Bildung unter veränderten Bedingungen
Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Bedingungen, unter denen Menschen lernen, arbeiten und Wissen erzeugen. Generative KI-Systeme formulieren Texte, strukturieren Informationen, erklären Zusammenhänge, entwickeln Lernpläne, übersetzen Inhalte und geben Rückmeldungen. Vieles, was bislang Zeit, Übung oder fachliche Unterstützung erforderte, scheint heute innerhalb weniger Sekunden verfügbar zu sein. Diese Entwicklung eröffnet neue Möglichkeiten für einen niedrigschwelligen Zugang zu Wissen und für die Gestaltung flexibler Bildungsangebote. Zugleich führt sie dazu, dass vertraute Vorstellungen von Lernen, Lehren und Leistung fraglich werden (Kasneci et al.: 2023).
Die öffentliche Debatte konzentriert sich häufig auf die Frage, welche Aufgaben KI übernehmen kann. Für Bildungseinrichtungen ist jedoch eine andere Frage mindestens ebenso wichtig: Was verstehen wir künftig überhaupt unter Bildung? Ist Bildung ein Ergebnis, das sich möglichst effizient herstellen lässt? Ist sie ein Produkt, das entwickelt, vermittelt, konsumiert und zertifiziert wird? Oder ist Bildung ein Prozess, der nicht unabhängig von Motivation, Erfahrung, Beziehungen, Irritationen und persönlicher Auseinandersetzung gedacht werden kann? Gerade weil KI-Systeme immer mehr Antworten liefern können, muss Bildung möglicherweise wieder stärker nach ihren eigenen Fragen suchen. Die Herausforderung besteht nicht nur darin, eine neue Technologie in bestehende Angebote zu integrieren. Sie besteht darin, zu entscheiden, welche Lernprozesse unterstützt, welche Tätigkeiten verändert und welche Erfahrungen bewusst erhalten werden sollen. Damit rücken Pädagogik und Psychologie ins Zentrum der Diskussion. Zunächst ist jedoch eine begriffliche Differenzierung nötig.
Information ist noch keine Bildung
KI arbeitet auf Basis von Daten und Wahrscheinlichkeiten. Daten bilden eine Grundlage für die Generierung von Informationen. Erst im Kontext und durch Erfahrung werden Informationen zu Wissen, das Entscheidungen orientieren kann. Über lange Zeit war der Zugang zu Informationen begrenzt. Bücher, Bibliotheken, Bildungseinrichtungen und Lehrende eröffneten Zugänge zu Informationen, die nicht jederzeit und überall verfügbar waren. Das Internet und insbesondere soziale Medien haben dies bereits grundlegend verändert: Informationen wurden schnell zugänglich, während die Informationsgesellschaft zunehmend mit Überfülle konfrontiert war. Generative KI verändert diese Situation erneut. Informationen können nicht nur abgerufen, sondern unmittelbar zusammengefasst, erklärt, übersetzt und an unterschiedliche Wissensstände angepasst werden.
Daraus könnte der Schluss gezogen werden, dass Lernen einfacher geworden ist. Wer etwas nicht versteht, kann eine KI fragen. Wer eine Zusammenfassung benötigt, kann sie erstellen lassen. Wer einen Text verfassen soll, erhält in wenigen Sekunden einen sprachlich überzeugenden Entwurf. Doch Information ist noch kein Wissen und noch lange keine Bildung. Eine verfügbare Antwort bedeutet nicht, dass ein Mensch einen Zusammenhang verstanden hat. Eine korrekte Formulierung ist nicht automatisch Ausdruck eigener Urteilsfähigkeit. Und ein fertiges Ergebnis sagt wenig darüber aus, ob ein Lernprozess stattgefunden hat.
Diese Unterscheidung ist nicht neu. Pädagogik und Psychologie beschäftigen sich seit Langem mit der Frage, wie aus Informationen Wissen wird, wie neues Wissen an vorhandene Vorstellungen anknüpft und wie es auf andere Situationen übertragen werden kann. Neu ist jedoch die Dringlichkeit. Wenn Ergebnisse technisch leicht erzeugt werden können, gewinnt der Weg zu diesen Ergebnissen an Bedeutung. Wenn Texte jederzeit generiert werden, muss stärker gefragt werden, wer die darin enthaltenen Argumente beurteilen kann. Wenn KI-Systeme auf Basis von Daten plausible Erklärungen liefern, wird die Fähigkeit wichtiger, deren Voraussetzungen, Grenzen und mögliche Fehler zu erkennen. Aus konstruktivistischer Perspektive ist Lernen dabei als aktive, an Vorwissen und Erfahrung gebundene Konstruktion von Bedeutung zu verstehen (Niedermeier: 2025).
Bildung im KI-Zeitalter kann deshalb nicht in erster Linie darin bestehen, noch mehr Informationen bereitzustellen. Sie muss Menschen dabei unterstützen, Informationen einzuordnen, Perspektiven zu vergleichen, Unsicherheit auszuhalten, ihr Wissen zu stärken und letztlich begründete Entscheidungen zu treffen. Der Wert eines Bildungsangebots zeigt sich dann nicht nur daran, welche Inhalte vermittelt wurden, sondern auch daran, ob Menschen ihr eigenes Denken weiterentwickeln konnten.
Lernen bleibt ein psychologischer Prozess
Die gegenwärtige Diskussion über KI in der Bildung ist häufig technologisch geprägt. Im Mittelpunkt stehen Funktionen, Anwendungen, Plattformen und mögliche Effizienzgewinne. Weniger sichtbar bleibt, dass Lernen auch unter digitalen Bedingungen ein psychologischer Prozess ist. Menschen lernen nicht allein deshalb, weil ihnen Informationen angeboten werden. Sie lernen, wenn sie an vorhandenes Wissen anknüpfen können, wenn sie eine Aufgabe als bedeutsam erleben, wenn sie sich kompetent fühlen und wenn sie bereit sind, sich mit Irritationen auseinanderzusetzen (Deci & Ryan: 2000).
Vorwissen beeinflusst, was Menschen wahrnehmen und verstehen. Motivation entscheidet darüber, ob sie sich vertieft mit einer Frage beschäftigen oder lediglich nach einer schnellen Lösung suchen. Emotionen können Lernprozesse unterstützen, aber auch blockieren. Selbstregulation wird benötigt, um Ziele zu setzen, Aufmerksamkeit zu steuern und Schwierigkeiten auszuhalten. Soziale Beziehungen schaffen Vertrauen, Zugehörigkeit und die Bereitschaft, eigene Unsicherheiten sichtbar zu machen. All diese Faktoren verschwinden nicht durch Künstliche Intelligenz. Teilweise treten sie sogar deutlicher hervor.
Eine KI kann einen Lernplan erstellen. Sie kann jedoch nicht sicherstellen, dass ein Mensch diesen Plan verfolgt. Sie kann Rückmeldungen formulieren, aber nicht garantieren, dass diese angenommen, verstanden und in weiteres Handeln übersetzt werden. Sie kann Inhalte vereinfachen, zugleich aber auch dazu verleiten, schwierige Denkprozesse zu umgehen. Gerade die Möglichkeit, schnell zu einem Ergebnis zu gelangen, kann dazu führen, dass Lernende weniger Zeit mit dem Problem selbst verbringen. Doch Lernen entsteht häufig nicht durch die unmittelbare Lösung, sondern durch die Auseinandersetzung mit dem noch Ungelösten.
Mit Künstlicher Intelligenz ist häufig die Hoffnung auf eine stärkere Individualisierung von Bildung verbunden. Lerninhalte können an unterschiedliche Wissensstände angepasst, Beispiele personalisiert und Rückmeldungen unmittelbar formuliert werden. Gerade für die Erwachsenenbildung ergeben sich daraus interessante Möglichkeiten. Erwachsene bringen unterschiedliche Bildungsbiografien, berufliche Erfahrungen, familiäre Verpflichtungen, sprachliche Voraussetzungen und Lernziele mit. Standardisierte Angebote können dieser Vielfalt nur begrenzt gerecht werden. Systematische Übersichten beschreiben die Anpassung von Inhalten, Tempo und Rückmeldungen als zentrale Einsatzform KI-gestützter Personalisierung; ihr Nutzen hängt jedoch von einer didaktisch verantworteten Gestaltung ab (Farhood et al.: 2025).
KI-Systeme könnten helfen, Lernmaterialien zugänglicher zu gestalten, alternative Erklärungen bereitzustellen und verschiedene Zugangswege zu eröffnen. Doch auch hier stellt sich die Frage, was mit Individualisierung gemeint ist. Besteht sie darin, jeder Person möglichst passgenaue Inhalte bereitzustellen? Oder gehört zur Bildung auch die Begegnung mit dem Unbekannten, dem Widersprüchlichen und dem nicht unmittelbar Passenden? Eine Lernumgebung, die sich ausschließlich an bisherigen Interessen, Tempo und Vorstellungen ausrichtet, würde solche Begegnungen jedenfalls begrenzen. Bildung benötigt jedoch auch Erfahrungen, die vertraute Perspektiven infrage stellen.
Individualisierung darf deshalb nicht mit Vereinzelung verwechselt werden. Lernen vollzieht sich auch im aktiven Austausch mit anderen (Niedermeier: 2025). Menschen entwickeln ihre Positionen, wenn sie Argumente hören, die sie selbst nicht formuliert hätten, und Widerspruch, Zustimmung oder Missverständnisse bearbeiten. Soziale Eingebundenheit ist zudem ein grundlegendes psychologisches Bedürfnis und eine Voraussetzung dafür, dass Lernende Ziele als selbstbestimmt und bedeutsam erleben können (Deci & Ryan: 2000). Besonders in der Erwachsenenbildung liegt eine zentrale Stärke daher nicht nur in den vermittelten Inhalten, sondern in der Vielfalt der Erfahrungen, die Menschen in einen gemeinsamen Lernraum einbringen.
Die pädagogische Beziehung ist kein technischer Zusatz
Wenn KI-Systeme erklären, beraten und Rückmeldungen geben können, wird teilweise gefragt, welche Rolle Lehrende künftig noch übernehmen. Diese Frage greift zu kurz, wenn Lehrende vor allem als Vermittlerinnen und Vermittler von Informationen verstanden werden. Pädagogisches Handeln besteht nicht nur darin, Informationen bereitzustellen. Es bedeutet auch, Lernräume zu gestalten, Anforderungen zu begründen, Orientierung zu geben und Menschen in ihrer Entwicklung ernst zu nehmen. Eine umfassende Übersichtsarbeit zu KI in der Hochschulbildung weist entsprechend darauf hin, dass pädagogische Perspektiven und die Rolle der Lehrenden in der Forschung lange unterrepräsentiert waren (Zawacki-Richter et al.: 2019).
Lehrende und Kursleitende nehmen wahr, wenn sich jemand zurückzieht, verunsichert ist oder zusätzliche Unterstützung benötigt. Sie können Widersprüche aufgreifen, Erfahrungen einordnen und situativ entscheiden, wann eine Erklärung, eine Nachfrage oder auch Zurückhaltung angebracht ist. Vor allem übernehmen sie Verantwortung für die Gestaltung eines Bildungsprozesses. Eine KI kann den Eindruck von Aufmerksamkeit und Verständnis erzeugen. Sie verfügt jedoch nicht über menschliche Erfahrung, pädagogische Verantwortung oder ein eigenes Interesse an der Entwicklung der lernenden Person.
Das bedeutet nicht, dass KI nicht sinnvoll in pädagogischen Beziehungen eingesetzt werden kann. Sie kann Lehrende entlasten, Materialien differenzieren, zusätzliche Erklärungen anbieten und Lernende beim Üben unterstützen. Entscheidend ist jedoch, ob sie in ein pädagogisches Konzept eingebettet wird. Nicht die bloße Verfügbarkeit eines Werkzeugs entscheidet über seine Bildungswirkung. Entscheidend ist, zu welchem Zweck es eingesetzt wird, welche Tätigkeiten es unterstützt und welche Aufgaben bewusst beim Menschen verbleiben. Dass Rückmeldung Lernprozesse beeinflussen kann, ist gut belegt; ihre Wirkung hängt jedoch wesentlich von ihrer Qualität und Einbettung ab (Hattie & Timperley: 2007).
Die zentrale Frage lautet daher nicht: Kann KI eine bestimmte Aufgabe übernehmen? Sondern: Was geschieht mit dem Bildungsprozess, wenn sie diese Aufgabe übernimmt? Wird dadurch Zeit für persönliche Rückmeldung, Austausch und Begleitung gewonnen? Oder werden Kontakte reduziert, weil technische Unterstützung als Ersatz für pädagogische Präsenz verstanden wird? Die Antwort liegt nicht in der Technologie selbst, sondern in den organisatorischen und didaktischen Entscheidungen, die ihren Einsatz rahmen (Miao & Holmes: 2023).
Urteilsfähigkeit als Voraussetzung
Je überzeugender KI-generierte Inhalte wirken, desto wichtiger wird die Fähigkeit, ihre Qualität zu beurteilen. Menschen müssen erkennen können, ob eine Antwort nachvollziehbar, eine Quelle vertrauenswürdig und ein Argument schlüssig ist. Urteilsfähigkeit entsteht jedoch nicht allein durch den Hinweis, Ergebnisse kritisch zu prüfen. Wer eine Erklärung fachlich bewerten will, benötigt Vorwissen. Wer unterschiedliche Quellen vergleichen will, muss Kriterien für Qualität kennen. Wer eine überzeugend formulierte Behauptung zurückweisen soll, braucht sowohl fachliche Sicherheit als auch die Bereitschaft, dem ersten Eindruck zu misstrauen.
Damit entsteht ein Paradox: KI-Systeme können gerade jenen Menschen besonders hilfreich erscheinen, die ihre Ergebnisse am wenigsten beurteilen können. Sprachliche Sicherheit und inhaltliche Richtigkeit fallen nicht zwangsläufig zusammen. Bildungsangebote müssen deshalb Räume schaffen, in denen nicht nur Ergebnisse produziert, sondern Beurteilungsprozesse sichtbar gemacht werden. Wie komme ich zu einem Urteil? Welche Kriterien verwende ich? Wo bin ich unsicher? Welche weiteren Perspektiven oder Quellen benötige ich?
Für die Erwachsenenbildung ist dies auch gesellschaftlich relevant. KI-generierte Inhalte wirken nicht nur in Lern- und Arbeitsprozesse hinein, sondern auch dort, wo Menschen öffentliche Informationen bewerten und alltagsbezogene Entscheidungen vorbereiten. Die Risiken liegen nicht allein in einzelnen falschen Aussagen. Sie entstehen auch dann, wenn die sprachliche Plausibilität eines Outputs Herkunft, Evidenzlage oder zugrunde liegende Interessen verdeckt. Die UNESCO weist deshalb darauf hin, dass Bildungsinstitutionen KI-generierte Inhalte auf Desinformation, Täuschungsformen und diskriminierende Darstellungen prüfen und Lernende zu einem verantwortlichen Umgang befähigen sollen (Miao & Holmes: 2023). Der kompetente Umgang mit KI ist daher mehr als eine berufliche Zusatzqualifikation. Er ist ein Bestandteil demokratischer Bildung. Der DigComp 2.2 bündelt die dafür notwendige Informations- und Datenkompetenz als Fähigkeit, digitale Informationen zu recherchieren, zu bewerten und verantwortungsvoll zu nutzen (Vuorikari et al.: 2022). Dabei geht es nicht darum, jedem Menschen technisches Spezialwissen abzuverlangen, sondern darum, Aussagen einzuordnen, Interessen zu erkennen, Unsicherheit zu benennen und Verantwortung nicht an ein System abzugeben.
Effizienz ist noch keine Transformation
Viele aktuelle KI-Anwendungen zielen auf Zeitersparnis. Diese zeitliche Entlastung kann sinnvoll sein. Sie ist jedoch nicht automatisch mit einer Verbesserung von Bildung gleichzusetzen. Ein schneller erstelltes Arbeitsblatt ist noch kein besseres Lernangebot. Eine automatisch erzeugte Zusammenfassung führt nicht zwangsläufig zu einem tieferen Verständnis. Und eine effizientere Kursplanung verändert noch nicht die pädagogische Qualität einer Veranstaltung. Transformation beginnt nicht dort, wo bestehende Aufgaben mit neuen Werkzeugen schneller erledigt werden. Sie beginnt dort, wo Ziele, Rollen und Prozesse neu betrachtet werden. Welche Aufgaben sollen Lernende künftig selbst bearbeiten, weil gerade in der Bearbeitung ein Bildungswert liegt? Wo kann KI Routinen übernehmen, damit mehr Zeit für Austausch, Reflexion und Anwendung entsteht? Wie verändern sich Leistungsnachweise, wenn fertige Ergebnisse technisch erzeugt werden können? Welche Leistungen sollen sichtbar werden: das Produkt, der Prozess oder die Fähigkeit, Entscheidungen zu begründen?
Zukunft Bildung ist eine Gestaltungsfrage
Wenn über die Zukunft von Bildung gesprochen wird, entsteht leicht der Eindruck, diese Zukunft werde vor allem durch technische Entwicklungen bestimmt. Dann erscheint Bildung als ein System, das auf Innovationen reagieren und sich möglichst schnell anpassen muss. Doch die Zukunft von Bildung ist nicht einfach das Ergebnis technischer Möglichkeiten. Sie entsteht durch Entscheidungen. Bildungseinrichtungen entscheiden, welche Technologien sie einsetzen. Lehrende entscheiden, welche Aufgaben sie an KI übertragen und welche Lernprozesse sie bewusst schützen. Lernende entscheiden, ob sie KI als Abkürzung, als Werkzeug oder als Gegenüber für die eigene Reflexion nutzen. Politik und Gesellschaft entscheiden, welche Ziele Bildung verfolgen soll. Diese Entscheidungen sollten nicht allein danach beurteilt werden, was technisch möglich oder wirtschaftlich effizient ist. Sie benötigen Kriterien, die pädagogische Qualität, Teilhabe, Verantwortung und menschliche Entwicklung berücksichtigen.
Vielleicht liegt die wichtigste Aufgabe deshalb nicht darin, Menschen möglichst umfassend auf eine technisch vorhergesagte Zukunft vorzubereiten. Bildung sollte sie vielmehr dazu befähigen, an der Gestaltung dieser Zukunft mitzuwirken. Dafür benötigen Menschen mehr als Informationen, nämlich Wissen und Kompetenzen. Sie benötigen Selbstvertrauen, Verantwortungsbereitschaft, Empathie und die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten. Sie müssen nicht nur wissen, was technisch möglich ist, sondern auch fragen können, was sinnvoll, gerecht und wünschenswert ist. Bildung hat nicht nur mit Inhalten, sondern mit Menschen zu tun: mit ihren Voraussetzungen, Erfahrungen, Beziehungen und Möglichkeiten zur Entwicklung. Pädagogik und Psychologie helfen dabei, die Wirkungen von Technologien nicht nur an Nutzungszahlen oder Zeitgewinnen zu messen, sondern daran, wie Menschen handeln, lernen und Verantwortung übernehmen können.
Welche Fragen müssen wir stellen?
Vielleicht zwingt uns Künstliche Intelligenz nicht dazu, Bildung vollkommen neu zu erfinden. Vielleicht zwingt sie uns vielmehr dazu, präziser zu bestimmen, was Bildung immer schon ausgemacht hat. Was soll ein Mensch nach einem Bildungsprozess nicht nur wissen, sondern verstehen? Welche Erfahrungen sollen Lernende selbst machen, auch wenn eine Maschine ihnen das Ergebnis liefern könnte? Wie können Neugier, Motivation und Urteilsfähigkeit gefördert werden? Wie lassen sich Individualisierung und gemeinschaftliches Lernen miteinander verbinden? Welche Verantwortung tragen Lehrende und Bildungseinrichtungen für den Einsatz von KI? Wer profitiert von den neuen Möglichkeiten, und wer benötigt zusätzliche Unterstützung, um nicht ausgeschlossen zu werden? Wie kann Erwachsenenbildung Menschen nicht nur zur Anpassung an Veränderungen befähigen, sondern zur aktiven Mitgestaltung einer Gesellschaft, in der technische Systeme immer mehr Entscheidungen vorbereiten und Kommunikationsprozesse beeinflussen?
Solange diese Fragen offen sind, sollte die Bildungsdebatte nicht bei Werkzeugen und Anwendungsmöglichkeiten stehen bleiben. Die Zukunft von Bildung entscheidet sich nicht allein daran, welche Systeme zur Verfügung stehen. Sie entscheidet sich daran, welche Vorstellungen vom Menschen, vom Lernen und vom gesellschaftlichen Zusammenleben ihren Einsatz bestimmen. Denn je mehr Antworten Künstliche Intelligenz bereitstellt, desto wichtiger wird die menschliche Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen. //











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