Vertrauen ist in Zeiten tiefgreifender Umbrüche keine Selbstverständlichkeit. Gerade deshalb ist ein aktuelles Signal aus der österreichischen Bildungslandschaft von besonderem Gewicht: Die Volkshochschulen zählen zu den Institutionen mit den höchsten Vertrauenswerten im Land. Dieses Vertrauen fällt nicht vom Himmel. Es ist das Ergebnis von 130 Jahren Bildungsarbeit, die konsequent an der Lebensrealität der Menschen ansetzt – auf der Seite der Teilnehmenden, ihrer Interessen und Motive. Volkshochschulen stehen für eine Bildung, die Orientierung bietet, Menschen ernst nimmt und zur eigenständigen Urteilsbildung befähigt.
Mit dem Jahresschwerpunkt „VHS macht Zukunft – Bereit für den Wandel“ positionieren sich die Volkshochschulen dort, wo die zentralen Fragen unserer Zeit verhandelt werden. Demografischer Wandel, ökologische Herausforderungen, digitale Transformation und soziale Ungleichheiten prägen das gesellschaftliche Klima ebenso wie eine zunehmend angespannte internationale Lage. Gerade in diesem Kontext wächst die Bedeutung von Bildungsräumen, die Orientierung ermöglichen.
Der österreichweite VHS Aktionstag am 30. März hat diesen Anspruch sichtbar gemacht. In allen Bundesländern wurde Bildung als öffentliche, gemeinschaftliche Aufgabe präsentiert. Volkshochschulen haben damit einmal mehr unter Beweis gestellt, dass sie Orte sind, an denen Zukunft nicht nur diskutiert, sondern gemeinsam gelernt und gestaltet wird.
Dass lebensbegleitendes Lernen dafür eine zentrale Voraussetzung ist, steht auch im Mittelpunkt der Jahrestagung der Konferenz Erwachsenenbildung Österreich (KEBÖ) am 22. September in Graz. Unter dem Motto „Zukunft Lernen. Was braucht lebensbegleitendes Lernen heute?“ wird diskutiert, wie Erwachsenenbildung Menschen nicht nur in Zeiten des Wandels, sondern auch angesichts multipler Krisen stärkt. Die Eröffnung durch Bundesministerin Eva Maria Holzleitner unterstreicht die politische und gesellschaftliche Relevanz dieser Frage.
Gerade vor dem Hintergrund globaler Konflikte gewinnt politische bzw. demokratische Erwachsenenbildung zusätzlich an Bedeutung. Sie ist kein Instrument militärischer Interessenpolitik, sondern dem demokratischen Auftrag verpflichtet. Volkshochschulen – ebenso wie viele andere gemeinnützige Einrichtungen der Erwachsenenbildung – stehen für unabhängige, plurale und kontroverse Bildungsarbeit. Sie schaffen Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven auf Sicherheit, Frieden, Neutralität und internationale Verantwortung verhandelt werden können – ohne Überwältigung, ohne Vereinfachung, ohne Vereinnahmung.
Lebensbegleitendes Lernen bedeutet in diesem Sinne deutlich mehr als Qualifizierung, mehr als bloßes Up- oder Reskilling. Es bedeutet, Menschen zu befähigen, mit Wandel und Unsicherheit umzugehen, Informationen kritisch zu prüfen, Manipulation zu erkennen und Konflikte dialogisch zu bearbeiten. Erwachsenenbildung stärkt damit nicht nur individuelles Wissen, sondern leistet einen zentralen Beitrag zur demokratischen Resilienz unserer Gesellschaft.
Vor diesem Hintergrund braucht es eine neue Strategie für lebensbegleitendes Lernen, die Bildung als öffentliches Gut versteht und die Umsetzung des Rechts auf Bildung als Grundlage sozialer Teilhabe begreift. Breite Kompetenzentwicklung ist dabei auch ein Schlüssel für die erfolgreiche Transformation unserer Gesellschaft. Die Gestaltung sozialer, ökonomischer, digitaler und ökologischer Veränderungen erfordert die gezielte Stärkung von Basis- und transversalen Kompetenzen. Um Menschen für (Weiter )Bildung zu begeistern, müssen ihre Interessen und Lebensrealitäten konsequent im Mittelpunkt stehen.
Nicht zuletzt gilt für eine solche Strategie: Eine starke Demokratie braucht eine starke, gemeinnützige Erwachsenenbildung. Ein leistungsfähiges Erwachsenenbildungsnetz stärkt kritisches Denken, Medienkompetenz und demokratische Teilhabe. Es ist damit ein unverzichtbarer, auf allen Ebenen anzuerkennender Bestandteil des österreichischen Bildungssystems.
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PS: Da der VÖV im ORF-Publikumsrat vertreten ist, noch ein paar Worte zur aktuellen Reformdebatte. Wer hier ausschließlich über Gremien, Posten und Strukturen spricht, übersieht den eigentlichen Kern: Ohne eine starke demokratische Öffentlichkeit bleibt jede Reform wirkungslos. Vertrauen in öffentlich-rechtliche Medien entsteht nicht durch Organisationspläne, sondern durch ein Publikum, das informiert, kritisch und beteiligungsfähig ist. Genau hier kommt Bildung ins Spiel – insbesondere die gemeinnützige Erwachsenenbildung, die täglich demokratische Kompetenzen stärkt und auch jene erreicht, die sonst kaum Gehör finden. Eine zukunftsfähige ORF-Reform muss diese Bildungsräume als Partner begreifen. Für die Volkshochschulen ist und bleibt ein starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk jedenfalls sehr, sehr wichtig. Daher bieten wir – gerade auch als Einrichtung mit höchsten Vertrauenswerten – hier gerne unsere Partnerschaft an.











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