Foto: ORF/Ursula Hummel-Berger
https://oe1.orf.at/artikel/725063/Der-ORF-trauert-um-Martin-Bernhofer
Wenn man Martin Bernhofer in den Gängen des Wiener Funkhauses begegnete, strahlte er nach außen meistens Ruhe und Gelassenheit aus. Dabei gehörte der promovierte Hispanist und Theaterwissenschafter zu den kreativsten und dementsprechend lebhaftesten Geistern des ORF, und solche müssen grundsätzlich unruhig sein.
Geboren am 2. Dezember 1959 in Salzburg, führte ihn sein Weg über Theaterprojekte und Tätigkeiten als Dramaturg 1985 in die Wissenschafts- und Bildungsredaktion des ORF-Radios. Er gestaltete Sendungen in Ö1-Reihen wie „Dimensionen“, „Salzburger Nachtstudio“ und „Radiokolleg“ und war als Moderator verschiedener Live-Sendungen tätig. 1998 wurde er Producer der Senderreihe „Der Ö1 Essay“, und bald auch Projektmanager und -entwickler und veranstaltete die ORF-„Zukunftssymposien“.
Ich lernte Martin 1993 kennen, als ich vom Landesstudio Wien zu Ö1 gewechselt war, und zwar im überfüllten Büro von Hauptabteilungsleiter Manfred Jochum, in dem wir allmontags um zehn Uhr zur Wochensitzung zusammenkamen, eine Handvoll Angestellte und eine ganze Armee freier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es war ein nervöses Ringen um die Filetstücke, wenn dort die Themen verteilt wurden. Instinktiv setzte ich mich als Jüngster (24) neben den Ruhigsten in der Runde. Es war Martin Bernhofer. Und wenn ich wieder einmal ohne Auftrag aus der Sitzung kam, war Martin – mit 34 Jahren ein erfahrener Kollege – immer für Zuspruch gut.
Warum er Radio für das Bildungsmedium hielt, begründete er am Rande der Verleihung des Radiopreises der Erwachsenenbildung einmal so:
„Radio hat eine ganz spezielle Methode und Technik, Wissen zu vermitteln, weil Radio das Medium der Erzählung ist und Bildung zu erzählen ist etwas, was bei den Menschen sehr gut ankommt.“
2002 wurde er Leiter der Hauptabteilung „Wissenschaft, Bildung, Gesellschaft“ der ORF-Radios, und damit für Ö1 Mitveranstalter der Alpbacher Technologiegespräche im Rahmen des Europäischen Forums. Bernhofer war außerdem einer der Väter der Wissenschaftskanals des ORF im Netz, science.ORF.at.
Als Geisteswissenschafter veröffentlichte er mehrere Publikationen wie „Fragen an das 21. Jahrhundert“, und er gab sein Wissen weiter, hatte Lehraufträge für Medienpädagogik und Wissenschaftskommunikation inne. 2000 wurde er mit dem Staatspreis für Wissenschaftspublizistik ausgezeichnet.
Die Krönung von Martin Bernhofers Karriere war 2019 seine Bestellung zum Ö1-Chef.
Eine gute Wahl, denn er verkörperte Ö1 gewissermaßen durch seine ganze Persönlichkeit. Mit dem Jugendklub „Ö1 Intro“ und mehreren Sendungsinitiativen bemühte er sich um ein jüngeres Publikum und begann, mit Podcasts digitale Ausspielwege zu etablieren.
Der weitgereiste, belesene und gebildete Mann war vor allem auch sensibel und ein journalistischer intellektueller Leuchtturm des ORF. Qualitäten, die in einer harten Branche nicht immer gebührend zur Geltung kommen. 2022 zog er sich krankheitsbedingt von seinen Tätigkeiten zurück.
Unsere letzte Plauderei im Café Eiles am 10. April 2025 drehte sich wie so oft ums Reisen, um verschiedene Länder und Kulturen. Schließlich landeten wir im Gespräch in Thailand, Indien … Sehnsuchtsorte …, um dann doch nur wieder ganz banal ins nächtliche Wien hinauszugehen.
Am 11. Dezember 2025 ist Martin Bernhofer verstorben. Er wurde 66 Jahre alt.
Wo immer Du jetzt auch ankommen magst: Gute Reise, lieber Martin! //
Erschienen in der Februarausgabe des Ö1-Magazins „gehört“, S. 16.












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