Mit Vertrauen in die Zukunft: Die Ergebnisse der neuen OGM-Umfrage im Überblick

Die Volkshochschulen genießen das höchste Vertrauen aller Bildungseinrichtungen in Österreich: 63 Prozent der Bevölkerung und sogar 88 Prozent der VHS-Teilnehmenden vertrauen der Institution – das belegt die aktuelle OGM-Umfrage im Auftrag des VÖV.1 Gemessen am OGM-Vertrauensindex2 sind die Volkshochschulen nicht nur Spitzenreiter im Bildungsbereich, sondern zählen zu den vertrauenswürdigsten Institutionen des Landes überhaupt. Dieser Vertrauensvorschuss ist kein Zufall, sondern Ergebnis eines jahrzehntelangen Bildungsauftrags, welcher nun durch aktuelle Daten untermauert wird.

Die VHS als Bildungsnahversorger: Erreichbarkeit und Teilhabe

43 Prozent der österreichischen Bevölkerung haben laut eigener Angabe bereits mindestens einmal einen VHS-Kurs besucht – hochgerechnet auf die wahlberechtigte Bevölkerung sind das fast drei Millionen Menschen. Besonders bemerkenswert: Die geringen Unterschiede zwischen Stadt (45 Prozent) und Land (42 Prozent). Diese unterstreichen die Rolle der VHS als Bildungsnahversorger, die mit rund 1.000 Kursorten in ganz Österreich niederschwelligen Zugang zu Bildung schaffen.

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Die Umfrage bestätigt außerdem, was die BeLL-Studie (Vater: 2022) bereits ausführlich belegt: Volkshochschulen sind nicht nur Orte des Lernens, sondern soziale Treffpunkte, die Gemeinschaft stiften. Während in der Gesamtbevölkerung persönliche (66 Prozent) und berufliche Weiterentwicklung (39 Prozent) beim Kursbesuch im Vordergrund stehen, rückt bei VHS-Teilnehmenden das gemeinsame Lernen (34 Prozent) stärker in den Fokus – bei gleichzeitig ungebrochener Dominanz der persönlichen Weiterentwicklung (81 Prozent). Ein klarer Beleg dafür, dass die Volkshochschulen mehr als Wissensvermittlung leisten: Sie fördern sozialen Zusammenhalt und begleiten Menschen bei ihren ganz individuellen Zielen.

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Zielgruppen im Fokus: Bedarfe und unerwartete Interessen

Die Umfrage liefert überdies spannende Erkenntnisse in Bezug auf Bildungsinteressen:

  • Wissenschaftliche Themen und gesellschaftliche Herausforderungen: Neben den klassischen Favoriten (Gesundheit, Sprachen, Kreativkurse), die sich auch in der VHS-Statistik (Vater & Zwielehner: 2026) abzeichnen, zeigt sich ein deutliches Interesse an Kursen zu wissenschaftlichen Themen und aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Besonders jüngere Altersgruppen – denen oft ein sinkendes Interesse an politischen und wissenschaftlichen Diskursen nachgesagt wird – äußern hier eine überdurchschnittlich hohe Nachfrage. Dies widerlegt nicht nur das Klischee der „desinteressierten, politikverdrossenen jungen Menschen“, sondern unterstreicht die Relevanz der VHS als Ort des politischen Lernens und der demokratischen Teilhabe.
  • Basisbildung: Vier Prozent der Befragten geben an, Kurse zum Lesen, Schreiben oder Rechnen besuchen zu wollen. Während diese Zahl auf den ersten Blick recht gering erscheint, entspricht sie, hochgerechnet auf die wahlberechtigte Bevölkerung, die die Grundlage für diese Studie bildet, rund 250.000 Menschen – eine Zielgruppe von erheblicher gesellschaftlicher Relevanz. Doch selbst diese Zahl bildet nur die Spitze des Eisbergs ab: Die Methodik der Online-Umfrage schließt Menschen mit sehr geringen Basiskompetenzen bereits systematisch aus. Hinzu kommt, dass Stigmatisierung dazu führen kann, dass Betroffene ihr tatsächliches Bildungsbedürfnis nicht offenlegen – sei es aus Scham oder Unsicherheit. Der tatsächliche Bedarf in der Bevölkerung ist daher deutlich höher einzuschätzen, was sich mit den Erkenntnissen der PIAAC-Studie (Stöger, Deichmann & Mayerl: 2024) deckt, die aufzeigt, dass geringe Basiskompetenzen in Österreich kein Randphänomen sind, sondern strukturelle Herausforderungen darstellen, die gezielte Maßnahmen erfordern.
  • Digitale Kompetenzen: Ältere Menschen zeigen in der Befragung besonders häufig den Wunsch, den Umgang mit neuen Medien, Computern oder Smartphones zu erlernen – ein klarer Hinweis auf den wachsenden Bedarf an digitaler Grundbildung, der aktuell ganz besonders im Rampenlicht der gesellschaftlichen Debatte steht. Doch ähnlich wie bei den Basiskompetenzen ist auch hier das Studiendesign ein Faktor, der zu einer ­Untererfassung führt: Wer über keine oder nur geringe digitale Vorkenntnisse verfügt, wird durch eine Online-Befragung schwerer erreicht. Die VHS steht hier vor der Aufgabe, analoge Brücken zu schaffen – etwa durch persönliche Ansprache und Kooperationen – um auch jene zu erreichen, die bisher noch nicht Teil der digitalen Welt sind, und Kurse an individuelle Bedürfnisse anzupassen.
  • Bildungsberatung: Darüber hinaus bestätigt die Umfrage das große Potenzial kostenfreier und unabhängiger Bildungsberatung: 22 Prozent der Befragten würden ein solches Angebot gerne nutzen, weitere 35 Prozent würden dies tun, wenn es in ihrer Nähe verfügbar wäre. ­ Besonders deutlich wird dieser Bedarf am Land, wo sogar 39 Prozent der Befragten ein regionales Angebot begrüßen würden – ein klarer Auftrag, die Infrastruktur flächendeckend sicherzustellen. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Bildungsberatung für Frauen und jüngere Menschen, die sich im Übergang ins Arbeitsleben befinden, von besonderer Relevanz ist. Hier könnte gezielte Unterstützung nicht nur individuelle Bildungschancen verbessern, sondern auch strukturelle Hürden abbauen, die den Zugang zum lebenslangen Lernen erschweren.

Fazit: Daten als Kompass für die Zukunft

Die Ergebnisse der OGM-Umfrage bestätigen, was die Volkshochschulen seit ­jeher ausmacht: Sie sind vertrauenswürdige Bildungsnahversorger, die Menschen unabhängig von Herkunft, Alter oder Vorwissen erreichen. Doch die Daten zeigen auch, dass der Auftrag der Volkshochschulen heute weiter reicht als je zuvor. Die VHS sind nicht nur Lernorte, sondern soziale Knotenpunkte, die Gemeinschaft stiften – und gleichzeitig kritische Infrastruktur für gesellschaftliche Herausforderungen wie den digitalen, sozialen, ökologischen und gemeinsamen Wandel.

Die Umfrage ist somit nicht nur Bestätigung, sondern Auftrag: Die Volkshochschulen stehen vor der Chance, ihre Rolle als Motor für lebenslanges Lernen und sozialen Zusammenhalt weiter auszubauen – und damit einen wichtigen Beitrag zu einer Gesellschaft zu leisten, die bereit für die Zukunft ist. //

1   Informationen zur Befragung: Befragungszeitraum: Februar 2026. Stichprobe: 1016 Wahlberechtigte Österreicher*innen ab 16 Jahren. CAWI-Online-Interviews durchgeführt von OGM research & communication. Vertrauenswerte im Vergleich mit dem OGM-Vertrauensindex 2025.

2   Der Vertrauenssaldo errechnet sich als Differenz der Prozentwerte „vertraue“ minus „vertraue nicht“.

Literaturverzeichnis

Bachmayer, Wolfgang (2025): OGM/APA-Vertrauensindex NGOs 2025. OGM research & communication. Verfügbar unter: https://www.ogm.at/2025/11/28/ogm-apa-vertrauensindex-ngos-2025/ [25.4.2026.]

Bachmeyer, Wolfgang (2025): Vertrauensindex Institutionen Österreich 2025. OGM research & communication. Verfügbar unter: https://www.ogm.at/2025/10/17/vertrauensindex-institutionen-oesterreich-2025/ [25.4.2026.]

Vater, Stefan (Hrsg.) (2022): Zum Nutzen nicht unmittelbar beruflich verwertbarer Weiterbildung. Die BELL-Studie an österreichischen Volkshochschulen 2018–2022. Eine Zusammenstellung von Beiträgen in „Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung“. Wien: Verband Österreichischer Volkshochschulen.

Stöger, Eduard, Deichman, Felix & Mayerl, Martin (2024): PIAAC: Grundkompetenzen von Erwachsenen. Statistik Austria. Verfügbar unter: https://www.statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/bildung/piaac-grundkompetenzen-von-erwachsenen [25.4.2026.]

Vater, Stefan & Zwielehner, Peter (2026): Statistikbericht 2026 der Österreichischen Volkshochschulen für das Arbeitsjahr 2024/25. Verband österreichischer Volkshochschulen. Wien: Verband Österreichischer Volkshochschulen. Verfügbar unter: https://adulteducation.at/de/struktur/statistik [25.4.2026.]

Moderegger, Miriam Anna (2026): Mit Vertrauen in die Zukunft: Die Ergebnisse der neuen OGM-Umfrage im Überblick. In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. Frühjahr 2026, Heft 286/77. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

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