Am 24. und 25. April 2025 fand der erste österreichische Volkshochschultag an der Volkshochschule Floridsdorf mit rund 300 Erwachsenenbildner*innen aus ganz Österreich statt. Der Tag war ein Raum des Austausches, der Diskussion und des Zusammentreffens von Kolleg*innen – ein Fest der Volkshochschulen und eine Feier anlässlich 75 Jahre Verband Österreichischer Volkshochschulen.
Der Verband Österreichischer Volkshochschulen (VÖV) veranstaltete den VHS-Tag in Kooperation mit den Wiener Volkshochschulen – mit besonderer Unterstützung der Volkshochschule Floridsdorf – unter dem Motto „Zukunftsort Volkshochschule – regional und weltoffen“. Natürlich gab es in den Jahren zuvor bundesweite oder internationale Tagungen der Volkshochschulen, wie die Salzburger Gespräche1 (von 1958 bis 2013 – als internationale Tagung und Vernetzung in der Nachfolge der UNESCO-Tagung am Mondsee 1950) oder das Zukunftsforum (2009–2014), der Volkshochschultag 2025 richtete sich aber – orientiert an den Volkshochschul-Tagen des Deutschen Volkshochschulverbandes – besonders an die Mitarbeiter*innen der Volkshochschulen und sollte der Vernetzung dienen, den Diskurs fördern und die Volkshochschulen dabei unterstützen, den regionalen Mehrwert ihrer Bildungsarbeit noch stärker sichtbar zu machen.
Der entscheidende Beitrag der Volkshochschulen für die Demokratie
„Demokratie und Volksbildung sind Begriffe, die einander ergänzen, denn weder wird sich Demokratie jemals vollständig auswirken können, es sei denn auf der Grundlage allgemeiner Volksbildung, noch wird eine wirkliche Volksbildung jemals durchgeführt werden, außer auf dem Boden der Demokratie.“2
Ludo Moritz Hartmann (1919)
Abb. 1: Eva-Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung und die Teilnehmer*innen des Volkshochschul-Tags beim Bürgermeister-Empfang im Wiener Rathaus.
Foto: Viktoria Morgenstern
Schon die Eröffnung zeigte die Wichtigkeit der Volkshochschulen. Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung Eva-Maria Holzleitner betonte in ihrer Videobotschaft die Bedeutung der Volkshochschulen für die Gesellschaft: „In Zeiten, in denen unsere Demokratie zunehmend herausgefordert wird, leisten die Volkshochschulen einen entscheidenden Beitrag zur Stärkung einer wehrhaften Demokratie. Denn Wissen ist Macht – und Bildung gibt Menschen das Rüstzeug, ihre Stimme zu erheben, sich gegen Desinformation zu wehren und aktiv an der Gestaltung unserer Gesellschaft teilzunehmen.“ Bundesminister für Bildung, Christoph Wiederkehr, hob in seiner Videobotschaft die Rolle der Volkshochschulen als aktive Akteur*innen in einer fragilen Bildungsinfrastruktur hervor: „In einer Welt, die sich so schnell verändert, ist die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen – sich kontinuierlich neue Kompetenzen anzueignen – essenziell. Dafür sind die Volkshochschulen eine wichtige Bildungsinfrastruktur im ganzen Land. Ich danke allen Volkshochschul-Mitarbeiterinnen und Volksbildner*innen für ihr unermüdliches Engagement!“
Heinz Fischer, Bundespräsident a. D. und Präsident des Verbands Österreichischer Volkshochschulen hielt fest: „Die Volkshochschulen sind ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Bildungssystems. Sie bieten Menschen jeden Alters die Möglichkeit, sich weiterzubilden und neue Fähigkeiten zu erwerben. Dies stärkt nicht nur die individuelle Entwicklung, sondern auch unsere Gesellschaft als Ganzes.“
Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig betonte: „Volkshochschulen sind Orte der Begegnung und des Austauschs. Sie fördern das Verständnis für demokratische Werte und tragen dazu bei, dass unsere Gesellschaft zusammenhält. Bildung ist der Schlüssel zu einer starken Demokratie.“ Aussagen, die sich an historischen Belegen, empirischen Daten und auch mit Stimmen der Teilnehmer*innen der Volkshochschulen belegen ließen.
John Evers, Generalsekretär des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen (VÖV), unterstrich die Bedeutung von Kooperation und Zusammenarbeit als Charakteristikum der Volkshochschulen: „Die erfolgreiche Durchführung des Volkshochschul-Tages ist das Ergebnis einer hervorragenden Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Volkshochschulen und ihren engagierten Mitarbeiter*innen. Der VÖV ist das Dach, welches die neun Landesverbände, 257 Volkshochschulen und 1.000 Standorte im Sinne eines Grundgedankens vereint: Bildung allen Menschen zugänglich zu machen. Gemeinsam schaffen wir ein Bildungsangebot, das Menschen in ganz Österreich erreicht.“ Herbert Schweiger, Geschäftsführer der Wiener Volkshochschulen hielt fest: „Es freut mich sehr, dass die Wiener Volkshochschulen Gastgeber des ersten österreichischen Volkshochschultages sein dürfen. Diese Veranstaltung bietet uns die großartige Gelegenheit, gemeinsam mit Kolleg*innen aus ganz Österreich über die Zukunft der Volkshochschulen zu diskutieren.“
Sie werden sich wundern, warum ich hier bin und nicht am Bahnhof .3
(Chris Lohner am Volkshochschul-Tag 2025)
Abb. 2: Die Eröffnung der Volkshochschul-Tags
Foto: VÖV
Nach den Grußworten, die viel Lob und Betonungen der Wichtigkeit enthielten, aber gerade darum in ihrer Vielstimmigkeit und Prominenz, hier in diesem Beitrag jedenfalls erwähnt und dokumentiert werden müssen, machte Chris Lohner an ihren Erinnerungen die Verbundenheit vieler Teilnehmer*innen mit den Volkshochschulen klar. Bildung und Orte wie die Volkshochschulen ermöglichen ein selbstbestimmtes Leben.
Bildung für alle – alle für Bildung
Abb. 3: Teilnehmer*innenkarte des Volkshochschultages mit der Aufschrift „Bildung für alle – alle für Bildung“
Foto: VÖV
Und die Zukunft der Volkshochschulen stand ganz im Zentrum der Diskussionen an den beiden Tagen des Volkshochschultages: Gleich zu Beginn reflektierten Julia von Westerholt (Verbandsdirektorin Deutscher Volkshochschulverband) und John Evers (Generalsekretär des VÖV) über den „Zukunftsort Volkshochschule“ und dessen internationale Herausforderungen. „Wir alle setzen uns ein für diese großartige Aufgabe. Sie zuallererst natürlich vor Ort in den Volkshochschulen. Wir alle in den Verbänden setzen uns ein für die Bildung, für die Volksbildung, dass die Rahmenbedingungen dafür da sind, dass sie das auch weiter gut machen können. Und wir möchten auch rausgehen und da draußen hinschreiben: Macht euch stark für die Bildung. Weil wenn ihr das nicht macht, dann wird dieses Land – und da spreche ich jetzt von Deutschland, vielleicht aber auch für Österreich – ganz anders aussehen in ein paar Jahren, wenn es die Bildung in dieser Art und Weise mit den Möglichkeiten nicht mehr in dem Umfang geben sollte. (Julia von Westerholt, DVV).
Beate Gfrerer (Kärnten) leitete eine Podiumsdiskussion „Für eine starke regionale Entwicklung. Welche Volkshochschulen brauchen wir?“ mit Herbert Schweiger (Wien), Stefan Fischnaller (Vorarlberg) und Helga Hofstadler (Oberösterreich) und Patrick Reisinger (OeAD – Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung) darüber, wie wichtig Volkshochschulen für die Regionen oder Städte sind – als Ort des Zusammenkommens, als Infrastruktur des Lernens und der Bildung. Und sie tun dies unter gewaltigem finanziellem Druck und mit wenigen Mitteln und viel Engagement. „Eine große Herausforderung, die uns alle betrifft, ist natürlich der Spardruck von Gemeinden, Ländern und Bund und dieser lastet auch auf den Volkshochschulen. […] Das Geld reicht bei weitem nicht, um den Bildungsauftrag zur Gänze zu erfüllen. Das heißt, Volkshochschulen müssen immer sehr kreativ sein.“ (Beate Gfrerer, Kärnten).
„Tanz mit uns für Bildung!“: Linedance-Flashmob
Ein besonderes Highlight war die Aktion „Bildung in Bewegung: Linedance-Flashmob“ am Pius-Parsch-Platz, bei der 100 Personen zu „Flashdance – What a feeling!“ tanzten. Diese Aktion symbolisierte den gemeinsamen Weg in eine innovative Zukunft und brachte die Teilnehmer*innen in Bewegung. Auch John Evers, Gerwin Müller, der Vorstandsvorsitzende des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen, Bezirksvorsteher Georg Papai und Volkshochschul Floridsdorf-Direktor Wolfgang Gruber ließen es sich nicht nehmen, in der Öffentlichkeit das Tanzbein zu schwingen.
Wissenschaftspreise des VÖV 2025
Im Rahmen des Volkshochschul-Tags am festlich beschwingten Ausklang des ersten Tages wurden auch die Wissenschaftspreise des VÖV vergeben. Der Ludo Hartmann-Sonderpreis des VÖV-Vorstandes ging an den Film „Bildung für alle – Geschichte der Volkshochschulen in Österreich“ (ORF III) und an das Projekt „Ruth Maier – Ausstellung in Einfacher Sprache & Workshops“. Der Ludo-Hartmann-Preis ging an Ina Markova für das Buch „Otto Koenig – ein Leben zwischen Arbeiter-Zeitung und Volksbildung“.
Der Ludo-Hartmann-Förderpreis wurde an Franz-Michael Mock für die Projekte zu zivilgesellschaftlichem Engagement und politischer Bildung „Bibliothek der verbrannten Bücher“, „Erklär mir Demokratie“ und „Ist Rechtsextremismus (noch) Männersache)?“ sowie an Uli Zimmermann für das Buch „Deutschunterricht, Froschkönig & Rechtsstaat“ überreicht.
Der Barbara Prammer-Preis 2025 ging geteilt an Cornelia Kogoj für die Initiative Minderheiten und Angelika Hrubesch für „Projekt SICHTBAR! Enttabuisierung von Basisbildungsbedarf in der Öffentlichkeit“ des lernraum.wien.
Mehr Informationen zu den Wissenschaftspreisen finden sich unter: https://www.vhs.or.at/vhs-tag-2025
Abb. 4: Preisträger*innen der Wissenschaftspreise des VÖV
Foto: Carolina Frank
Der Marktplatz „Bildung und Regionen“ bot am Freitag Best-Practice-Beispiele aus der regionalen Bildungsarbeit und sorgte für einen lebendigen Start in den Tag. Mit dabei waren das Projekt „Sichtbar!“ des lernraum.wien, #Gedankentanken aus Niederösterreich, das Institut für Interkulturelle Pädagogik aus Oberösterreich, das Klimafonds Projekt aus Linz, das Projekt „Happy Minds“ aus Salzburg, das regionale Kursangebot „Kennen Sie Tirol?“, die Initiative „VHS Green“ aus Kärnten, die Initiative „Klimaneutral“ aus der Steiermark, die Science Village Talks aus dem Burgenland, das Projekt „Easy Money“ aus Vorarlberg, das Ruth Maier-Projekt, die Roma-Volkshochschule, die Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung und die Umweltberatung.
Anschließend wurde in vier Themenforen über die Herausforderungen in der Volkshochschul-Arbeit diskutiert: Kristina Winter und Iris Ratzenböck-Höllerl sprachen über „Neue Zielgruppen & neue Kursangebote: VOLKSHOCHSCHUL-Programm im Spannungsfeld der 6 A’s“, Doris Vickers und Sonja Landfried diskutierten im Themenforum „KI in der Volkshochschule“ mit den Teilnehmenden die Chancen von LLMs für die Volkshochschul-Arbeit, im Themenforum „Starke Demokratie“ gingen Nicole Slupetzky und Stefan Vater der Frage auf den Grund, wie die Volkshochschule die Demokratie stärken kann, und Gabriele Homolka und Margarita Langthaler besprachen im Themenforum „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ den Beitrag der Volkshochschulen zu den SDGs.
Zum Abschluss diskutierten Peter Schlögl (Uni Klagenfurt) und Raffaela Kihrer (Generalsekretärin EAEA) mit Preisträger*innen der Wissenschaftspreise, Angelika Hrubesch, Franz Michael Mock, Nikolaus Ecker über die Zukunft der Volkshochschulen und den Volkshochschulgedanken 2035. //
Abb. 5: Podium Zukunft der Volkshochschulen
Foto VÖV
Weitere Materialien finden sich unter: https://www.vhs.or.at/vhs-tag-2025
















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