Erwachsenenbildung im ländlichen Raum

Die österreichischen Volkshochschulen sind in mehr als 780 Gemeinden tätig, in denen 73 Prozent der in Österreich lebenden Bevölkerung wohnen. Darunter befinden sich viele Gemeinden in ländlichen Regionen, die mittel bis dünn besiedelt sind. Erwachsenenbildung in ländlichen Regionen hat mehrere Funktionen, die bis hin zum Aufrechterhalten von Infrastruktur reichen können und den sozialen Zusammenhang ­unterstützen.1  Und eines der Ziele der österreichischen Lifelong Learning Strategie ist die Steigerung der Teilnahmequoten an nicht-formaler Weiterbildung in dünn besiedelten Gebieten. Grund genug also, dass wir uns mit Erwachsenenbildung und Volkshochschularbeit im ländlichen Raum befassen.

Rudolf Egger, Universität Graz, argumentiert in einem grundsätzlichen Beitrag für eine Stärkung der Erwachsenenbildung. Durch gemeinsames Lernen in der Erwachsenenbildung können Auswege gefunden werden. Als Aufgabe der Erwachsenenbildung sieht er, durch flexible Angebote die Grundlagen zu schaffen, um mit immer komplexer werdenden Lebensbedingungen zurecht zu kommen. Erwachsenenbildung könnte durch digitale Bürgerbeteiligungsplattformen dazu beitragen, die Kommunalentwicklung mitzugestalten. 

Martin Peer vom Südtiroler Amt der Weiterbildung berichtet über das sehr interessante Modell der Bildungsausschüsse in Südtirol. Dabei schreibt er nicht nur über die Erfolge, sondern auch darüber, was weniger gut funktioniert und über das Zusammenspiel von unterstützenden hauptamtlichen mit ehrenamtlichen Strukturen. 

Ulrich Klemm, langjähriger Direktor des Sächsischen Volkshochschul-Verbandes und derzeit in einer Vertretungsprofessur für Erwachsenenbildung und Weiterbildung an der Technischen Universität Chemnitz tätig, analysiert die Rolle der Erwachsenenbildung im ländlichen Raum. Anhand der Ulmer Volkshochschule bringt er ein praktisches Beispiel für eine gemeinwesenorientierte Erwachsenenbildung. Schließlich plädiert er für eigenständige Regionalentwicklung, die ein Steuerungsmodell für Kooperationen von unterschiedlichen Trägern der Erwachsenenbildung und zwischen ­Erwachsenenbildung und Kommunen sowie zivilgesellschaftlicher Initiativen und der Wirtschaft beinhaltet. 

Wie Erwachsenenbildung im ländlichen Raum in Volkshochschulen funktioniert, das zeigen die Beiträge von Julia Panholzer und Tanja Wesely. Im oberösterreichischen Gutau basiert Volkshochschularbeit auf einer guten Kooperation mit der Kommune und mit nebenberuflich geleiteten Regionalstellen. Die Volkshochschule Südliches Waldviertel ist ein erfolgreiches Modell einer Kooperation zwischen mehreren Gemeinden. Sie versteht sich als eine Bildungsplattform, in die auch Verbände, Vereine und Schulen der Region einbezogen sind. 

Barbara Siegl, Regionalmanagerin im steirischen Vulkanland schreibt über die Bedeutung der Erwachsenenbildung in der regionalen Entwicklungsarbeit. Gemeinden, Erwachsenenbildungseinrichtungen, Sozialpartner und Vereine arbeiten an Zukunftsthemen, die in der Region und für die Region definiert wurden. Weitere Maßnahmen wie eine Weiterbildungsmesse für Erwachsene und Graswurzel-Initiativen wie die Dorfuni sind Ansätze zur Förderung von Bildung in ländlichen Regionen. 

Mit der Bedeutung der Wirtschaft für die Entwicklung im ländlichen Raum befasst sich Bibiane Puhl, langjährige Regionalmanagerin in der Steiermark und nun selbständige Unternehmensberaterin am Beispiel des Projektes „Kraft. Das Murtal“. Hier ist es Betrieben aus der Region gemeinsam mit der Fachhochschule und dem Arbeitsmarktservice gelungen, neue wirtschaftliche
Impulse für die Region zu setzen und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Innovationskraft im ländlichen Raum zeigt Bibiane Puhl in zwei Porträts von jungen Talenten am Land.

#webfit ist ein Projekt aufsuchender Bildungsarbeit der VHS Kärnten, das Beate Gfrerer beschreibt.
Das VHS-Mobil bringt digitale Grundbildung in die Gemeinden. //

1   Vgl. dazu: Egger, Rudolf & Fernandez, Karina (2014): Grundversorgung Bildung. Über die Gefährdung sozialer Kohäsion durch die Ausdünnung der Weiterbildungsstruktur. Wiesbaden: Springer.

Bisovsky, Gerhard (2021): Erwachsenenbildung im ländlichen Raum. Herbst 2021, Heft 274/72. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

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