Der Vorstand des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen hat für 2024 einstimmig den Jahresschwerpunkt „Demokratie“ beschlossen. Aber was kann Bildung im Allgemeinen und die Volkshochschulen im Besonderen beitragen, um den demokratischen Faktor in unserer Gesellschaft zu stärken? Welche Ansätze sollten Volkshochschulen hier aufgrund ihres Bildungsauftrags und ihres Bildungsverständnisses verfolgen? Und was bedeutet dieses Verständnis im Verhältnis zur Demokratie!?
Bildung ist ein
demokratisches Recht
Volkshochschulen stehen zunächst natürlich dafür, „inklusive, gerechte und hochwertige Bildung zu sichern und die Möglichkeit für lebenslanges Lernen für alle zu fördern“ – also das Nachhaltigkeitsziel 4 (von 17) der Vereinten Nationen umzusetzen. Sie stehen in diesem Zusammenhang für einen Bildungsbegriff, der Bildung zuallererst als individuelles demokratisches Recht, aber auch als öffentliches Gut, als Verantwortung der Allgemeinheit begreift. Dieses Recht wird – weltweit, aber auch bei uns – verletzt bzw. zumindest in Frage gestellt: Von der Zerstörung von Bildungseinrichtungen in bewaffneten Konflikten bis hin zur bekannten Vererbung von Bildungsabschlüssen (also der Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Bildungshintergrund, vom Einkommen und den Unterstützungsleistungen der Eltern) oder der Verengung des Bildungsbegriffs auf die bloße Qualifizierung für die unmittelbaren Anforderungen des Arbeitsmarkts.
Volkshochschulen stehen demgegenüber für einen Bildungsbegriff, der breit und offen ist, also eben Bereiche wie Bewegung, Kunst und Kreativität etc. miteinschließt. Einer meiner persönlichen „VHS-Helden“ des Jahres 2023 ist ein gewisser Karl Daniel, der an der Volkshochschule Oberösterreich mit 80 Jahren erfolgreich Schwimmen gelernt hat und seine Schwimmprüfung abgelegt hat. Für Karl Daniel und 700.000 andere Teilnehmende pro Jahr macht die Existenz von Volkshochschule einen Unterschied im Hinblick auf ihre persönliche Lebensqualität, ihre soziale Teilhabe und ihr persönliches Wohlbefinden aus.
Wenn wir noch etwas genauer auf bzw. in das Kursgeschehen von Volkshochschulen blicken, geschieht dort aber noch sehr viel mehr für die Demokratie in Österreich.
Klar sichtbar sind etwa Projekte und Initiativen, welche die Volkshochschulen aus freien Stücken umsetzen, um Teilnehmenden den Zugang zu politischen oder historischen Themen zu ermöglichen. Österreichweit gehören dazu etwa der Demokratie-Mooc (in Kooperation mit dem Demokratiezentrum) oder die Ausstellung „Das kurze Leben der Ruth Maier. Wien – Oslo – Auschwitz“ (in Kooperation mit dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes).
Im Kursalltag geschieht darüber hinaus etwas, was mindestens genauso wichtig ist. Wir greifen auf, integrieren und diskutieren dort nach Möglichkeit, was unsere Teilnehmenden bewegt. Das können Themen wie Wohnen, Teuerung, aber auch „große“ politische oder philosophische Fragen sein. Genau so kann Bildung für die Demokratie funktionieren.
Mutig, selbstbewusst
und vernetzt
Volkshochschulen haben gleichzeitig klare Haltungen und geben damit auch klare Statements ab. Keine Esoterik in unseren Angeboten ist ein solches Statement. Ebenso ist im VHS-Programm kein Platz für antidemokratische, rassistische, antisemitische, frauenfeindliche und andere Menschengruppen diskriminierende Inhalte. Gleichzeitig sind Volkshochschulen immer Orte der offenen Debatte und Auseinandersetzung gewesen, Orte, die gerade in einer polarisierten Situation brisante Themen aufgreifen und vieles von Teilnehmendenseite zulassen sollen. Aus meiner Sicht ist das kein Widerspruch, aber durchaus ein Spannungsfeld,
Um dieses „Zulassen“ demokratiepolitisch erfolgreich tun zu können ist es wichtig, dass wir uns – und damit meine ich alle Mitarbeitenden – selbst in die Lage versetzen, unsere Leitbilder im Alltag zu vertreten und notfalls auch zu verteidigen. Dazu ist gleichzeitig auch vernetztes Agieren notwendig. Volkshochschulen arbeiten immer eingebettet in die lokalen Gegebenheiten, aber vor allem auch mit Partner*innen die bildungs- und gesellschaftspolitisch eine ähnliche Stoßrichtung verfolgen wie wir. Als ein Beispiel können hier die Arbeiterkammern hervorgehoben werden, aber auch andere gemeinnützige Erwachsenenbildungseinrichtungen bzw. deren Träger sowie viele Organisationen der sogenannten „Zivilgesellschaft“.
Konkret haben sich 2024 die österreichischen Volkshochschulen viel vorgenommen. Einen kleinen Überblick finden Sie hier
https://www.vhs.or.at/sites/default/files/themen/VOEV_Demokratie_Brochure_A5_10.pdf
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Für unser gesamtes Leistungsspektrum gilt der Grundsatz, dass Volkshochschulen Orte sind, an denen die Nutzung demokratischer Rechte gelernt, geübt und praktiziert werden soll. Wir laden Sie in diesem Sinne herzlich zur Beteiligung und Unterstützung unserer Arbeit ein!












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