Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=25uKzw57jd8
Am 12. Mai 2025 feierte Hofrat Honorar-Prof. Dr. Lorenz Mikoletzky seinen 80. Geburtstag. Es ist ein Anlass, den bekannten Historiker und Archivar nicht nur als einen der maßgeblichsten Experten für die Erforschung, Sicherung und systematische Bewahrung der österreichischen Geschichte zu würdigen, sondern auch seine Verdienste um die österreichische Volksbildung hervorzuheben.
Bekannt wurde Mikoletzky vor allem durch seine über 40-jährige Karriere im Österreichischen Staatsarchiv, das er als Generaldirektor und Leiter des Archivamtes von 1994 bis 2011 führte. Unter anderem wurde in seiner Zeit das Bundesarchivgesetz mit der Abgabepflicht von Schriftgut an das Österreichische Staatsarchiv verabschiedet, das Digitale Langzeitarchiv Österreich geschaffen und der Zugang für die breite Öffentlichkeit sowie für die zeithistorische Forschung gefördert. Mikoletzky schuf im Staatsarchiv auch den Raum für das Sekretariat der Historikerkommission der Republik Österreich, dessen stellvertretender Vorsitzender er von 1998 bis 2003 war, sowie für deren Forschungsergebnisse, die in 49 Bänden veröffentlicht wurden.
Mikoletzky ist ein hervorragender und in der Fachwelt geachteter Wissenschafter, was sich in seinen zahlreichen Funktionen und Gremientätigkeiten zeigt. Unter anderem ist er geschäftsführender Vizepräsident im Verband Österreichischer Historiker und Geschichtsvereine, Vorstandsmitglied in der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs und Mitglied im Kuratorium des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands (DÖW), im Fachausschuss Geisteswissenschaften der österreichischen UNESCO-Kommission und im Fachbeirat für Informationsbewahrung – „Memory of the World“-Nationalkomitee der Österreichischen UNESCO-Kommission.
Mikoletzkys Lebenswerk bestand vor allem darin, sein Wissen auf breitester Ebene weiterzugeben. Er war Lehrender an Fachhochschulen, Universitäten und Vereinen, er lehrte unter anderem Archivkunde in der Ausbildung für den Bibliotheks-, Dokumentations- und Informationsdienst, im Fachhochschulstudiengang „Informationsberufe“ und im Ausbildungslehrgang für Informations- und Dokumentationsfachleute. Außerdem trug er maßgeblich zur Professionalisierung des Fremdenführerberufs bei, als Dozent, unter anderem am WIFI, als Prüfer und zeitweise auch als Vorsitzender der Prüfungskommission für die staatliche Befähigungsprüfung zum Beruf des Fremdenführers.
In diesem Kontext ist auch Mikoletzkys großes Verdienst für die Volksbildung zu sehen, der er seit rund 60 Jahren verbunden ist. Bereits 1968 begann Mikoletzky an mehreren Wiener Volkshochschulen (Hietzing, Wien West, Neubau, Urania) einem breiten Publikum ein umfassendes Geschichtsprogramm zu vermitteln, das bausteinartig in aufeinanderfolgenden und ergänzenden Vorträgen, Vortragsreihen und Kursen gestaltet wurde. Inhaltlich war das breite Konvolut der Geschichte als Curriculum angelegt mit periodisierten und thematischen Schwerpunkten für die unterschiedlichen Interessen von Teilnehmenden. So gab es Kurse zur Geschichte Österreichs von der Frühzeit über die Zeitgeschichte bis heute, von der Geschichte Wiens bis zur Weltgeschichte, vom Hause Habsburg bis zur Französischen Revolution. Und es gab spezifische Themen, zum Beispiel „Geschichte auf dem Theater: Interpretation historischer Ereignisse“ oder die Geschichte historischer Persönlichkeiten, wo Giordano Bruno genauso wie Prinz Eugen oder Radetzky einen hohen Stellenwert erhielt. Im Zeitraum von 1968 bis 1986 trug er mit rund 40 solchen Veranstaltungen zur zeitgemäßen Programmentwicklung der Wiener Volkshochschulen bei. Zudem förderte er als Fachgruppenleiter für Geschichte im Verband Wiener Volksbildung die Vernetzung und Weiterbildung der VHS-Unterrichtenden.
Seit 2012 ist Mikoletzky Vorsitzender des „Vereins zur Geschichte der Volkshochschulen – Förderverein des Österreichischen Volkshochschularchivs“ und kooptiertes Vorstandsmitglied im Verband Wiener Volksbildung. Als solcher trägt er die Verantwortung mit für das Österreichische Volkshochschularchiv, das unter der Leitung von Direktor Dr. Christian H. Stifter zu einer gut sortierten, national und international anerkannten Einrichtung geworden ist und über umfassende Bestände, wertvolle Materialien und Sammlungen, wie zum Beispiel Nachlässe, historische Plakate, Glasbilder oder Fotos, verfügt.
Mikoletzkys Verdienst für die Volksbildung besteht in der Bereitschaft, sich Zeit seines Erwachsenenlebens für die Weiterbildung der Bevölkerung mit (zeit)historischem Wissen einzusetzen, einerseits durch die Übernahme von verantwortungsvollen Funktionen in Volksbildungs-Einrichtungen, andererseits durch die positionierte, aber undogmatische Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen an die Bevölkerung. Damit bewirkt Mikoletzky, dass relevantes Wissen verfügbar ist und die Bevölkerung es reflektieren und eigenständig weiterentwickeln kann – eine Voraussetzung für die Demokratisierung der Gesellschaft.
Mikoletzky erhielt für seine Leistungen viele Auszeichnungen und Ehrungen; unter anderem: den Förderungspreis des Theodor Körner-Stiftungsfonds zur Förderung der Wissenschaft und Kunst (1976), den Förderungspreis der Stadt Wien auf dem Gebiet der Volksbildung (1982), den Österreichischen Staatspreis für Erwachsenenbildung (2011), das Große Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (2006), das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse (2000), das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien (2006) sowie das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland (2011). Eine vom Österreichischen Volkshochschularchiv zusammengestellte Auswahl seiner Publikationen umfasst mehr als hundert Aufsätze, Herausgeberschaften und Redaktionen. //












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