Die ORF-Reform aus Sicht der österreichischen Erwachsenenbildung: Demokratische Öffentlichkeit, Bildung und gesellschaftlicher Zusammenhalt im digitalen Zeitalter

Einleitung

Die ORF-Reform sollte nicht nur als Medienreform, sondern als Beitrag zur Stärkung der demokratischen Öffentlichkeit verstanden werden. Die zentrale Frage lautet: Welchen Beitrag soll der ORF künftig für Demokratie, Bildung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und gesellschaftliche Teilhabe leisten?

Die gemeinnützige Erwachsenenbildung in Österreich2 – von Volkshochschulen über Bildungswerke und Büchereien bis zu beruflichen Weiterbildungseinrichtungen – versteht Medien seit jeher als zentrale Partner*innen demokratischer Bildungsarbeit. Dies zeigt sich nicht zuletzt in den seit Jahrzehnten vergebenen Medienpreisen der Erwachsenenbildung. Ausgezeichnet werden Produktionen, die Kultur vermitteln, demokratische und politische Bildung fördern, Wissenschaft verständlich machen, Zukunftsfragen aufgreifen sowie Menschenrechte, Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Diese Schwerpunkte markieren zugleich jene Bereiche, in denen öffentlich-rechtliche Medien einen besonderen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen können. Der ORF ist daher nicht nur Medienanbieter. Er ist Teil jener demokratischen Infrastruktur, die Orientierung bietet, gesellschaftliche Verständigung ermöglicht und die Voraussetzungen für eine aktive Bürgerschaft stärkt. Ebenso wie die Erwachsenenbildung und ihre Einrichtungen verfolgt er einen gemeinwohlorientierten Auftrag.

Digitalisierung, die Bekämpfung von Desinformation, wachsende soziale Ungleichheit und politische Polarisierung erfordern mehr als Qualitätsjournalismus: Medienkompetenz, politische Bildung und Dialog ­werden zur demokratischen Notwendigkeit. Genau hier liegt die Schnittstelle zwischen ORF und Erwachsenenbildung – als Partner für eine starke Öffentlichkeit, die Orientierung schafft, der Desinformation begegnet und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert.

Vertrauen entsteht durch Programmqualität

Für die Glaubwürdigkeit des ORF sind nicht allein Gremienbeschlüsse entscheidend, sondern vor allem die Inhalte des täglichen Programms.

Zentrale Fragen sind:

  • Welche Themen werden behandelt?
  • Welche Expertinnen und Experten kommen zu Wort?
  • Welche gesellschaftlichen Gruppen werden sichtbar bzw. bleiben unsichtbar?
  • Welche Meinungen und Werthaltungen finden Gehör?
  • Wie transparent werden journalistische Entscheidungen gemacht?

Vertrauen entsteht dort, wo Menschen erleben, dass unterschiedliche Perspektiven fair dargestellt werden und sich die gesellschaftliche Vielfalt im Programm widerspiegelt. Dazu gehören Meinungsvielfalt und journalistische Ausgewogenheit.

Aus Sicht der Erwachsenenbildung ist Offenheit für unterschiedliche Sichtweisen jedoch nicht wertneutral. Die Grundlage demokratischer Öffentlichkeit bildet ein gemeinsames Wertefundament, das auf den Menschenrechten, der Demokratie und der Gleichwertigkeit aller Menschen sowie dem respektvollen Austausch unterschiedlicher Meinungen beruht. Der ORF sollte ein Ort sein, an dem gesellschaftliche Vielfalt sichtbar wird, kontroverse Debatten möglich sind und zugleich jene demokratischen und menschenrechtlichen Prinzipien gestärkt werden, die das Zusammenleben in unserer Gesellschaft tragen.

Vielfalt umfassend verstehen

Vielfalt umfasst verschiedene Dimensionen gesellschaftlicher Wirklichkeit. Für eine demokratische Öffentlichkeit ist es daher wichtig, dass Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven im Programm sichtbar werden und sich in den Medien wiederfinden können. Dazu gehört auch die Frage, welche gesellschaftlichen Gruppen in Redaktionen, bei der Auswahl von Themen und in öffentlichen Debatten vertreten sind.

Die Erwachsenenbildung weist seit langem darauf hin, dass Bildungs- und Teilhabechancen eng mit sozialen Rahmenbedingungen zusammenhängen. Deshalb kann es sinnvoll sein, Vielfalt auch unter dem Aspekt unterschiedlicher sozialer Erfahrungen und Lebenslagen zu betrachten. Darüber hinaus versteht die Erwachsenenbildung Vielfalt nicht nur als soziale, sondern auch als kulturelle, sprachliche und ethische Dimension gesellschaftlicher Wirklichkeit. Dies zeigt sich beispielsweise in Angeboten der ethischen Bildung, die Fragen des Zusammenlebens, der Werteorientierung und der gesellschaftlichen Verantwortung aufgreifen. Auch der ORF leistet z. B. durch einschlägige Sendungsformate einen wichtigen Beitrag zur öffentlichen Auseinandersetzung mit Fragen der gesellschaftlichen Orientierung. Die gemeinnützige Erwachsenen- bzw. Volksbildung betreibt zudem eigene Volksgruppen-Volkshochschulen. Sie trägt damit – wie das ORF-Angebot für österreichische Volksgruppen – zur Sichtbarkeit und zum Erhalt sprachlicher und kultureller Vielfalt bei. Österreich ist heute zugleich eine Migrationsgesellschaft. Der ORF sollte diese Realität – analog zur gelebten Praxis der Erwachsenenbildung – als selbstverständlichen Teil der gesellschaftlichen Normalität abbilden. Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk, der die Vielfalt der Bevölkerung in seinen Programmen, Perspektiven und Protagonist*innen widerspiegelt, leistet einen wichtigen Beitrag zu Teilhabe, gegenseitigem Verständnis und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Auch hier zeigen sich Parallelen zum öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF, der kulturelle und sprachliche Vielfalt fördert, Minderheiten eine Stimme gibt und den Austausch zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen unterstützt.

Medienkompetenz als Kernaufgabe

Demokratie braucht nicht nur unabhängige Medien. Sie braucht auch Bürgerinnen und Bürger, die Informationen kritisch einordnen, Quellen bewerten und sich in einer zunehmend digitalen und von Algorithmen geprägten Öffentlichkeit orientieren können. Aktuelle österreichische Studien zeigen, dass das Problembewusstsein für Desinformation zwar hoch ist, viele Menschen jedoch Schwierigkeiten haben, Falschinformationen zuverlässig zu erkennen und die eigenen Fähigkeiten dabei häufig überschätzen (vgl. RTR-Studien 2026 zu Digital Skills bzw. Medienkompetenz-Monitoring 02/26).3 Medienbildungsangebote sind derzeit überwiegend auf den schulischen Bereich ausgerichtet und erreichen erwachsene sowie ältere Zielgruppen daher nur eingeschränkt. Gleichzeitig findet ein großer Teil gesellschaftlicher Meinungsbildung längst außerhalb schulischer Einrichtungen statt. ORF und Erwachsenenbildung können mit ihrer Reichweite, ihrer Verankerung in der Bevölkerung und ihrer hohen Glaubwürdigkeit diese Lücke schließen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Stärkung von Medienkompetenz, demokratischer Teilhabe und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Medienkompetenz umfasst dabei weit mehr als die technische Nutzung digitaler Werkzeuge. Dazu gehören die Fähigkeit zur Quellenkritik, Medien- und Informationskompetenz, das Verständnis journalistischer Arbeitsweisen, der reflektierte Umgang mit Desinformation sowie die kompetente und verantwortungsvolle Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Ein besonderes Anwendungsfeld von Medien- und Informationskompetenz ist die Gesundheitskompetenz. Viele Menschen beziehen gesundheitsbezogene Informationen heute über soziale Medien, Suchmaschinen, Videoplattformen oder KI-Anwendungen. Gleichzeitig verbreiten sich Falschinformationen zu Gesundheitsthemen oft besonders rasch und können unmittelbare Auswirkungen auf persönliche Entscheidungen und die öffentliche Gesundheit haben. Die Fähigkeit, wissenschaftlich fundierte Informationen von irreführenden oder falschen Behauptungen zu unterscheiden, wird damit zu einer zentralen Bildungsaufgabe. Gesundheitskompetenz, Wissenschaftsverständnis und Medienkompetenz sind im digitalen Zeitalter eng miteinander verbunden. Der ORF kann gemeinsam mit Einrichtungen der Erwachsenenbildung durch qualitätsgesicherte Gesundheitsinformation, Faktenchecks und verständliche Wissenschaftskommunikation einen wichtigen Beitrag zu selbstbestimmten und evidenzbasierten Entscheidungen leisten. Auch die Zusammenarbeit von Erwachsenenbildungseinrichtungen mit Faktencheck- und Wissenschaftsinitiativen zeigt bereits, dass dieser Zusammenhang heute ein wichtiges Handlungsfeld des Bildungsbereichs ist.

Gerade in einer Zeit, in der automatisierte Systeme immer stärker in unseren Informations- und Lebensalltag eingreifen, wird es insgesamt wichtiger, digitale Technologien nicht nur anzuwenden, sondern auch ihre gesellschaftlichen Auswirkungen zu verstehen und kritisch zu hinterfragen. Führende Erwachsenenbildungsorganisationen orientieren sich dabei unter anderem am Leitbild des Digitalen Humanismus. Technologie soll den Menschen dienen und nicht umgekehrt. Digitale Entwicklung muss sich an demokratischen Werten, Menschenrechten, sozialer Gerechtigkeit, Transparenz, Teilhabe und menschlicher Autonomie orientieren. Ziel ist eine digitale Gesellschaft, in der technologische Innovation mit Verantwortung, demokratischer Mitgestaltung und sozialer Inklusion verbunden wird.

Der ORF sollte Medienkompetenz daher als strategischen Schwerpunkt seines Bildungsauftrags verstehen. Faktenchecks, Erklärstücke über journalistische Arbeit, Angebote zur Einordnung von KI-Anwendungen sowie „Hinter den Kulissen des ORF“-Formate können dazu beitragen, das Vertrauen in Qualitätsjournalismus zu stärken. Gleichzeitig sollten sie Menschen befähigen, digitale Entwicklungen kritisch zu reflektieren und selbstbestimmt an der demokratischen Öffentlichkeit teilzunehmen. Gerade hier bieten sich enge Kooperationen mit Erwachsenenbildungseinrichtungen, Schulen, Bibliotheken, Wissenschaftseinrichtungen und anderen Bildungspartnern an. Gemeinsam können sie Räume schaffen, in denen nicht nur digitale Kompetenzen vermittelt werden, sondern auch jene humanistischen, demokratischen und ethischen Grundlagen, die für eine zukunftsfähige digitale Gesellschaft unverzichtbar sind.

Der ORF als Wissens- und Bildungsinfrastruktur

Die Erwachsenenbildung sieht den ORF nicht nur als Informationsmedium, sondern als Teil einer öffentlichen Wissens- und Bildungsinfrastruktur. Seine Aufgabe besteht nicht allein darin, aktuelle Ereignisse zu vermitteln, sondern auch Wissen zugänglich zu machen, Orientierung zu bieten und gesellschaftliche Lernprozesse zu unterstützen.

Dazu gehört die Vermittlung von Kultur, Literatur und Kunst ebenso wie politische und historische Bildung, Wissenschaftskommunikation und die verständliche Aufbereitung neuer technologischer Entwicklungen. Genauso wichtig sind die Auseinandersetzung mit Zukunfts- und Nachhaltigkeitsfragen, die Förderung gesellschaftlicher Debatten sowie die Unterstützung eines lebensbegleitenden Lernens für Menschen aller Altersgruppen.

Diese Themenfelder spiegeln zugleich jene Bereiche wider, die die österreichische Erwachsenenbildung seit Jahrzehnten als besonders relevant für eine demokratische und zukunftsfähige Gesellschaft betrachtet. Sie tragen dazu bei, Menschen zu befähigen, gesellschaftliche Entwicklungen zu verstehen, fundierte Entscheidungen zu treffen und aktiv am demokratischen Leben teilzunehmen.

Aktuelle Studien der Statistik Austria/OECD (PIAAC/Grundkompetenzen von Erwachsenen) zeigen, dass rund 1,7 Millionen Erwachsene in Österreich Probleme beim Lesen und Verstehen komplexerer Texte haben.4 Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk, der alle Menschen erreichen will, muss diese Realität berücksichtigen. Verständliche Sprache, Orientierung, Einordnung und niedrigschwellige Bildungsangebote sind deshalb kein Nebenaspekt des öffentlich-rechtlichen Auftrags, sondern eine demokratiepolitische Notwendigkeit. Der ORF kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Wissen auch für jene Menschen zugänglich zu machen, die von klassischen Bildungsangeboten oder komplexen öffentlichen Debatten nur eingeschränkt erreicht werden.

Besonders ausgebaut und sichtbar gemacht werden sollten daher Wissenschaftsvermittlung, Demokratiebildung, Medien- und Digitalbildung, Zukunfts- und Nachhaltigkeitsthemen sowie die Vermittlung von Menschenrechten und demokratischen Grundwerten. Bildung und Wissen dürfen dabei nicht als Rand- oder Nischenangebote verstanden werden. Sie gehören zum Kern des gesellschaftlichen Auftrags des ORF und sind eine wesentliche Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt, demokratische Resilienz und die ­Fähigkeit, die großen Transformationsprozesse unserer Zeit aktiv mitzugestalten. Diese Einschätzung wird auch durch die Erwartungen der Bevölkerung gestützt. Laut einer Publikumsratsstudie (SORA/ORF: 2022) zählen Bildungsangebote für alle Altersgruppen zu den wichtigsten öffentlichen Aufgaben des ORF.5 Ebenso werden Gesundheitsbildung, Nachhaltigkeit sowie schulische und außerschulische Bildungsangebote von einer großen Mehrheit der Bevölkerung als besonders wichtig eingestuft. Bildung erscheint damit nicht als Spezialinteresse einzelner Institutionen, sondern als breit geteilte gesellschaftliche Erwartung an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

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Gerade in einer von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und schnellen gesellschaftlichen Veränderungen geprägten Welt kann der ORF gemeinsam mit Erwachsenenbildung, Wissenschaft, Kultur- und Bildungseinrichtungen einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Orientierung zu schaffen, Neugier auf Wissen zu fördern und lebensbegleitendes Lernen als selbstverständlichen Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft zu verankern.

Mehr Beteiligung, Dialog und digitale Öffentlichkeit

Öffentlich-rechtliche Medien sollten nicht nur informieren, sondern auch den gesellschaftlichen Dialog fördern. Ihre Aufgabe besteht darin, analoge und digitale Räume für Austausch, Verständigung und demokratische Beteiligung zu schaffen. Demokratische Öffentlichkeit entsteht dort, wo Menschen nicht nur Konsument*innen von Information bleiben, sondern aktiv am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen können.

Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung braucht es Orte, an denen unterschiedliche Perspektiven respektvoll aufeinandertreffen und gemeinsame Orientierung entstehen kann. Hier bestehen große Potenziale für Kooperationen, beispielsweise durch regionale Dialogformate, Medienwerkstätten oder digitale Beteiligungsangebote. Der ORF bringt seine journalistische Kompetenz ein, die Erwachsenenbildung ihre Expertise in Bildungs-, Lern- und Dialogprozessen, während die Teilnehmenden ihre Erfahrungen, Fragen und Perspektiven beisteuern. So wird demokratische Öffentlichkeit nicht nur vermittelt, sondern gemeinsam gestaltet.

Digitale Öffentlichkeit bedeutet aus Sicht der Erwachsenenbildung mehr als den Zugang zu Informationen. Sie soll Menschen befähigen, digitale Entwicklungen kritisch zu hinterfragen, neue Technologien wie Künstliche Intelligenz kompetent zu nutzen und die digitale Transformation aktiv mitzugestalten. ORF und Erwachsenenbildung können dafür gemeinsam Bildungs- und Beteiligungsformate entwickeln, die journalistische Qualitätsstandards mit kritischer Reflexion, Medienkompetenz und demokratischer Teilhabe verbinden.

Unabhängigkeit braucht stabile Finanzierung

Eine Reduktion des ORF auf einen bloßen „Grundfunk“ ist in diesem Zusammenhang klar abzulehnen. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk umfasst Information ebenso wie Kultur, Wissenschaft, Bildung, Sport und qualitätsvolle Unterhaltung. Gerade die österreichische Film-, Kultur- und Kreativwirtschaft ist in hohem Maß auf einen starken ORF angewiesen. Ebenso zählt die regionale Verankerung zu seinen größten Stärken.

Bei allen notwendigen Gremien- und Strukturreformen bleibt daher entscheidend, dass Unabhängigkeit, Repräsentativität, gesellschaftliche Vielfalt und Arbeitsfähigkeit gleichermaßen gewährleistet werden. Aus demokratiepolitischer Sicht sollte geprüft werden, wie die institutionelle und finanzielle Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nachhaltig abgesichert werden kann. Dazu gehört insbesondere eine stabile, vor kurzfristigen politischen Eingriffen geschützte Finanzierungsgrundlage. Da der ORF Teil der demokratischen Infrastruktur Österreichs ist, stellt sich darüber hinaus die Frage, ob die unabhängige Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht – ähnlich wie andere tragende demokratische Institutionen und ­Infrastrukturen – verfassungsrechtlich abgesichert werden sollte. Ebenso wichtig sind ausreichende Mittel für Qualitätsjournalismus, Bildung, Kultur, Digitalisierung und regionale Angebote.

Schlussfolgerungen und drei konkrete Vorschläge:

Die Weiterentwicklung des ORF ist mehr als eine Medienreform. Sie ist ein Beitrag zur Stärkung demokratischer Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter. Drei gemeinsame Pilotprojekte von ORF und Erwachsenenbildung bieten sich in diesem Kontext beispielhaft an:

  1. Ein gemeinsames ORF-Erwachsenenbildungsprogramm „Falschinformation, KI und Medienkompetenz“ in allen Bundesländern.
  2. Ein jährlicher „ORF-Demokratie-Dialog“ in allen Landesstudios in Kooperation mit der KEBÖ (Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs).
  3. Die kooperative (Weiter)Entwicklung eines frei zugänglichen digitalen Lernangebots auf Basis bestehender ORF-Bildungsplattformen für Medien-, Demokratie- und KI-Kompetenz im Erwachsenenalter.

Der ORF ist mehr als ein Medienunternehmen. Er ist – ebenso wie die gemeinnützige Erwachsenenbildung – Teil der demokratischen Infrastruktur Österreichs. Seine Reform sollte daher darauf ausgerichtet sein, Menschen zu informieren, zum kritischen Denken zu befähigen und die Voraussetzungen für eine lebendige, pluralistische und solidarische Gesellschaft zu stärken. //

1   Beitrag an den Publikumsbeirat des ORF zur Kandidatur für den Stiftungsrat.

2   Gemeint ist hier konkret die Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ). Ihr gehören die Volkshochschulen (VÖV), das Berufsförderungsinstitut (BFI), das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI), der Büchereiverband Österreichs (BVÖ), das Ländliche Fortbildungsinstitut (LFI), das Forum Katholischer Erwachsenenbildung, der Ring Österreichischer Bildungswerke (RÖBW), die Volkswirtschaftliche Gesellschaft Österreich (VGÖ), der Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung (VÖGB) sowie die Arbeitsgemeinschaft Bildungshäuser Österreich (ARGE BHÖ) an. Zusammen verzeichnen sie 2,5 Millionen Teilnahmen an rund 10.000 Kursorten pro Jahr.

3   Siehe dazu: https://www.rtr.at/medien/aktuelles/publikationen/Publikationen/nin/Not_News_Center_Publikationen_2026/Digital_Skills_Austria_IV.de.html; weiters:
https://www.rtr.at/medien/aktuelles/publikationen/Publikationen/nin/Not_News_Center_Publikationen_2026/Medienkompetenz-Monitoring_Q2_2026.html [19.9.2026].

4   https://www.statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/bildung/piaac-grundkompetenzen-von-erwachsenen

5   SORA/ORF (2022): ORF Publikumsratsstudie. Anforderungen und Erwartungen des Publikums an die Themen Europa, Sicherheit und Wirtschaft in der ORF-Berichterstattung. Präsentation im PKR vom 8. März 2023.

Evers, John (2026): Die ORF-Reform aus Sicht der österreichischen Erwachsenenbildung: Demokratische Öffentlichkeit, Bildung und gesellschaftlicher Zusammenhalt im digitalen Zeitalter. In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. Herbst 2026, Heft 287/77. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

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