Der Angriffskrieg der Russischen Föderation auf die Ukraine im Februar 2022 war der unmittelbare Anlass für das Thema „Bildung im Schatten des Krieges“, das den Schwerpunkt dieser Ausgabe der Zeitschrift „Bildung und Erziehung“ bildet.
Im Themenheft „Frieden und Krieg. Denkanstöße für die Erwachsenenbildung“ des Magazins für Erwachsenenbildung argumentiert Werner Wintersteiner, dass Erwachsenenbildung und Friedensbildung aufeinander bezogen sind und dass Friedensbildung als „Kernelement einer neuen Allgemeinbildung“ anerkannt werden sollte (Wintersteiner: 2024, S. 14).
Im vorliegenden Themenheft von „Bildung und Erziehung“ werden einige Aspekte der Aufgaben von Erwachsenenbildung in Zeiten des Krieges behandelt und wie Erwachsenenbildung in Kriegsgebieten funktioniert Martha Friedenthal-Haase erörtert in ihrem Beitrag mit dem Titel „‘Si vis pacem, para bellum‘ – ‚Willst du Frieden, bereite dich auf Krieg vor‘: Krieg und Frieden als Orientierungsgrößen einer zeitgemäßen Bürgerbildung“ die Stärkung der Widerstandsfähigkeit und der Resilienz der Bürger*innen einer Gesellschaft. Tetyana Hoggan-Kloubert setzt sich anhand historischer Begebenheiten und des Beispiels der Ukraine mit dem Verhältnis zwischen Bildung und Propaganda auseinander. Die Bildung zum Frieden stellt sie in den Mittelpunkt, die Menschen sollen zu kritischen und aktiven Gestalter*innen einer gerechten Gesellschaft befähigt werden. Maiia Dernova und Iryna Petriuk analysieren den aktuellen Stand der Erwachsenenbildung in der Ukraine. Dabei schneidet insbesondere die non-formale Erwachsenenbildung und die informelle gut ab. Relevante Themen sind die Förderung psychologischer Resilienz, die Entwicklung von Überlebensfähigkeiten, die Wiederherstellung lebenswichtiger Ressourcen, die soziale Sicherheit, der Zusammenhalt und die Reintegration von Binnenvertriebenen sowie Kriegsveteran*innen und deren Familien (S. 231). Weiters wurden in der Westukraine Bildungsbedarfe von Erwachsenen erhoben. An der Umfrage nahmen 153 Personen im Alter von 38 bis 76 Jahren teil, rund 71 Prozent waren Binnenvertriebene. Bei den Binnenvertriebenen wurden Bedarfe an juristischen Kenntnissen (37 Prozent), im Bereich Sicherheit und Lebensschutz (26 Prozent) und berufliche Weiterbildung (23 Prozent) erhoben. Die ständigen Einwohner*innen äußerten andere Interessen: gesellschaftspolitische Kenntnisse (24 Prozent), rechtliche Kenntnisse (16 Prozent), digitale Technologien (12 Prozent) und Fremdsprachen (6 Prozent). Maria Smolinsky befasst sich in ihrem Beitrag mit den Veränderungen in der politischen Bildung der Bundeswehr. Als aktuelle Themen ortet die Autorin politische Bildung als Teil der Persönlichkeitsbildung und konstruktiv-kritisch-denke „Staatsbürger in Uniform“. Celia Sokolowsky und Kay Sulk befassen sich aus bildungspraktischer Sicht mit den Programmen der Volkshochschule für Geflüchtete. Mit der Praxis der Erwachsenenbildung im Bereich des DVV International befasst sich ein Beitrag im „Forum“ anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums von DVV International mit dem Aufbau und dem Ausbau von Strukturen der Erwachsenenbildung in Afghanistan, im Nahen Osten und in der Ukraine. Weitere Erfahrungsberichte kommen aus den Krisenregionen Mali und Westafrika. Außerhalb des Schwerpunktes gibt es einige für die internationale Arbeit relevante Rezensionen.
Alles in allem handelt es sich um einen durchaus gelungenen Sammelband zum Thema „Bildung im Schatten des Krieges“, der sich insbesondere für Verantwortliche in Bildungseinrichtungen sowie in der Verwaltung und in der Politik eignet. Angesichts der vorherrschenden volatilen internationen Situation wird wohl davon auszugehen sein, dass noch weitere Publikationen zur Rolle der Erwachsenenbildung in unsicheren und kriegerischen Zeiten folgen werden. //












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