„Die Welt ist krisenhaft“, urteilt Ulli Fejer. Die agile Forscherin, praktisch tätig als Erwachsenenbildnerin im Gemeinwesen, als Projektentwicklerin und als kooperative Coachin, verzweifelt aber nicht. Im Gegenteil, ihr mahnendes Urteil über die bedrohte „Welt“ – das beinhaltet Klimawandel, Kluft zwischen Arm und Reich, anhaltende Diskriminierung von Frauen, Artensterben u. a. m. – motiviert sie, nach attraktiven Wegen in eine „gelingende Zukunft“ zu suchen. Lernen und Bildung versteht sie dabei als wichtige Stützen, um das Ziel, „in Verbundenheit zu leben“, zu erreichen.
Adressat*innen ihrer Reflexionen und Erkenntnisse sind in erster Linie Menschen mit bildender, lehrender, beratender oder kultureller Funktion, aber auch alle gesellschaftspolitisch Engagierten, die beitragen wollen, die sich transformierenden Gegenwartsgesellschaften im Hinblick auf Demokratie und Klimagerechtigkeit zu stärken.
Das in den letzten drei Jahren durchgeführte und nun als Buch vorliegende Forschungsprojekt konzentriert sich auf folgende Fragestellungen: „Welche Haltungen und Kompetenzen, welche Erfahrungen und welches Wissen fördern ein Leben in Verbundenheit? Wie können sie in verschiedenen Bildungszusammenhängen umgesetzt werden?“
Zur Beantwortung begibt sich Ulli Fejer zunächst in einen theoretischen Kontext. Mit ihrem Standort im Bildungsfeld nimmt sie eine feministische, interdisziplinäre Position ein. Sie blickt, durchwegs gestützt auf aktuelle wissenschaftliche Fachliteratur, besorgt auf den Zustand der Welt. Aus westlicher Perspektive bedauert sie eine „Kultur der Trennung“, die sich, bezogen auf die gemeinschaftliche Existenz aller Lebewesen, global ausgebreitet hat.
In ihrer Diskussion aktueller Menschenbilder fordert die Autorin eine Ergänzung zu unserer gegenwärtig vorherrschenden rational-wissenschaftlichen Auffassung – nämlich „Besinnung auf Körperlichkeit, Lebendigkeit und Verbundenheit“ (S. 40). Mit der Intention für eine Welt einzutreten, in der alle Menschen jeden Geschlechts als gleich wertvoll erachtet werden, sollten auch Werte wie Hingabe, Kooperation, Sinn für Gemeinschaft, Harmonie und Liebe wieder mehr in den Vordergrund gestellt werden. Darauf fußend plädiert die Autorin vehement für Verbundenheit – ein Signalbegriff, der sich interdisziplinär in den letzten Jahren als gesellschaftliches, zukunftsfähiges Movens positioniert hat. Ob und wie sich dies in Lerninhalte und Bildungsprozesse transferieren lässt, wird im praxisorientierten Teil des Buches dargestellt.
Dazu zählen zehn Beispiele von Lern- und Bildungsmodellen – z. B. gewaltfreie Kommunikation, Tiefenökologie, Gemeinwohl-Ökonomie – inklusive Interviews mit deren Proponent*innen. Die Modelle sind, zwar mit unterschiedlichen Lernfeldern ausgestattet, als Beiträge zu verstehen, wie Verbundenheit lernend geübt und gestärkt werden kann.
Im Weiteren diskutiert die Autorin praxisbezogen, was Lernen und Bildung für eine „kooperative, solidarische und nachhaltige Welt“ leisten können. Von ihr konstruierte Lernfelder sollen dieser Zielsetzung dienen. Es handelt sich um fünf Themenbereiche, die soziales, kulturelles, ökologisches, politisches und wirtschaftliches Lernen umfassen.
Als Ergebnis der Studie präsentiert Ulli Fejer ein Konzept ihrer „Praxis der Verbundenheit“. Letzteres versteht die Autorin als Leitlinie für Lern- und Bildungsprozesse, um Verbundenheit zu lernen, zu üben und weiterzuentwickeln. Konkret stellt die Autorin drei schon bewährte Initiativen vor: „Erneuerbare Energiegemeinschaften“, „Frauennetzwerke in der Steiermark“, „Gemeinschaftsgärten in Graz“. Alle drei sind dem Ziel verpflichtet, „gelingende Zukunft“ mitzugestalten. Körper, Geist und Seele als Einheit zu sehen und zugleich kollektiv mit der Natur in Kooperation zu leben, liegt einer „Praxis der Verbundenheit“ als Menschenbild zugrunde.
Ulli Fejer bietet mit ihrem Buch Orientierung, wie und in welche Richtung Lern- und Bildungsprozesse für eine gelingende Zukunft gestaltet werden können. Sie schließt ihr Buch hoffnungsvoll erstaunt darüber, wie viel an innovativer Praxis und Entwicklung sie bei ihrer Recherche schon in aktiver Bewegung entdeckt und kennengelernt hat – wenn auch außerhalb etablierter Bildungsinstitutionen! Aber gerade das ist, wie schon in der Geschichte der Erwachsenenbildung öfters der Fall, eine Herausforderung für die Erwachsenenbildung: neuen Ideen und attraktiven Entwicklungen, die das Zusammenleben aller Lebewesen positiv fördern, Raum zu geben.
Das Buch eignet sich für die Professionalisierung sowie besonders für die Programmbereiche Gesellschaft, Politik und Kultur. Sicherlich ist es auch für alle an einer lebenswerten Zukunft Interessierten mit Gewinn zu lesen. //












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