Mario Klarer: Präsentieren auf Englisch. Alles für einen professionellen Auftritt – mit vielen Praxisbeispielen.

Mario Klarer: Präsentieren auf Englisch. Alles für einen professionellen Auftritt – mit vielen Praxisbeispielen.
München: Redline Verlag 2019, 157 Seiten.

AmerikanerInnen präsentieren interessanter, packender, übersichtlicher als deutsche ReferentInnen. Warum das so ist und wie wir uns „verbessern“ können, schildert Mario Klarer in fünfundzwanzig Kapiteln – natürlich orientiert an amerikanischer Präsentationstechnik. Doch vorweg – es handelt sich um Technik nicht um Didaktik!

Mario Klarer, langjähriger Universitätsprofessor und Referent bei internationalen Konzernen, empfiehlt sich und seine amerikanisierte Art und Weise des Präsentierens für eine klare Vermittlung. Sein „Geheimnis“ (S. 117): Bei Präsentationen sollte man sich auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren können, d. h. während des Sprechens sollte ein Vortragender fähig sein auf seine Rede, auf Augenkontakt mit dem Publikum, auf allfällige Interventionen und Störungen, auf mögliches Umdisponieren des Vortrags oder auf das Bedienen von Geräten zu achten.

Das Buch ist sehr pragmatisch, an knapper Vermittlung von Inhalten orientiert. Übersichtlich strukturiert legt Mario Klarer dar, wie amerikanische ReferentInnen mit Hilfe persönlicher Bezüge ihr Publikum ansprechen und für sich gewinnen, wie sie ihre Vorträge planen und akzentuieren, sodass die Teilnehmenden immer wissen, in welchem Abschnitt sie sich befinden. Besonderer Wert wird im Gegensatz zum „Aufzählen“ auf das Erzählen von Geschichten gelegt, auf Zwischenbilanzen und rhetorische Fragen, die ein dialogisches Verhältnis mit dem Publikum vorgeben.

Der Einsatz von Medien – Handouts, PowerPoint – der Gebrauch von komplexen Charts und von Diagrammen folgt dem Grundsatz: vom Allgemeinen zum Spezifischen. Erklärt werden auch der räumliche Standort der ReferentInnen, ihre Bewegungen, ihre Körpersprache inklusive Augenkontakt, Gestik und Stimme. In zwei am Ende des Buches stehenden Kapiteln werden vom Autor auch Tipps für Texte, das Verhalten in Meetings, Workshops und Diskussionen auf Basis der abgehandelten Präsentationstechnik gegeben.

Das kurzweilig zu lesende Buch bietet ständig Bezug zur Praxis und erfreut vielleicht mit seinen englischsprachigen Anteilen, sich in dieser Ausdrucksform zu üben und zu bewähren.

Was trotzdem irritiert? Wie schon erwähnt, vermittelt Mario Klarer eine Technik aber keine Didaktik des Präsentierens. Das heißt, das Publikum wird gelenkt, dirigiert, kontrolliert, gezielt mit Wissen versorgt – Raum um nachzudenken, Kontroversen und Widersprüche zu überlegen, sich eine eigene Meinung zu „bilden“ ist offensichtlich nicht vorgesehen und wird auch nicht angesprochen. Der glatte Verlauf, der smoothe Ablauf scheinen wichtiger als der Respekt vor der individuellen Diversität der Zuhörenden und ihrem intellektuellen Potenzial. Ob Reflexion erst nach der Präsentation erfolgen soll und kann, wenn keine didaktisch geplanten Herausforderungen diesbezüglich bestehen, bleibt fraglich.

Hat der langjährige Hochschullehrer und Gastprofessor an internationalen Universitäten vergessen, welche grundsätzlichen universitären und in der Weiterbildung anerkannten Qualitäten „deutschsprachige Vortragende“, deren Schwächen, wie er selbst sagt (S. 9), er grob stereotyp vereinfacht, auch haben? Zur individuellen Urteilsfähigkeit und Stellungnahme anzuregen! Oder folgt diese „amerikanische“ Präsentationstechnik einfach nur einer neoliberalen „Vocational Education“ und verlässt den Pfad der „Liberal Education“? Zu dieser Thematik hat der renommierte Journalist und Bestsellerautor Fareed Zakaria, er informiert auch auf CNN, eine Streitschrift verfasst: „In Defense of a Liberal Education“ (New York 2015)1. Darin warnt er vor dem Verlust der mit „Liberal Education“ einhergehenden Fähigkeiten und Werte wie Kreativität, analytisches Denken, individueller Ausdruck oder Freude am selbstständigen Lernen!

Für „sophisticated“ Vortragende, die ihre Technik des Präsentierens „amerikanisieren“, nicht aber ihre „kritische Reflexionsfähigkeit“ und die ihres Publikums opfern wollen. //

1   Rezension in ÖVH 258: http://magazin.vhs.or.at/magazin/2016-2/258-april-2016/rezensionen/fareed-zakaria-in-defense-of-a-liberal-education/

Lenz, Werner (2019): Mario Klarer: Präsentieren auf Englisch. Alles für einen professionellen Auftritt – mit vielen Praxisbeispielen. München: Redline Verlag 2019, 157 Seiten.  In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. Herbst 2019, Heft 268/70. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

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