„Der halbe Himmel den Frauen!“

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V.l.n.r.: Gerwin Müller, Helene Maimann, Jörg Winter, Sabine Letz
Foto: Thomas Jantzen/ORF

Ich möchte mich zu allererst bei der Jury herzlich bedanken, die mir mit diesem Preis die große Ehre erwiesen hat. Er ist ja ganz unerwartet, wie eine leuchtende Sternschnuppe, in mein Leben gefallen.

Es sind jetzt unglaubliche achtundzwanzig Jahre her, dass ich, nach drei Jahren Radio, zum Fernsehen kam. Und dann gleich von Helmut Brandstätter in den Inlandsreport, den Leuchtturm der ORF-Information, gesetzt wurde. Ich habe dort im Kreis von sehr außergewöhnlichen Kolleginnen und Kollegen innerhalb eines Jahres alles gelernt was zum Fernsehjournalismus gehört. Das war eine große Herausforderung. Ich habe großes Glück gehabt, denn ich konnte das machen, was ich am besten kann: Geschichten erzählen.

Nach einem Jahr kam ich in die Doku-Abteilung und fing an, selbst Dokumentarfilme zu machen. Dann kam Gerhard Zeiler und baute flache Hierarchien und ein neues Programmschema. Ich wurde Sendungsverantwortliche, zuerst für die Sendungen „Nightwatch“, dann „Brennpunkt“ und „Unsere Welt“ und lud junge Filmer und Filmerinnen ein, mitzuarbeiten. Es waren die schönsten Arbeitsjahre meines Lebens, diese neunziger Jahre, alles war neu und aufregend, die Welt war neu, zumindest erschien uns das so, der Kalte Krieg zu Ende, mit dem Internet begannen neue Kommunikationsformen, mit der Digitalisierung entstanden viel schnellere und unkompliziertere Produktionsformen.

Das waren auch die Jahre, in denen die Frauen nach vorne gegangen sind. Sie haben sich nicht zurückhalten lassen. Als ich im ORF anfing, gab es nur sehr wenige Frauen in Führungspositionen, die interessantesten Jobs hatten die Männer, aber das hat sich gewaltig geändert. Die Frauen gingen in alle Arbeitsfelder, machten Programm und Produktion, Drehbuch und Regie, wurden Kamerafrauen und Toningenieurinnen, besetzten zunehmend Chefposten, gingen als Auslandskorrespondentinnen in alle Welt. Und wenn ich jetzt hier auf die Schlussroller der prämierten Produktionen schaue, sehe ich, wie viele Frauen darauf stehen. Das ist großartig.

Ich habe ja selbst einen ungewöhnlichen Berufsweg genommen, bin nach fünfzehn Jahren akademischer Laufbahn und Leitung großer Ausstellungen im ORF freie Mitarbeiterin geworden und habe einen dritten Beruf erlernt. Und ich möchte allen Frauen, junge und auch nicht mehr so junge, auffordern, dorthin zu gehen, wo ihr Herz und ihr Verstand sie hinzieht. Ihre Ressourcen voll auszuspielen. Vielleicht auch damit ein Risiko einzugehen und sich nicht einschüchtern zu lassen. Was Neues machen – dazu ist es nie zu spät. Der halbe Himmel den Frauen! Das gilt auch für unsere Branche. //

Maimann, Helene (2019): „Der halbe Himmel den Frauen!“ In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. Frühjahr/Sommer 2019, Heft 267/70. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

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