert wird. Nun geht es darum, dass wir uns sachlich, offen und kritisch mit der Digitalisierung auseinandersetzen und uns befähigen, gesellschaftliche Entwicklungen im Sinne eines „gelingenden Lebens“ mitzugestalten.

Ein sehr wichtiges Thema ist die demokratiepolitische Bildung. Der weltweit erhobene Demokratie-Index3 ist im Jahr 2017 gefallen und der Zustand der Demokratie hat sich global gesehen in keiner einzigen Region verbessert.4 ExpertInnen argumentieren, dass das Vertrauen in die Demokratie durch Populisten geschwächt werde, gleichzeitig aber auch durch eine Elite, die der Demokratie immer mehr misstraut. Österreich ist zwar nach wie vor in einer guten Situation und wird als eine „volle Demokratie“ bezeichnet. Das sollte aber keinesfalls ein Grund fürs Nichtstun sein, denn die „Erosion der Demokratie geschieht für die meisten Bürger so gut wie unmerklich“, werden die beiden Harvard-Professoren Steven Levitsky und Daniel Ziblatt zitiert.5 Und Demokratie ist immer wieder zu lernen.

Demokratiepolitische Bildung ist daher ein Arbeitsschwerpunkt des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen und der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs, ebenso der kompetente und kritische Umgang mit Medien aller Art.

//

Die Erwachsenenbildung ist mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert und sie ist in der Lage, mit diesen umzugehen. Nun stehen die Verhandlungen für die dreijährigen Leistungsvereinbarungen an (die der Bund zur Förderung der gemeinnützigen Erwachsenenbildung mit den Institutionen abschließt) und angesichts der kommenden Anforderungen ist es notwendig, dass, wie zuletzt im Jahre 2012, eine spürbare Anpassung erfolgt. Denn die Strukturen, die eine gute und flächendeckende Umsetzung ermöglichen, müssen nicht nur gesichert sondern auch ausgebaut werden. Aufgrund der Wirkungen von Erwachsenenbildung für das Gesundheitsbewusstsein, das Sozialverhalten und für den sozialen Zusammenhalt ist jede Förderung der Erwachsenenbildung eine Investition, die mehrfach wieder zurückkommt.

http://appsso.eurostat.ec.europa.eu/nui/show.do?dataset=trng_aes_100&lang=de [01.03.2018]

Unter nicht-formaler Weiterbildung ist Erwachsenenbildung zu verstehen, die sich durch ein meist breites Spektrum an Kursen, Seminaren und Lehrgängen auszeichnet, nicht Teil des staatlichen Bildungssystems ist, sehr wohl aber auch auf staatliche Abschlüsse wie etwa die Berufsreifeprüfung vorbereitet.

Der Demokratieindex wird seit dem Jahr 2006 von der Zeitschrift „The Economist“ berechnet und misst den Grad der Demokratie in 167 Ländern. Es wird unterschieden zwischen vollständigen und unvollständigen Demokratien sowie zwischen zwei Regimetypen, nämlich dem Hybridregime, das eine Mischung aus Autokratie und Demokratie darstellt und dem autoritären Regime.

Vgl. https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/welt/weltpolitik/949766_Demokratie-weltweit-unter-Druck.html [01.03.2018]

Ebd.

Bisovsky, Gerhard (2017): Erwachsenenbildung in Österreich – wie geht es weiter? In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. Winter 2017/18, Heft 263/68. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Zurück nach oben