Ziel des Projekts
Das Projekt „Mein digitaler Alltag – Digitale Basisbildung von Peer to Peer“, finanziert vom OeAD im Rahmen von „Digital Überall Plus“, verfolgt das Ziel, Menschen einen niederschwelligen Zugang zu digitalen Alltagskompetenzen zu eröffnen. Im Mittelpunkt steht die Idee, dass nicht ausschließlich ausgebildete Fachkräfte, sondern sogenannte Peers – Menschen mit ähnlichen Lebensrealitäten – ihr Wissen und ihre Erfahrungen weitergeben. Auf diese Weise entsteht ein Lernumfeld auf Augenhöhe, das Vertrauen schafft, Hemmschwellen abbaut und besonders jene Gruppen erreicht, die von Digitalisierung bislang kaum profitieren. Für viele bedeutet digitale Teilhabe nicht nur, moderne Geräte bedienen zu können, sondern einen Gewinn an Selbstbestimmung, Handlungsfähigkeit und gesellschaftlicher Partizipation.
Das Projekt „Mein digitaler Alltag – Digitale Basisbildung von Peer to Peer“
Inhalte und Aufbau
Die Schulungen orientieren sich an den alltäglichen Lebenssituationen der Teilnehmenden. Sie beginnen bei der sicheren Nutzung von Geräten wie Smartphone, Tablet oder Laptop und reichen über digitale Kommunikation per E-Mail oder Messenger bis hin zu Online-Terminbuchungen bei Arzt oder Behörde. Auch Bankgeschäfte im Netz, das Verstehen und Anwenden von Lernplattformen oder die Verwendung von Apps für den öffentlichen Verkehr sind Themen. Hinzu kommen Einheiten über Datenschutz, Sicherheit im Internet und die selbstbewusste Einschätzung digitaler Risiken.
Parallel dazu erfolgt die Ausbildung zur Mentorin/zum Mentor. Die Teilnehmenden lernen, wie Lernprozesse begleitet werden können, welche Methoden sich für heterogene Gruppen eignen, wie man Konflikte moderiert und wie digitale Werkzeuge sinnvoll eingesetzt werden. Damit können sie Trainings selbstständig planen und durchführen.
Zielgruppen
Das Projekt richtet sich an Menschen, die Gefahr laufen, durch die digitale Entwicklung abgehängt zu werden. Dazu gehören in diesem Projekt vor allem Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund, die sprachliche und kulturelle Barrieren überwinden müssen, und hier besonders Frauen, die durch familiäre Verpflichtungen weniger Zugang zu Weiterbildung haben. Für viele dieser Teilnehmenden sind es die kleinen Lernerfolge, die eine enorme Bedeutung haben – das erste selbst geschriebene E-Mail, das selbstständige Buchen eines Zugtickets oder das Einloggen ins Online-Banking. Dadurch gewinnen sie ein Stück Selbstständigkeit.
Natürlich ist der Weg nicht frei von Hindernissen. Manche Teilnehmende haben kein eigenes Gerät oder nur sehr alte Smartphones, weshalb Leihgeräte zur Verfügung gestellt werden. Sprachbarrieren erfordern eine besondere Sensibilität im Umgang mit Materialien und Erklärungen. Viele bringen auch Selbstzweifel mit und halten sich selbst für ungeeignet, digitale Technologien zu erlernen.
Erfolge und Ausblick
Besonders erfolgreich waren die Einheiten, die einen unmittelbaren Bezug zum Alltag der Teilnehmenden herstellten. Wer gemeinsam mit Unterstützung ein Ticket buchte oder mithilfe einer App den Weg zu einem Arzttermin fand, erlebte unmittelbar, wie digitale Anwendungen das Leben erleichtern. Diese konkreten Erfahrungen stärkten das Selbstbewusstsein und förderten die Bereitschaft, Neues auszuprobieren.
Auch die Mentorinnen und Mentoren gewannen durch ihre Rolle: Sie entwickelten digitale und didaktische Kompetenzen, erwarben Erfahrung in Gruppenleitung und Kommunikation und erlebten Wertschätzung für ihr Engagement.
Für die Zukunft ist geplant, das Projekt auf weitere Gemeinden auszuweiten und digitale Tandems zu etablieren. Dabei begleitet eine Mentorin oder ein Mentor dauerhaft eine kleine Gruppe, wodurch eine stärkere Bindung entsteht und die Nachhaltigkeit gesichert wird. Langfristig soll ein stabiles Netzwerk von Peer-Trainerinnen aufgebaut werden, das auch über die Projektlaufzeit hinaus besteht und so einen Beitrag zur Verringerung der digitalen Kluft leistet.
Warum dieses Projekt für die Volkshochschule Salzburg so wichtig ist
Manchmal sind es die kleinen Schritte, die große Veränderungen anstoßen. „Mein digitaler Alltag“ ist ein solches Projekt. Es wurde nicht zufällig aus über hundert Projekten ausgewählt, sondern weil es beispielhaft zeigt, was Volkshochschulen leisten können, wenn es um gesellschaftliche Verantwortung geht.
Digitale Bildung ist keine Zusatzqualifikation mehr, sondern Grundvoraussetzung für Teilhabe. Wer heute nicht in der Lage ist, ein E-Mail zu schreiben, einen Termin online zu buchen oder eine App für den öffentlichen Verkehr zu nutzen, läuft Gefahr, vom täglichen Leben ausgeschlossen zu werden. Volkshochschulen sind genau dort stark, wo andere Bildungseinrichtungen oft nicht hinkommen. Sie arbeiten niederschwellig, sie sind nah an den Menschen und sie sind mitten in den Gemeinden präsent.
Das Peer-to-Peer-Modell zeigt, dass es nicht immer Expertinnen und Experten braucht, um Lernprozesse in Gang zu setzen. Oft reicht jemand, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat und bereit ist, sein Wissen weiterzugeben. Dadurch entsteht Vertrauen, Hemmschwellen sinken, und Lernen wird zu einem gemeinsamen Erlebnis.
Volkshochschulen verstehen Bildung seit jeher nicht als Privileg einer bestimmten Schicht, sondern als Recht für alle. Genau hier fügt sich „Mein digitaler Alltag“ nahtlos ein. Es ist nicht nur ein weiteres Bildungsangebot, sondern ein klares Signal: Niemand soll zurückgelassen werden.
Dass dieses Projekt aus über hundert Einreichungen ausgewählt wurde, ist eine Auszeichnung und zugleich ein Auftrag. Es zeigt, dass die hier gewonnenen Erfahrungen Modellcharakter haben – für andere Regionen, für andere Länder, für eine Gesellschaft, die digitale Teilhabe ernst nimmt.
Digitalisierung ist nicht allein eine technische Frage, sondern eine Frage der Gerechtigkeit. Wer Zugang hat, kann mitreden. Wer draußen bleibt, wird stumm. Projekte wie dieses öffnen Türen. Und Volkshochschulen sorgen dafür, dass niemand davorstehen muss.
Was Volkshochschulen weiter tun können
Die Erfahrungen aus „Mein digitaler Alltag“ zeigen eindrucksvoll, dass Volkshochschulen die richtigen Orte sind, um Menschen beim Erwerb digitaler Kompetenzen zu begleiten. Doch das Projekt ist erst ein Anfang. In Zukunft können Volkshochschulen ihre Rolle als Bildungsnahversorgerinnen weiter stärken, indem sie digitale Lernräume in Gemeinden ausbauen, noch enger mit lokalen Vereinen und Initiativen kooperieren und gezielt Tandemmodelle zwischen Jung und Alt fördern.
Besonders wichtig wird es sein, digitale Bildung noch stärker mit anderen Lebensbereichen zu verbinden – vom Gesundheitswesen über Arbeitsmarkt und Behördenkontakte bis hin zu Freizeit und Kultur. Volkshochschulen können hier Brücken bauen, indem sie praxisnahe Kurse anbieten, die konkrete Alltagssituationen aufgreifen, und gleichzeitig Anlaufstellen für individuelle Beratung bleiben. //











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