Ausgewählte Grantees 2025 – Projektberichte
ProEuropeanValues – CERV-Förderprogramm

DiB – Demokratiebildung in Basisbildungsangeboten (Basisbildungszentrum abc-Salzburg)

Das Basisbildungszentrum abc-Salzburg entwickelte 2025 demokratiefördernde Lernmaterialien für Erwachsene mit Basisbildungsbedarf – eine bislang vernachlässigte Zielgruppe. Ziel ist die Förderung gesellschaftlicher und politischer Teilhabe durch bedarfsorientierte Materialien, die kritisches Denken, Informationsbewertung und das Bewusstsein für Rechte stärken. Die Materialien vermitteln zentrale europäische Werte wie Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Solidarität und werden auf www.alphabetisierung.at langfristig kostenlos verfügbar gemacht.

Aktivitäten & Umsetzung

abc-Salzburg entwickelte ein Materialienbuch, das Trainer*innen praxisnahe Werkzeuge für den Unterricht bietet: Arbeitsblätter und methodische Hinweise, die Demokratiebildung mit der Förderung von Schriftsprachkompetenz verbinden. Das Projekt umfasste eine Bedarfsanalyse im Vorfeld, eine Recherche vorhandener Materialien und die konkrete Materialentwicklung durch eine erfahrene Trainerin. Die fertigen Materialien sind kostenlos zum Download auf www.alphabetisierung.at verfügbar.

Ergebnisse & Wirkung

Erste Rückmeldungen von Trainer-kolleg*innen zeigen, dass die Materialien Lernenden einen niedrigschwelligen Zugang zu demokratiebildenden Themen bieten. Das Projekt hat bereits zu mehr Aufmerksamkeit für Demokratie-Themen in der Basisbildung geführt. Andere Einrichtungen haben Interesse an den Materialien bekundet. Die volle Wirkung wird sich nach breiter Nutzung im Regelbetrieb zeigen.

Erkenntnisse & Lessons Learned

Das Projekt zeigt, dass Demokratiebildung in der Basisbildung gut umsetzbar ist, wenn Inhalte alltagsnah, visuell unterstützt und sprachlich vereinfacht dargestellt werden. Die Partizipation der Trainer*innen im Entwicklungsprozess erwies sich als zentraler Erfolgsfaktor. Anpassbare Materialien sind besonders hilfreich. Der konzeptionelle Entwicklungsprozess war zeitintensiver als erwartet. Das Projekt hat einen großen, bislang wenig beachteten Bedarf an demokratiefördernden Lernmaterialien in der Basisbildung sichtbar gemacht.

Werte im Wandel – Generationendialog zur Zukunft der Demokratie (World University Service Austria – Österreichisches Komitee)

Die Aktivität fördert den Dialog zwischen älteren und jüngeren Generationen über Demokratie, gesellschaftlichen Wandel und die Werte der EU. In Erzählcafés berichten ältere Menschen über ihre Demokratieerfahrungen, während junge Menschen gemeinsam mit ihnen neue Perspektiven entwickeln. Generationsübergreifende Demokratie-Workshops bieten praxisnahe Trainings zu Themen wie Meinungsfreiheit und Desinformation. Das Projekt stärkt den intergenerationellen Austausch und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in ländlichen Regionen der Steiermark und Kärnten.

Aktivitäten & Umsetzung

In drei Gemeinden (Gröbming, Gratkorn, Viktring) führte WUS Austria intergenerationelle Dialoge durch. Rund 60 Senior*innen und Jugendliche nahmen an moderierten Erzählcafés teil. Ergänzend wurden Tiefeninterviews für den Baseline-Research geführt; Jugendliche interviewten ältere Menschen, deren Geschichten als Blogbeiträge ver-
öffentlicht wurden. Generationenübergreifende Workshops zum Thema „Miteinander im Netz – Social Media, Meinungsfreiheit und Hassrede“ wurden durchgeführt.

Ergebnisse & Wirkung

Die Interviews, Erzählcafés und Workshops schufen einen offenen Raum, in dem Senior*innen und Jugendliche gemeinsam über Demokratie und gesellschaftlichen Wandel sprechen konnten. Viele Teilnehmende berichteten, neue Perspektiven gewonnen zu haben. Alle Mitveranstalter*innen wollen das Format der Erzählcafés in ihren Einrichtungen weiterführen. Insgesamt wurde der intergenerationelle Dialog gestärkt und das Bewusstsein für demokratische Werte vertieft.

Erkenntnisse & Lessons Learned

Das Projekt bestätigte, dass informelle, dialogorientierte Formate besonders gut funktionieren, um generationenübergreifend über Demokratie ins Gespräch zu kommen. Kooperationen mit lokalen Einrichtungen waren entscheidend, um beide Zielgruppen gleichzeitig zu erreichen. Themen wie Meinungsfreiheit und digitale Kommunikation können sehr emotional sein und benötigen mehr Reflexionszeit. Niedrigschwellige, persönliche Gesprächsformate schaffen Vertrauen und öffnen neue Perspektiven.

LevelUpDemocracyAT (IG Demokratie)

Die IG Demokratie ist ein Netzwerk zur partizipativen Weiterentwicklung der Demokratie in Österreich. Das Projekt verfolgt zwei Schwerpunkte: Lobbyarbeit für die Institutionalisierung der ständigen Weiterentwicklung der Demokratie (inkl. Volksbegehren zur Parteienfinanzierung) sowie Demokratie-Repaircafés im öffentlichen Raum in fünf Städten als Dialogräume zwischen Bürger*innen, politischen Entscheidungsträger*innen und Expert*innen.

Aktivitäten & Umsetzung

Drei Dialoge zu Verfassungskonvent und -organisation (zirka 30 Personen aus Demokratie-Initiativen) wurden durchgeführt. Die Kampagne für das Volksbegehren „Wahlbeteiligung bestimmt Parteienfinanzierung“ erreichte 7.020 Unterschriften (50.000 Flyer verteilt). Sechs Demokratie-Repaircafés fanden in Ludesch, Velden, Salzburg, Linz und Feldkirch statt. Das Train-The-Trainer-Format für Repaircafés wurde konzipiert und für Frühjahr 2026 fixiert. Die Gemeinnützigkeit wurde beantragt und erhalten.

Ergebnisse & Wirkung

Das Format Repaircafé begeistert Teilnehmer*innen immer wieder. Bei nahezu allen Veranstaltungen entstand der Wunsch nach Fortsetzung oder kamen Anfragen für Umsetzungen mit neuen Kooperationspartner*innen. Die Zusammenarbeit mit Schüler*innen – besonders in Ludesch – war besonders bereichernd. Für die IG Demokratie hat sich gefestigt, künftig verstärkt an Schulen und auf Gemeindeebene aktiv zu sein.

Erkenntnisse & Lessons Learned

Das Demokratie-Repaircafé überrascht trotz vieler Durchführungen immer wieder – die Dynamik im öffentlichen Raum ist je nach Ort und Zeit unterschiedlich. Nicht nur partizipatives Arbeiten, sondern auch Informationsvermittlung und Wissensweitergabe sind zentral für politische Bildung. Die Bewerbung von Veranstaltungen bleibt eine Herausforderung, die am besten durch starke lokale Kooperationen bewältigt wird. Ein Volksbegehren über breite Unterschriftenzahlen zu bringen, ist eine große gesellschaftliche Herausforderung.

Barrierefreie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Gebärdensprache (Verein Servicecenter ÖGS.barrierefrei)

Über die Plattform Gebärdenwelt.tv bietet der Verein Servicecenter ÖGS.barrierefrei gehörlosen und schwerhörigen Menschen eine regelmäßige, barrierefreie Medienberichterstattung in Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS). Damit soll ihre politische Bildung gefördert und eine informierte Teilnahme an demokratischen Entscheidungen ermöglicht werden. Die Berichterstattung erfolgt bilingual in ÖGS und Deutsch, teils auch in anderen Lautsprachen und „International Sign“ mit Untertitelung.

Aktivitäten & Umsetzung

Ab 4. April 2025 wurde monatlich mindestens ein Beitrag zu politischen Themen veröffentlicht – in verständlicher ÖGS. Das Produktionsteam besuchte Demonstrationen und politische Veranstaltungen, führte Interviews mit Akteur*innen und produzierte Erklärformate zu politischen Themen. Bis Ende Oktober entstanden 19 Beiträge in vier Formatkategorien: Lautsprachen-Interviews mit Untertitelung, ÖGS-Interviews, Vor-Ort-Reportagen und Infobeiträge. Langformate erschienen auf Gebärdenwelt.tv und YouTube, Kurzformate auf Social Media.

Ergebnisse & Wirkung

19 Beiträge zu politischen Themen wurden produziert – von Behindertenrechten über die Wien-Wahlen bis zu direkter Demokratie und Verfassungsrecht. Die Plattform etablierte sich als verlässliche Informationsquelle für die Gehörlosen-Community. Zum ersten Mal wurden politische Inhalte explizit für diese Zielgruppe produziert. Das Feedback der Community war sehr positiv; manche Beiträge fanden auch in Deutschland großen Anklang.

Erkenntnisse & Lessons Learned

Das Projekt ermöglichte den Aufbau neuer Netzwerke zu NGOs, Politiker*innen und Vereinen. ÖGS.barrierefrei hat sich als seriöses Medium für politische und inklusive Inhalte etabliert. Die größte Herausforderung lag in der Postproduktion: Barrierefreiheit – insbesondere die Untertitelung von Gebärdensprache – ist ressourcenintensiv, da noch keine automatisierten Systeme existieren. Das Projekt verdeutlicht, dass gehörlose Menschen von Staat und Medien noch zu selten als gleichwertige politische Akteur*innen wahrgenommen werden.

Mentoring hat Wert(e) – Younus-Mentoring für Kinder, Jugendliche und Familien

Das Projekt von „younus“ gestaltet analoge und digitale Inhalte zu EU-Werten für Kinder, Eltern, Mentor*innen und Multiplikator*innen aus dem Sozial- und Bildungswesen. Mit Podcasts, Videos, Printmaterialien und Workshops werden Werte wie Menschenwürde, Gleichstellung und Nicht-Diskriminierung vermittelt. Die Inhalte werden in Wien entwickelt und in vier Bundesländern sowie digital österreichweit genutzt.

Aktivitäten & Umsetzung

Younus produzierte sechs Podcast-Folgen zu sechs EU-Werten, die durch eine partizipative Umfrage unter Mitarbeiter*innen und Mentor*innen ausgewählt wurden. Beteiligt waren sechs Tandems – Kinder und Jugendliche zwischen acht und 14 Jahren und ihre Mentor*innen. Die Podcasts wurden professionell in einem Aufnahmestudio produziert und auf Podcast-Plattformen sowie YouTube veröffentlicht. Ergänzend entstand der sogenannte „Werte-Ballon“ – eine Bastelanleitung, die EU-Werte mit Buchtipps und einem QR-Code zum Podcast in Kindergärten, Schulen und Kooperationspartnerschaften trägt.

Ergebnisse & Wirkung

Die sechs Tandems sprachen im Interview-Setting über EU-Werte und ihre persönlichen Erlebnisse. Mentor*innen rückmeldeten, dass sie und ihre Mentees durch das Studioerlebnis und die professionelle Moderation eine Bühne erhielten und sich gehört fühlten. Das Projekt hat das Recht auf Mitsprache als EU-Wert direkt umgesetzt. Als positiver Nebeneffekt entstand der younus-Podcast „1:1. Was Social Mentoring bewirken kann“.

Erkenntnisse & Lessons Learned

Die intensive Vorbereitung aller Beteiligten – insbesondere durch die enge Beziehung der Mentoring-Berater*in zu den Tandems – war die Grundlage für eine solide Vertrauensbasis. Eine zuhörende und abwartende Haltung in der Moderation ist wichtig, um Kindern Raum zum Nachdenken zu geben. Viele Kinder erfahren erstmals, dass ihre Gedanken außerhalb ihrer Peer-Gruppe Gehör finden. Das Projekt bestätigt, dass Kinder und Jugendliche enormes Potenzial mitbringen, wenn man ihnen eine Bühne gibt.

hacktheworldabetterplace: Mit Coding Demokratie gestalten (Hacker School Austria gGmbH)

Die Hacker School Austria entwickelte Kurskonzepte zu Data Literacy, Fake News Detection, Social Media und Coding. Schüler*innen lernen, wie Algorithmen zur Meinungsbildung genutzt werden, und trainieren in praxisnahen Programmierkursen eigene KI-Modelle oder entwickeln Chatbots, die Social-Media-Mechanismen simulieren und ein Verständnis für demokratische Prozesse fördern.

Aktivitäten & Umsetzung

Im Mittelpunkt stand zunächst die konzeptionelle Entwicklung des neuen Kursformats: ein innovativer Ansatz, der Jugendlichen Medienkompetenz und kritisches Denken rund um Fake News auf spielerische Weise vermittelt – verknüpft mit praktischen Programmierübungen. Parallel dazu erfolgten Schulakquise, Terminvereinbarungen und das Briefing der Kursleitungen. Seit Herbst 2025 werden Pilotkurse an Schulen – sowohl virtuell als auch im Klassenverband – für Jugendliche ab elf Jahren durchgeführt.

Ergebnisse & Wirkung

Die Nachfrage seitens der Schulen ist hoch, was den großen Bedarf an Angeboten rund um KI, Desinformation und Verantwortung im digitalen Raum bestätigt. Lehrkräfte betonen die hohe Relevanz des Themas, insbesondere im Kontext KI-generierter Inhalte (Deep Fakes). Das Kurskonzept verbindet Grundlagen im Programmieren mit gesellschaftlicher Reflexion und wird von Lehrkräften und Schüler*innen gleichermaßen positiv hervorgehoben.

Erkenntnisse & Lessons Learned

Die zentrale Herausforderung bestand darin, den Spagat zwischen Motivation und Wissensvermittlung zu meistern – das Thema Fake News kann schnell theoretisch wirken. Gut gelungen ist die Verbindung von Coding und Medienkompetenz, also die Brücke zwischen technischen Grundlagen und dem Verständnis gesellschaftlicher Zusammenhänge. Für die Zukunft ist die Weiterentwicklung des Kurskonzepts geplant, u. a. mit einem „Train the Trainer“-Format für ehrenamtliche IT-Expert*innen. //

1   Mehr Informationen unter: https://proeuropeanvalues.at/

2   Vgl. https://www.kontaktstelle-cerv.de/cerv-programm

ProEuropeanValues (2026): Ausgewählte Grantees 2025 – Projektberichte. In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. Frühjahr 2026, Heft 286/77. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

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