Die Österreichischen Volkshochschulen können auf ein durchwegs erfolgreiches Arbeitsjahr 2023/24 zurückblicken. Die Anzahl der durchgeführten Kurse stieg im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 Prozent auf 47.934, die Kursteilnahmen gar um 8,1 Prozent auf 472.380. Zählt man die 6.359 Einzelveranstaltungen mit 186.730 Besuchen hinzu, ergibt das insgesamt 54.293 Bildungsveranstaltungen mit 659.313 Teilnahmen, was einen Zuwachs von 2,8 beziehungsweise 7,4 Prozent bedeutet.
Kursdauer
Über den Umfang der Kurstätigkeit gibt die Zahl der Unterrichtseinheiten (UE) Auskunft. So verzeichnet die Statistik 796.805 Unterrichtseinheiten, was eine durchschnittliche Kursdauer von 16,6 Unterrichtseinheiten ergibt. Hier zeigt sich im zeitlichen Vergleich eine merkbare Tendenz zu kürzeren Kursformaten, lag doch die durchschnittliche Kursdauer in den Erhebungszeiträumen vor Corona bei etwa 20 Unterrichtseinheiten. Grundsätzlich einschränkend im Hinblick auf die Aussagekraft dieser Durchschnittangaben muss aber darauf hingewiesen werden, dass sich die „typische“ Kursdauer in den einzelnen Fachbereichen deutlich unterscheiden: Die durchschnittliche Kursdauer im Fachbereich „Zweiter Bildungsweg“ beträgt fast 55 Unterrichtseinheiten, während im teilnahmestärksten Fachbereich Gesundheit und Bewegung dieser Wert bei etwa zehn Unterrichtseinheiten liegt. Insgesamt scheint aber ein Überblick über die Fachbereichsdaten den Befund einer Tendenz zu kürzeren Kursen zu untermauern. Beispielhaft sind im Folgenden die Veränderungen der durchschnittlichen Kursdauer in drei Fachbereiche herausgegriffen: „Gesundheit und Bewegung“: minus 3 UE (aktuell: 10,1 UE), „Politik, Gesellschaft und Kultur“: minus 3,3 UE (aktuell: 8,9 UE), „Sprachen“: minus 7,9 UE (aktuell: 22,2 UE).
Fachbereiche
Bereits zum zweiten Mal wurden bei der Veranstaltungsstatistik neun Fachbereiche unterschieden, statt davor sieben. Es werden „Basisbildung“ und „Zweiter Bildungsweg“ beziehungsweise „Berufliche und berufsorientierte Bildung“ und „IT“ als eigene Fachbereiche getrennt erhoben.
Gemessen an 17.245 Kursen und annähernd 200.000 Teilnahmen ist der Fachbereich Gesundheit und Bewegung der größte Fachbereich gefolgt vom Fachbereich „Sprachen“ mit 12.610 Kursen/108.900 Teilnahmen und „Kreativität und Gestalten“ mit 7.660 Kursen/59.700 Teilnahmen. Gemessen an den Unterrichtseinheiten ist der Fachbereich „Sprachen“ mit einem Anteil von 35,1 Prozent nach wie vor der größte Fachbereich gefolgt von „Gesundheit und Bewegung“ (22 Prozent) und „Basisbildung“ mit einem Anteil von 18,7 Prozent.1
Altersgruppen
Im Folgenden will ich den Versuch einer kurzen Annäherung an die Altersgruppenentwicklung der KursteilnehmerInnen an österreichischen Volkshochschulen durch einen Fünfjahresvergleich unternehmen. Nachdem die Teilnahmen nicht vollständig aufgeschlüsselt werden, werden im Folgenden die Angaben aus der Statistik hochgerechnet (Aufschlüsselungsgrad 2018/9: 82 Prozent, 2023/24: 88 Prozent). Ein Bezug zur demografischen Entwicklung wird dabei an dieser Stelle ausgelassen, der insbesondere für die Altersgruppen ab 50 Jahre spannend wäre, passieren hier derzeit die größten demografischen Verschiebungen (Babyboomer-Effekt).
Die in der aktuellen Teilnahmen-Statistik stärkste Altersgruppe mit einem Anteil von 17,3 Prozent sind die 30 bis 39-jährigen, gefolgt von der Altersgruppe 60 bis 69 Jahre mit 16,4 Prozent. Fünf Jahre davor war mit einem Anteil von 16,9 Prozent an erster Stelle – und damit noch die zahlenmäßig größte an Volkshochschulen vertretene Altersgruppe – die heute drittstärkste Altersgruppe der 50 bis 59-Jährigen. Diese Verschiebung ist zum Teil der bereits angesprochenen erwarteten demografischen Entwicklung geschuldet – aber vermutlich nur zum Teil. Diese anteilsmäßigen Verschiebungen spiegeln nur einen Teil einer Entwicklung wider, die sich gemessen an den absoluten Zahlen, durch die insgesamt noch nicht erreichten Vor-Corona-Teilnahmezahlen noch einmal anders darstellt. Den größten absoluten Teilnahmenverlust in diesem Fünfjahresvergleich verzeichnet die Gruppe der 20 bis 29-jährigen mit minus 24 Prozent gefolgt von den 50 bis 59-jährigen (minus 14,7 Prozent) und den 40 bis 49-jährigen (minus 10,6 Prozent). Demgegenüber kann eine positive Entwicklung hervorgehoben werden: bei den 60 bis 69-jährigen ist ein Teilnahmen-Zuwachs von 12,3 Prozent zu bemerken und ein leichter Zuwachs bei 70+.
Diese erste, mit etwas Vorsicht zu betrachtende dynamische Entwicklung ist Anlass die Altersgruppenentwicklung in Zukunft weiter zu beobachten. Insbesondere die hier hervorgehobenen Kohorten stellen für die Volkshochschulen Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten parat: Die 20 bis 29-jährigen sind eine Generation, die bereits mit ständig verfügbarem Internet aufgewachsen ist und es stellt sich die Frage, wie sie in Zukunft als Volkshochschulteilnehmer*innen gewonnen werden können. Die Altersgruppe 60 bis 69 Jahre hat bereits die Bildungsexpansion der 1970er Jahre erlebt, ist zunehmend höher gebildet und damit auch im Alter bildungsaffiner als vorangegangene Generationen. Im Vergleich mit der Altersgruppenzusammensetzung der Volkshochschulteilnehmer*innen vor 25 Jahren zielt die Volkshochschularbeit heute auf ein viel breiteres Zielgruppenspektrum ab, das alle Altersgruppen umfasst. Ob das auch in Zukunft so sein wird, wird sich zeigen. //














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