Community Education und Volkshochschulen

Dabei wird Bildung von den Menschen vor Ort und von allen relevanten Stakeholdern getragen: Gemeinden, Schulen, Hochschulen, Bildungsträger aus der Erwachsenenbildung, Vereine und NGOs sowie das Arbeitsmarktservice. Als Ziele werden die Koordination und Vernetzung unterschiedlicher Akteure angegeben sowie „maßgeschneiderte regionale und partizipative Angebote“. Mittels innovativer Modelle soll die aktive Teilhabe bei der Gestaltung der Lebensumwelt und des Gemeinwesens unterstützt werden; soziale und bildungspolitische Maßnahmen auf regionaler und lokaler Ebene wirken inklusiv; die Sozialpartner wirken lokal und regional an der Umsetzung der Community Education mit und Kompetenzen und Fertigkeiten, die in der Freiwilligen- und Gemeinwesenarbeit erworben wurden, sind auf allen Bildungs- und Qualifikationsstufen anerkannt.

Wichtige Maßnahmen sind die Verankerung des Lifelong Learning als Thema in den Regionen, die Einbeziehung der BürgerInnen in Planungs- und Bildungsprozesse, weiters Erhebungen von Aktivitäten und Modellen; Anerkennungsverfahren informell erworbener Kompetenzen; Aufwertung von Freiwilligenarbeit und ehrenamtlichem Engagement durch entsprechende Anerkennungsverfahren; usw. usf. Als eine zusätzliche Maßnahme wird die Aufnahme von Community Education in die Leistungsvereinbarungen mit dem Bildungsministerium genannt. (LLL:2020, S. 32-35)

Bildungsnahversorger Volkshochschulen

Die Volkshochschulen bringen ihr Programm und ihre Bildungsangebote in die Regionen und Orte, in denen die Menschen wohnen, arbeiten oder ihre Ausbildung machen. Die Volkshochschulen sind somit die klassischen Nahversorger. Sie bieten leicht erreichbare Bildung zu sozial verträglichen Gebühren für alle Bevölkerungsschichten an. Doch um welche Bildung geht es hier und trifft diese Bildung die Interessen und Bildungsbedarfe der Menschen in der Region?

Das Programm der Volkshochschulen umfasst alle acht Schlüsselkompetenzen für das lebensbegleitende Lernen, wie sie vom Europäischen Parlament verabschiedet wurden und die Grundlage der österreichischen Lifelong Learning-Strategie sind. Diese Schlüsselkompetenzen sind: Sprachen; mathematisch-naturwissenschaftliche Kompetenz; digitale Kompetenz; Lernkompetenz; Gesundheit1, Gesellschafts-, Bürger- und Selbstkompetenz; unternehmerische Kompetenz sowie Kulturbewusstsein und kulturelle Ausdrucksfähigkeit. Hier handelt es sich um Kompetenzen, die Europaweit heute als grundlegend erachtet werden, um an Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeitswelt teilhaben zu können und für ein gelingendes Leben stehen.

Nicht jede Volkshochschule kann dieses Programm in seiner Gesamtheit realisieren, auf Bundesländerebene werden jedoch alle Schlüsselkompetenzen abgedeckt. Nun stellt sich die Frage, wie die Volkshochschulen mit ihren Angeboten den Bildungsinteressen wie auch den Bildungsbedarfen der Menschen in den Regionen, in den Bundesländern entsprechen. Dazu werfen wir einen Blick in die VHS-Statistik und betrachten die Teilnahmen aller Angebote sowohl bei den Kursen als auch bei den Einzelveranstaltungen. Die Teilnahmen spiegeln die Nachfrage wider und es ist anzunehmen, dass hinter der Nachfrage Bildungsinteressen wie auch Bildungsbedarfe stecken. Die Menschen, die die VHS-Veranstaltungen besuchen, wollen Interessen befriedigen, sie sind allerdings auch mit Anforderungen konfrontiert, die sie Weiterbildungsveranstaltungen besuchen lassen. In den überwiegenden Fällen tun sie das freiwillig und sie finden in der Volkshochschule einen Ort, der den Zugang zu Bildung und Lernen relativ leicht und einfach ermöglicht. Die sozial verträglichen Gebühren erleichtern den Einstieg und die Volkshochschule steht für eine gemeinnützige Bildungseinrichtung, die nicht nur Marktgängiges anbietet. Gleichzeitig sind die Volkshochschulen ein Garant für ein kontinuierliches Bildungsangebot, für ein Bildungsangebot, das stark mit gesellschaftlichen Anforderungen und Bedarfen verknüpft ist, wie das zum Beispiel mit vielen Deutschkursen für Zuwanderer der Fall ist. Ebenso findet sich in Volkshochschulen Bildung, die an den Interessen der Menschen anknüpft.

Wenn wir die Kursbesuche und die Besuche von Einzelveranstaltungen gemeinsam betrachten, sind die am meisten nachgefragten Themen Gesundheitsbildung mit rund 29 Prozent, Sprachen mit 19 Prozent, Politik, Gesellschaft und Kultur mit 16 Prozent sowie Naturwissenschaft, Technik und Umwelt mit 15 Prozent. Danach folgen Grundbildung und Zweiter Bildungsweg mit 9 Prozent, Kreativität und Gestalten mit ebenfalls rund 9 Prozent sowie berufliche und berufsorientierte Bildung mit 3 Prozent. (Berechnungen nach Vater, Zwielehner 2018)

teilnahmen-in-kursen-fachbereichen_w

Die Verteilung nach den Statistik-Fachbereichen variieren je Bundesland und spiegeln die unterschiedlichen Angebotsschwerpunkte wider, die wiederum die Bildungsinteressen und –bedarfe der Bevölkerung wiedergeben, die sie in „ihren“ Volkshochschulen umsetzen. Im Burgenland steht der Fachbereich Politik, Gesellschaft und Kultur an erster Stelle (37,1 Prozent), gefolgt von Gesundheit und Bewegung (21,5 Prozent) und Grundbildung und Zweiter Bildungsweg (18,4 Prozent). In Kärnten ist Gesundheit und Bewegung mit 40,6 Prozent der stärkste Fachbereich, an zweiter Stelle folgt das Sprachenangebot mit 21 Prozent und sodann Grundbildung und Zweiter Bildungsweg mit annähernd 19 Prozent. In Niederösterreich wird Gesundheit und Bewegung mit rund 36 Prozent am stärksten nachgefragt, an zweiter Stelle der Fachbereich Politik, Gesellschaft und Kultur mit knappen 32 Prozent und schließlich Sprachen mit rund 18 Prozent. Oberösterreich hat einen ähnlichen starken Fachbereich Gesundheit und Bewegung (rund 35 Prozent), gefolgt von Sprachen (24 Prozent) sowie Politik, Gesellschaft und Kultur mit rund 22 Prozent.

Salzburg hat einen hohen Anteil an Teilnahmen in Gesundheit und Bewegung mit rund 49 Prozent, gefolgt von Sprachen mit 36 Prozent. Noch höher ist die Nachfrage nach Gesundheit und Bewegung in der Steiermark mit rund 61 Prozent, an zweiter Stelle rangieren Sprachen mit rund 20 Prozent, gefolgt von Politik, Gesellschaft und Kultur mit rund 11 Prozent. In Tirol umfasst Gesundheit und Bewegung 38 Prozent, Sprachen werden zu rund 26 Prozent nachgefragt und Politik, Gesellschaft und Kultur zu 15 Prozent und mit rund 14 Prozent folgt Kreativität und Gestalten. In Vorarlberg liegen Sprachen mit 26 Prozent vorne, an zweiter Stelle Gesundheit mit 22 Prozent, gefolgt von Kreativität und Gestaltungen mit rund 21 Prozent, Grundbildung und Zweiter Bildungsweg liegt an vierter Stelle mit 16 Prozent. Naturwissenschaft, Technik und Umwelt wird in Wien am stärksten nachgefragt (rund 34 Prozent aller Kurse und Vorträge), Grundbildung und Zweiter Bildungsweg liegen mit 15 Prozent an zweiter Stelle, gefolgt von Sprachen (13 Prozent), Politik, Gesellschaft und Kultur (rund 13 Prozent) und Gesundheit und Bewegung (12 Prozent).

Teilnahmen in Kursen und Einzelveranstaltungen nach Fachbereichen und Bundesland

fachbereiche-teilnahmen-diagramm_w

Das vielfältige Angebot der Volkshochschulen kann ein wichtiger „Türöffner zur Teilnahme am sozialen Leben“ sein. „Die Kontaktaufnahme zu Gleichgesinnten, Stärkung des Selbstbewusstseins, Erweiterung des eigenen Horizonts und nicht zuletzt das Erlernen von Fähigkeiten, die Spaß machen, sind wichtige Faktoren für hohe Lebensqualität, die durch ein buntes Angebot an Erwachsenenbildung gefördert wird.“ Schließlich tragen die Volkshochschulen auch mit ihrer integrativen Funktion zur Vitalität der Gemeinden bei. (Brandauer 2018)

Lebensbegleitendes Lernen in Regionen

Community Education ist im Nexus der Verankerung des Lebensbegleitenden Lernens in den Regionen zu sehen. Dabei nützt Community Education das „soziale Leben aktiv als Lernfeld“. Über partizipative Maßnahmen sollen der gesellschaftliche Zusammenhalt und die wirtschaftliche Entwicklung gefördert werden. Der Begriff „Community Education“ wird unterschiedlich definiert und verstanden, gemeinsam sind ihnen allen aber folgende Elemente: Die Integration des formalen, non-formalen und informellen Lernens; die Schaffung von Lerngelegenheiten; die Verbindung von Bildung, Gemeinwesenarbeit und Regionalentwicklung; ein Bottom-up-Ansatz; die Beteiligung von regionalen NGOs und die Teilnahme sowie das Empowerment von Benachteiligten (Wagner/Steiner 2011, S. 40f.)

Community Education hat auch zum Ziel, die Benachteiligung einzelner Regionen gegenüber den städtischen Agglomerationen auszugleichen. Steiner et al (2010, S. 70 und 2011, S. 6) argumentieren zwar, dass Milieus und soziale Lagen stärker differenzieren als beispielsweise der Unterschied zwischen Stadt und Land. Denn während in der Stadt der Anteil von Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen größer ist, ist auch der von Personen mit maximal Pflichtschulabschluss höher als in ländlichen Regionen, in denen allerdings Menschen mit mittleren Abschlüssen überwiegen.

Regionen sind aber durch ein eingeschränktes Bildungsangebot benachteiligt und durch niedrigere kritische Größen in der Nachfrage nach Bildung. Oft gibt es Konkurrenz und eine geringe Kooperationsbereitschaft zwischen den Bildungsorganisationen (vgl. Schrenk 2017). Wie die PERLS-Studie gezeigt hat, konzentrieren sich mehrere Bildungsveranstalter in Bezirksstädten. Sie bieten Ähnliches an und dann kommt überhaupt kein Angebot zustande, während ein einziges Angebot wahrscheinlich ausreichend nachgefragt würde. Die Autorinnen empfehlen daher den Ausbau der Zusammenarbeit zwischen allgemeiner und beruflicher Erwachsenenbildung und sie empfehlen auch eine gemeinsame Steuerungsstruktur (vgl. Gruber, Brünner & Huss 2009).

Ist die Anreise zur nächsten Bildungsorganisation zu lange, wird ein fehlendes lokales Angebot zur Bildungsbarriere. In einer oberösterreichischen Studie zeigte sich, dass Bildungsferne maximal 20 Kilometer bereit sind zum Schulungsort reisen und Niedrigqualifizierte höchstens 60 Kilometer, während Hochqualifizierte 108 Kilometer in Kauf nehmen würden (vgl. Mörth 2004, S. 144).

Die Volkshochschule kommt zu den Menschen

Im vorstehenden Kapitel wurde die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Verständnisse und Definition von Community Education unter Bezugnahme auf Wagner/Steiner (2011, S. 40f.) so definiert:

  • Integration des formalen, non-formalen und informellen Lernens;
  • Schaffung von Lerngelegenheiten in und für die Community;
  • Verbindung von Bildung, Gemeinwesenarbeit und Regionalentwicklung
  • Bottom-up-Ansatz;
  • Beteiligung von regionalen NGOs und
  • Teilnahme sowie Empowerment von Benachteiligten

Nun werden entlang dieser Merkmale von Community Education die Aktivitäten von Volkshochschulen exemplarisch beschrieben.

Integration des formalen, non-formalen und informellen Lernens

Eines der herausragenden Beispiele einer Integration dieser verschiedenen Formen des Lernens stellt zweifelsohne das Bildungszentrum Saalfelden dar. Dieses österreichische Vorzeigemodell wurde bereits Ende der 1980er Jahre begründet. Die Öffentliche Bibliothek und die Volkshochschule wurden zusammengeführt und es wurde und wird intensiv versucht bildungsbenachteiligte Personen und Zielgruppen zu erreichen. Das Bildungszentrum war und ist an mehreren Projekten beteiligt, die allesamt Zielsetzungen im Rahmen der Community Education haben: Basisbildung im Pinzgau, Freies Radio Pinzgau, learn forever – Bildungsbenachteiligte Frauen im Kontext pädagogischen Handelns.2  Mit Kooperationen wie dieser greift die Volkshochschule auf ihre historischen Wurzeln zurück, die eng mit dem Bibliothekswesen verbunden sind. Mehrere Volksbildungseinrichtungen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hatten auch Lesesäle und Volksbibliotheken.

Ein weiteres Vorzeigemodell und vielbeschriebenes Best-Practice-Modell ist der 2007 eröffnete Wissensturm in Linz der die Volkshochschule, die öffentliche Bibliothek und das Bürger- und Servicezentrum der Stadt Linz, ein Selbstlernzentrum und ein Medienzentrum umfasst. Eine Zeitlang standen alle Institutionen sogar unter einer gemeinsamen Leitung. Das Bildungszentrum Simmering in Wien beinhaltet eine Standortkooperation zwischen Volkshochschule und Bücherei, die Wiener Volkshochschulen kooperieren eng mit der Hauptbücherei Wien. Solche und ähnliche Kooperationen finden sich beispielsweise im Rheintal, die Volkshochschule Götzis führt dort auch die Stadtbücherei. Die Kärntner Volkshochschule in Villach arbeitet mit der dortigen Bücherei der Arbeiterkammer zusammen. Viele andere Beispiele einer Zusammenarbeit mit öffentlichen Bibliotheken finden sich in Gemeinden und an anderen Standorten von österreichischen Volkshochschulen.

Zu erwähnen sind auch die zahlreichen Kooperationen mit Schulen und Universitäten, die von der gemeinsamen Nutzungen von Ressourcen bis hin zu gemeinsamen geplanten und durchgeführten Veranstaltungen reichen, wie dies beispielsweise im Campus Längenfeld in Wien im Rahmen der Standortkooperation von Volkshochschule, Berufsschule und Bezirksmuseum geschieht. Zahlreich sind die Kooperationen von Volkshochschulen mit Schulen in den österreichischen Gemeinden. Kooperationen mit Universitäten finden sich in unterschiedlicher Form an mehreren Standorten, zum Beispiel uni.com in Innsbruck oder University Meets Public in Wien. Zu erwähnen sind auch die Aktivitäten der Urania in Graz oder die Kooperation der Kärntner Volkshochschulen mit der Montagsakademie der Universität Graz, die Kooperation der Volkshochschule Linz mit der Johannes-Kepler-Universität. Die Zusammenarbeit der Volkshochschule Krems mit mehreren Kremser Museen, der Fachhochschule oder die Zusammenarbeit der Volkshochschule Salzburg mit Museen, intensiv zum Beispiel im Zuge des Gedenkjahres 2018, seien stellvertretend für viele Kooperationen der österreichischen Volkshochschulen erwähnt. Dabei ist die gute Verankerung der Volkshochschulen in ihrem jeweiligen lokalen Umfeld entscheidend und kennzeichnend für ihre Bildungsarbeit.

Die Volkshochschule Steiermark arbeitet gemeinsam mit der Universität Graz an unterstützenden Lernnetzwerken für Menschen in peripheren Regionen. (vgl. Aldrian et al. 2018)

Schaffung von Lerngelegenheiten in und für die Community

Eine besondere Form der Community Education sind die Volksgruppen-Volkshochschulen im Burgenland: Burgenländische Kroaten, Roma und Ungarn. Die VHS der burgenländischen Roma bietet neben Sprachkursen regelmäßig Gedenkveranstaltungen an, sie initiiert Gedenktafeln und führt Kunst- und Kulturprojekte durch. Ausführlich wurde darüber in der ÖVH berichtet. (Horvath/Liszt 2018)

Das Jüdische Institut für Erwachsenenbildung in Wien ist eine weitere spezifische Einrichtung für die jüdische Community, die einen Beitrag zur Verbesserung der Verständigung zwischen jüdischen und nicht-jüdischen BewohnerInnen Wiens leisten will.

Mit dem Wiener ProjektGemeinsam schlau im Gemeindebau“ wurden und werden vielfältige Lern- und Bildungsangebote durchgeführt, die auch einen Beitrag zur Förderung des Zusammenlebens leisten. Neben anderem wurden auch ältere LernbegleiterInnen im Gemeindebau ausgebildet, wofür 2012 der Staatspreis für Erwachsenenbildung verliehen wurde.

Im Vergleich zu Deutschland hat Österreich einen deutlich niedrigeren Anteil an Volkshochschulen in kommunaler Trägerschaft. Hier sticht das Bundesland Niederösterreich hervor, von den 73 autonomen Volkshochschulen sind 55 kommunale Einrichtungen. Kommunale Volkshochschulen gibt es zudem noch in Linz und in Wels.

Zahlreiche Lerngelegenheiten in den lokalen Communities werden von allen österreichischen Volkshochschulen geboten.

Verbindung von Bildung, Gemeinwesenarbeit und Regionalentwicklung

Im Bildungstreff Oberes Murtal, an dem auch die Volkshochschulen in der Steiermark beteiligt sind, werden zukunftsfähige, regionale Strukturen für lebenslanges Lernen umgesetzt. Koordiniert wird der Bildungstreff vom Bildungsnetzwerk Steiermark, an dem maßgeblich die Volkshochschule Steiermark und die Urania mitarbeiten. Mit dem Bildungstreff wurden mehrere Vernetzungsziele verfolgt: Aufbau themenspezifischer Netzwerke; Schaffen von Transparenz bei Bildungs- und Lernangeboten; Verbesserung der Angebotsstruktur durch verstärkte Einbeziehung des Bildungsbedarfs und der Interessen der Bevölkerung sowie Sensibilisierung für und Bewusstseinsbildung über die Bedeutung von Bildung und Lernen im Lebenszusammenhang.3

Das Projekt „Integration. Neue Herausforderungen für die Gemeinde“ der Kärntner Volkshochschulen will die für das Gemeinwohl wichtigen Strukturen und Funktionen der Gemeinde stärken. Konkret werden Personen, die mit Asylwerbern in Kontakt stehen, unterstützt und die Zusammenarbeit zwischen diesen verbessert. Zudem wird auch die Beteiligung der heimischen Bevölkerung in den Gemeinden gefördert.4

Die Kursreihe der Volkshochschule Salzburg zum Vertrauensnachbarn5 vermittelt wichtige Werkzeuge für ihr Engagement in der Nachbarschaft. Themen sind: Wissen über Gesprächsführung, Sicherheitsthemen, transkulturelle Kompetenz aber auch Gesundheit. Die Vertrauensnachbarn begleiten Menschen in Sinne einer guten Nachbarschaft.

Der interreligiöse Stammtisch in Saalfelden wurde gemeinsam mit den christlichen Pfarrern und VertreterInnen des Buddhismus und der Bahai entwickelt. Der dreimal jährlich rotierend in den Räumen einer Glaubensgemeinschaft stattfindende Stammtisch bietet den Religionen und den Gläubigen Raum und Ort zum Kennenlernen und zum Austausch, er bringt aber auch Religion und Alltagsleben näher zusammen. (Aschauer-Smolik 2018)

„Lernen vor Ort“ setzt die Volkshochschule Mistelbach in Niederösterreich seit vielen Jahren neben anderem mit einem umfangreichen und thematisch breiten Sommerferienprogramm für Kinder und Jugendliche um.6

Bottom-up-Ansatz

Die Akademie der Zivilgesellschaft der Wiener Volkshochschulen fördert ehrenamtliches Engagement, das für ein gelungenes Zusammenleben wichtig ist. Mit der Akademie sollen Strukturen und Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die Zivilgesellschaft bestmöglich unterstützen. Alle Bevölkerungsgruppen sollen sich konstruktiv in den Gestaltungsprozess unserer Gesellschaft einbringen können. „In den Lehrgängen der Akademie erarbeiten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer alle Fähigkeiten, die sie für den Projektstart oder die Weiterentwicklung eines bereits bestehenden Projekts benötigen. Im Mittelpunkt steht dabei stets das Selfempowerment der TeilnehmerInnen.“ (Pabst 2018)

Die österreichischen Volkshochschulen haben im Gefolge der großen Fluchtbewegungen 2015 Herausragendes geleistet. An allen Standorten und in vielen Gemeinden wurden unterstützende Maßnahmen durchgeführt, viele davon auch ehrenamtlich und kostenfrei für die Geflüchteten. Dabei wurde besonders auf deren Situation Bedacht genommen und die Bedürfnisse und Bedarfe der Geflüchteten waren grundlegende Bestandteile der Inhalte der Aktivitäten vor Ort.

Die Volkshochschulen gehen raus in die Talschaften und verfolgen dort „kontextgebundene Ziele“ und so können Personen angesprochen werden, die durch die alleinige Bereitstellung des „richtigen“ Angebotes nicht erreicht werden (Fischnaller 2019).

Beteiligung von regionalen NGOs

Regionale NGOs führen mit Volkshochschulen gemeinsam Bildungsveranstaltungen durch, zum Beispiel „okay.zusammen leben“7 in Vorarlberg zur Unterstützung von längerfristigen Integrationsprozessen in Zusammenarbeit mit den Vorarlberger Volkshochschulen. Oder beispielsweise das Rote Kreuz mit der Volkshochschule Korneuburg.

Viele Diskussionsveranstaltungen und Vortragsreihen wurden und werden mit regionalen NGOs durchgeführt.

Teilnahme sowie Empowerment von Benachteiligten

An der Regionalstellen der Burgenländischen Volkshochschulen wurde das Projekt LernBar umgesetzt. Personen, die Probleme beim Lesen, Schreiben oder Rechnen haben, soll der Wiedereinstieg in das Lernen durch offene und flexible Informations- und Beratungsangebote erleichtert werden. Die LernBar bietet Eingangsberatung, flexible Angebote in der Basisbildung, Einzel- oder Kleingruppenbetreuung, Curricula, die auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt sind und individuelle Lernhilfe und Unterstützung beim Lernen.8

„Stadtmenschen Wien“ wird an mehreren Wiener Volkshochschulen angeboten. Das Ehrenamtsprojekt bietet eine erste Anlauf- und Orientierungsstelle für die Probleme und Fragen der Bevölkerung.

Die Menschen kommen mit Fragen und Anliegen aus den Bereichen Wohnen und Wohnungsnot, Bildung, Armut und Finanzielles, Familie, Arbeit und Arbeitslosigkeit sowie Asyl und Pflege in die Sprechstunden. Die „Stadtmenschen“ analysieren das Problem und verweisen die Hilfesuchenden an bestehende Angebote sowie ExpertInnen in Wien. Im Vorfeld bereiten die Ehrenamtlichen gemeinsam mit den Betroffenen Gespräche vor und helfen dabei, Formulare auszufüllen.9

Angebote zur Lernunterstützung und Sprachförderung für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien werden in mehreren Bundesländern in den Städten und in den zahlreichen Gemeinden durchgeführt. Sprachförderwochen für Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache finden auch direkt vor Ort, zum Beispiel in Bezau, Hittisau, Lustenau oder auch im Montafon und Walsertal statt. Diese Vorort-Veranstaltungen werden oft von den Mitarbeiterinnen der Gemeinden gewünscht und von den Volkshochschulen, umgesetzt (Fischnaller 2019).

Das Lerncoaching der Kärntner Volkshochschulen unterstützt Kinder aus einkommensschwachen Familien in den Hauptgegenständen Mathematik, Deutsch und Englisch und fördert so die Chancengleichheit für Kinder (Penz 2018).

Mit dem Projekt „Förderung 2.0 – VHS Lernhilfe an Wiener Schulen“ wird Kindern aus sozial schwächer gestellten Familien die Teilhabe an Bildung erleichtert. Dies geschieht über VHS-Lernhilfekurse, die an den teilnehmenden Schulen durchgeführt werden und über das offene und niederschwellige Angebot der VHS-Lernstationen in den Räumen der Volkshochschulen. (Bergmann et al. 2018)

Wirkungen von Community Education in und durch Volkshochschulen

Ein erklärtes Ziel der österreichischen Lifelong Learning Strategie LLL:2020 ist die Steigerung der Teilnahmequoten an nicht-formaler Weiterbildung in dünn besiedelten Gebieten von 35,7 Prozent laut „Adult Education Survey“ 2007 auf die Teilnahmequote von Gebieten mittlerer Siedlungsdichte mit mindestens 45 Prozent (LLL:2020, S. 4). Die Teilnahme an nicht-formaler Bildung ist generell deutlich angestiegen, in dicht besiedelten Gebieten liegt sie bei 61,5 Prozent, in mittel besiedelten Gebiete bei 55 Prozent und in dünn besiedelten bei 58,6 Prozent. (Statistik Austria 2018, S. 71)

Zwar kann kein ursächlicher und kausaler Zusammenhang zwischen Community Education in und durch Volkshochschulen und der Beteiligung an nicht-formaler Bildung in dünn besiedelten Regionen hergestellt werden, es gibt aber viele Hinweise sowie gute und plausible Gründe, dass durch die sehr vielfältigen Aktivitäten im Bereich der Community Education und der Volkshochschulen ein wichtiger Beitrag zu einer österreichischen Erfolgsgeschichte geleistet wurde.

Eine dieser Begründungen liegt zweifelsohne darin, dass auf soliden Strukturen in der Erwachsenenbildung aufgebaut werden kann, allen voran die in der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) organisierten gemeinnützigen Erwachsenenbildungseinrichtungen. Diese wirken in Verbindung mit zahlreichen Initiativen und Aktivitäten in den Gemeinden und in den Bundesländern sowie im Kontext einer erfolgreichen Erwachsenenbildungspolitik, wodurch es gemeinsam gelungen ist, die Weiterbildungsbeteiligung auch in dünn besiedelten Gebieten deutlich anzuheben. //

1   Gesundheit, die der Gesellschafts-, Bürger- und Selbstkompetenz zugeordnet werden kann, wird vom VÖV als eigene Kompetenz dargestellt. Die Sprachkompetenz umfasst sowohl die mutter- bzw. erstsprachliche wie auch die fremdsprachliche Kompetenz.

2  Vgl. https://www.bz-saalfelden.salzburg.at/bildungszentrum

http://www.bildungsnetzwerk-stmk.at/oberes-murtal/

https://www.meinbezirk.at/st-veit/c-lokales/integration-bessere-vernetzung-durch-sechs-workshops_a1613187 [27.2.2019]

https://www.stadt-salzburg.at/internet/service/aktuell/aussendungen/2016/die_ersten_vertrauensnachbarn_erhielten_450034.htm [27.02.2019]

http://www.vhs-mistelbach.at/file/sommersemester2019.pdf [27.2.2019]

https://www.okay-line.at/

Vgl. http://www.vhs-burgenland.at/home/LernBar.html [27.2.2019]

Siehe: https://www.wien.gv.at/bezirke/penzing/gesundheit-soziales/stadtmensch.html [27.2.2019]

Literatur

Aldrian, Sarah, Fliesser, Karin, Egger, Rudolf, Bauer, Martin (2018): Lernen vor Ort. Unterstützende Lernnetzwerke für Menschen in peripheren Regionen. In: Die Österreichische Volkshochschule Nr. 264. Online verfügbar unter: http://magazin.vhs.or.at/magazin/2018-2/264-fruehjahrsommer-2018-2/bildungsthemen/lernen-vor-ort/ [27.2.2019]

Aschauer-Smolik, Sabine (2018): Interreligiöser Stammtisch: Dialog auf Augenhöhe. In: Die Österreichische Volkshochschulen Nr. 264. Online verfügbar unter: http://magazin.vhs.or.at/magazin/2018-2/264-fruehjahrsommer-2018-2/medienpreise-2/interreligioeser-stammtisch-dialog-auf-augenhoehe/ [27.2.2019]

Bergmann, Nadja, Danzer, Lisa, Sorger, Claudia, Wetzel, Petra, Willsberger, Barbara und Yboub, Omar (2018): „Förderung 2.0 –VHS Lernhilfe an Wiener Schulen. In: Die Österreichische Volkshochschulen Nr. 265. Online verfügbar unter: http://magazin.vhs.or.at/magazin/2018-2/265-herbst-2018/schwerpunkt-jugend-junge-erwachsene/foerderung-2-0-vhs-lernhilfe-an-wiener-schulen/ [27.2.2019]

Brandauer, Birgit (2018): Wer Erwachsenenbildung fördert, fördert Gemeinden. In: tirol.kommunal, Oktober 2018, S. 14-15

Fischnaller, Stefan (2019): Email vom 8. Jänner an den Autor zum Thema Tätigkeit vor Ort.

Gruber, Elke, Brünner, Anita, Huss, Susanne (2009): Perspektiven der Erwachsenenbildung im Rahmen des lebenslangen Lernens in der Steiermark (PERLS). Kooperationsprojekt der Alpen-Adria Universität Klagenfurt, Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, Abteilung für Erwachsenen- und Berufsbildung mit dem Bildungsnetzwerk Steiermark. Online verfügbar unter: http://wwwg.uni-klu.ac.at/ifeb/eb/PERLS_Ergebnisse_Endfassung_Nov2009.pdf [17.2.2019]

Horvath. Horst, Liszt, Peter (2018): Flogoskeri utschi ischkola le burgendlanditike romdenar. Die Volkshochschule der burgenländischen Roma. In: Die Österreichische Volkshochschule Nr. 264. Online verfügbar unter: http://magazin.vhs.or.at/magazin/2018-2/264-fruehjahrsommer-2018-2/medienpreise-2/flogoskeri-utschi-ischkola-le-burgendlanditike-romdenar/ [27.2.2019]

LLL:2020 = Republik Österreich (2011): Strategie zum lebensbegleitenden Lernen. Online verfügbar unter: https://broschuerenservice.sozialministerium.at/Home/Download?publicationId=159 [27.2.2019]

Mörth, Ingo (2004): Niedrigqualifizierte in Oberösterreich. Der Weg in die Weiterbildung. In: http://soziologie.soz.uni-linz.ac.at/sozthe/staff/moerthpub/WeiterbildungBuch.pdf [22.02.2019]

Pabst, Brigitte (2018): Die Kunst des guten Zusammenlebens. In: Die Österreichische Volkshochschule Nr. 264. Online verfügbar unter: http://magazin.vhs.or.at/magazin/2018-2/264-fruehjahrsommer-2018-2/medienpreise-2/die-kunst-des-guten-zusammenlebens/ [27.2.2019]

Penz, Isabella (2018): Lerncoaching: Chancengleichheit schaffen mit den Angeboten der Kärntner Volkshochschulen. In: Die Österreichische Volkshochschule Nr. 265. Online verfügbar unter: http://magazin.vhs.or.at/magazin/2018-2/265-herbst-2018/schwerpunkt-jugend-junge-erwachsene/lerncoaching-chancengleichheit-schaffen-mit-den-angeboten-der-kaerntner-volkshochschulen/ [27.2.2018]

Schrenk, Michaela (2017): Lebensbegleitendes Lernen. Analyse und Konzept zur Erwachsenenbildung in der LEADER-Region Kamptal. Diplomarbeit Lehramtsstudien Geographie und Wirtschaftskunde; Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung, Universität Wien.

Statistik Austria (2018): Erwachsenenbildung. Ergebnisse des Adult Education Survey (AES) 2016/17. Wien: Verlag Österreich

Steiner, Mario, Pessl, Gabriele, Wagner, Elfriede und Plate, Marc (2010): Evaluierung ESF „Beschäftigung“ im Bereich Erwachsenenbildung. Zwischenbericht. Wien: Institut für Höhere Studien. Online verfügbar unter: https://erwachsenenbildung.at/downloads/service/ESF_Zwischenbericht2010.pdf [27.2.2019]

Vater, Stefan, Zwielehner, Peter (2018): Statistikbericht 2018 der österreichischen Volkshochschulen für das Arbeitsjahr. Online verfügbar unter: https://adulteducation.at/de/struktur/statistik/auswertungen/detail?auswertungsnr=165&nid=2414 [25.2.2019]

Wagner, Elfriede, Steiner, Mario (2011): Lebensbegleitendes Lernen in den Regionen verankern. Wien: Institut für Höhere Studien. Online verfügbar unter: http://www.equi.at/dateien/Regionales_LLL.pdf[27.2.2019]

Bisovsky, Gerhard (2018): Community Education und Volkshochschulen. In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. Winter 2018/19, Heft 266/69. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Zurück nach oben