Am 13. Februar verstarb die Wegbereiterin und „Grande Dame“ der Volkshochschule Tirol, Dr. Emmi Torggler-Wöß, knapp vor Vollendung ihres 101. Lebensjahres.
Emmi Torggler-Wöß wurde am 28. Februar 1925 in Scharnitz an der Grenze zu Bayern als siebtes Kind einer Zollwacheinspektor-Familie geboren. Nach dem Besuch der Volks- und Hauptschule sowie einer dreijährigen Fachschule für Damenschneiderei war sie in den Kriegsjahren 1942 bis 1945 als Röntgenschwester im Roten Kreuz tätig. Nach Kriegsende fand sie ihren Weg zur Erwachsenenbildung über die Arbeitermittelschule des neugegründeten Volkshochschul-Vereins Innsbruck. Bereits im Dezember 1945 begann sie dort als Sekretärin. Parallel zu ihrer Berufstätigkeit holte sie 1949 die Matura nach und begann anschließend mit dem Studium der Geschichte und Philosophie an der Universität Innsbruck, wo sie 1953 in Urgeschichte promovierte. Im selben Jahr heiratete sie Hofrat Dr. Herbert Torggler, Vorstand des Zollamtes Innsbruck, mit dem sie zwei Töchter großzog.
Neben ihrer Arbeit an der Volkshochschule absolvierte sie das Lehramt für Deutsch und Geschichte und unterrichtete von 1965 bis 1973 nebenberuflich am Reithmanngymnasium in Innsbruck.
Vor dem Hintergrund ihrer eigenen, oftmals schwierigen Arbeits- und Lernbedingungen verstand Emmi Torggler-Wöß ihre Tätigkeit an der Volkshochschule – neben der Bildungs-, Kultur- und Wissensvermittlung – in erster Linie als soziale Aufgabe: Menschen zur Weiterentwicklung zu ermutigen und die dafür notwendigen Strukturen und Hilfestellungen bereitzustellen. Kurt Aufderklamm beschrieb sie treffend als Frau der Praxis, deren Handeln von Idealismus und Herzensbildung geleitet war – getreu ihrem Motto: „Mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Leistung“.
Ein zentrales Anliegen war ihr der landesweite Ausbau der Volkshochschulzweigstellen, die sie gemeinsam mit dem ersten Präsidenten der Volkshochschule Innsbruck, Dr. Josef Leitgeb – ab 1952 mit dessen Nachfolger Univ.-Prof. Dr. Leonhard Franz –, unermüdlich und mit großem persönlichem Einsatz vorantrieb. Erste Erfolge ihrer Tätigkeit in verantwortlicher Leitungsfunktion waren die 1946 neugegründeten Zweigstellen Kufstein und Kitzbühel, denen bis 1965 weitere 16 VHS-Standorte folgten, wodurch sich das Kursangebot für ganz Tirol enorm verbreitete.
1973 wurde Emmi Torggler-Wöß schließlich zur Direktorin der Volkshochschule Innsbruck und Tirol ernannt. In ihrer Amtszeit gelang es ihr gemeinsam mit Präsident Mag. Alois Prazeller in Verhandlungen mit Stadt und Land die zentralen Räumlichkeiten im ehemaligen Ursulinenkloster am Marktgraben zu sichern, die bis heute ein Herzstück der Institution sind.
Neben ihrer erfolgreichen und die Entwicklung der Volkshochschule Tirol prägenden Tätigkeit war Emmi Torggler-Wöß auch Gründungs- und Vorstandsmitglied des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen.
8. Konferenz des Arbeitskreises zur Dokumentation und Aufarbeitung der Geschichte der Erwachsenenbildung für Österreich, Deutschland und Schweiz (1988): Dr. Torggler und Dr. Speiser (Generalsekretär des VÖV von 1950 bis 1974) sitzen als Konferenzteilnehmer*innen im Tagungsraum in Haus Buchenried
Foto: Österreichisches Volkshochschularchiv (ÖVA)
Auch nach ihrer Pensionierung im Jahr 1982 blieb sie der Erwachsenenbildung eng verbunden – als Vorstandsmitglied des Tiroler Landesverbandes, als Leiterin der VHS-Zweigstelle Hötting sowie ab 1987 als Vorstandsmitglied des Vereins zur Geschichte der Volkshochschulen – der früheren Trägereinrichtung des Österreichischen Volkshochschularchivs.
Bereits vor ihrer Pensionierung hatte sie nicht nur eine Reihe von Beiträgen über die Geschichte der Tiroler Volkshochschulen verfasst – unter anderem in der Österreichischen Volkshochschule (ÖVH) –, sondern sie war darüber hinaus auch Organisatorin der Auftaktkonferenz des Internationalen Arbeitskreises zur Aufarbeitung der Geschichte der Volkshochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die 1981 im Kongresshaus in Innsbruck stattfand, die danach fortlaufend stattfand. Bis zur achten Konferenz 1988 nahm sie an allen Folgekonferenzen regen Anteil.
Ich persönlich habe sie noch im Kontext einzelner Vorstandssitzungen bis 1991 als offenherzige und stets ermutigende Persönlichkeit kennengelernt, die bis zuletzt ein tiefes Interesse an der Geschichte und Zukunft der Bildung zeigte.
Für ihr unermüdliches Wirken wurde Emmi Torggler-Wöß vielfach geehrt, so unter anderem mit dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, dem Ehrenzeichen des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen, dem Verdienstkreuz des Landes Tirol oder dem Ehrenzeichen für Kunst und Kultur der Stadt Innsbruck.
Mit Dr. Emmi Torggler-Wöß verliert die österreichische Erwachsenenbildung eine ihrer bedeutendsten Pionierinnen der Nachkriegszeit. Ihr beeindruckendes Lebenswerk wird in den Strukturen der Tiroler Bildungslandschaft fortbestehen. //












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