Flexible Lösungen für Lernräume statt „Hutablagen“

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Die Volkshochschule Salzburg bezog ihr neues Gebäude in der Strubergasse im Jahr 2012. Wie siehst du das Gebäude heute, zwölf Jahre nach dem Einzug? Entspricht es den Anforderungen einer modernen Erwachsenenbildung?

Man kann definitiv sagen, dass es nach wie vor ein modernes Gebäude ist. Dass Anpassungen nach zehn Jahren erforderlich sind, ist klar und die haben wir auch immer vorgenommen. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden zeigen, dass es immer noch als neues Haus wahrgenommen wird. Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass keine groben Fehler passiert sind.

Welche Überlegungen waren damals leitend für die Ausstattung der VHS und die Gestaltung der Räume?

Wir hatten einen vorgegebenen Rahmen, weil wir in ein Haus gezogen sind, das bereits bestanden hat und wir mit der bestehenden Kubatur auskommen mussten. Es gab die großen Fenster und ein Abschnitt mit einem Fenster ist ungefähr 22 m2 groß. In diesen Einheiten mussten wir denken.

Es waren mehrere Faktoren bestimmend. Zum einen brauchen Volkshochschulen immer Räume, die möglichst multifunktionell genutzt werden können. Der zweite Aspekt war, dass wir ein Ort der Begegnung und ein Ort des Wohlfühlens sind. Uns war es sehr wichtig, dass alles sehr hell und lichtdurchflutet ist, die Kursräume aber auch die Gangflächen. Licht ist ein wichtiger Faktor, der auch für das Lernen relevant ist. Der dritte Punkt war die Akustik. Die Bewegungsräume wurden mit Schwingböden ausgestattet sowie eine spezielle Deckendämmung eingeführt, und wir haben verschiedene Lautstärken ausprobiert. Dabei ging es um die Akustik nach unten und nach oben. Schließlich haben wir die Lautstärke abgeriegelt, sodass ein gutes Hören im jeweiligen Kursraum möglich ist, aber nach oben oder unten kein Lärm dringen kann.

Mit welchen Herausforderungen wart Ihr bei der Planung konfrontiert?

In den Köpfen vieler Menschen ist ein bestimmtes Bild von Schule verankert. Dieses war und ist wohl auch oft heute noch von der Lehrkraft, die vorne steht, bestimmt. Hier gab es viel Diskussionsbedarf mit dem Baumeister und wir haben uns dann intensiv eingearbeitet, was offene Lernräume betrifft. Dabei haben wir auf der Interpädagogika und der Didakta viel gelernt und sind dort mit Raumausstattern in Kontakt gekommen, und so konnten wir Raumkonzepte entwickeln, die durch ein hohes Maß an Flexibilität gekennzeichnet sind. Darüber hinaus haben uns auch mehrere Schulen und Erwachsenenbildungsbauten angesehen. Wichtig war für uns, dass wir damals für die nächste Zukunft bauen, also für die nächsten zehn bis 15 Jahre. Angesichts der vorhandenen Kubatur war es aber auch wichtig, ein Konzept zu entwickeln, das pädagogische Überlegungen mit dem Bestand zusammenbringt.

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Wie wirkt deiner Meinung nach die Raumausstattung auf das Lernen?

Es macht einen Unterschied, ob ich ein Büro oder eine Bildungseinrichtung betrete. Jeder Raum hinterlässt eine besondere Stimmung in uns. Gerade in der Bildung geht es auch darum, dass sich die Teilnehmer*innen aber auch die Kursleitenden und Trainer*innen wohlfühlen. Es gibt Wechselwirkungen zwischen Mensch und Raum, zwischen Raum und Lernen. Dabei spielen Material und Form sowie Farbe und Licht eine Rolle. Der Raum fungiert als sogenannter „dritter Pädagoge.“1 Im Zuge der Auseinandersetzung mit diesem Konzept hat sich ein Bild festgesetzt, dass Raum, Referent*in bzw. Kursleiter*in und Lernende in eine Beziehung zu setzen sind. Bei vielen Bildungsbauten geht es leider oft nur um das Äußere, und zu wenig Budget ist dann für die Einrichtung der Räume vorhanden. Ein Raum zum Lernen hat heute andere Erfordernisse als vor hundert Jahren. Und Lehrende sollen die Möglichkeit haben, rasch und einfach unterschiedliche Settings in den Räumen zu erstellen.

War das einer der Gründe, warum Ihr euch für Einzeltische entschieden habt?

Es war die Überlegung, den Raum schnell gestalten zu können. Wir haben Kurse, wo kein Tisch notwendig ist, wir haben Settings, die einen Tisch zum Beispiel für Prüfungssituationen im Einzelsetting erfordern. Es hat sich herausgestellt, dass stabile Dreieckstische, die stapelbar sind, die bessere Lösung sind. Mit einem Dreieckstisch können viele Formen hergestellt werden.

Quadratische Tische, die uns von Expert*innen empfohlen wurden und die wir auch verwenden, haben den großen Nachteil, dass sie nicht stapelbar sind. Wenn sie nicht benötigt werden, nehmen sie viel Platz in Anspruch.

Die Volkshochschule Salzburg verfügt über ein ausgeklügeltes Schienensystem …

Dieses Schienensystem geht um den ganzen Raum und besteht aus zwei Schienen, sodass auch kleinere Personen oder Personen, die im Rollstuhl sitzen, dieses verwenden können. So kann mit Flipcharts und Whiteboards schnell hantiert werden. Im Endeffekt geht es darum, dass das traditionelle Bild im Kopf, wonach Lehrende immer vorne stehen, überwunden werden kann.

Schließlich sollten wir noch über die Farbgestaltung sprechen.

Hier haben wir sehr viele Überlegungen angestellt und uns auch die Erkenntnisse der Farbpsychologie zunutze gemacht. In einem Bewegungsraum haben wir den Boden in Grün gestaltet und die Wände in Gelb. Wiese und Sonne stehen für diese Farben. Im Kreativbereich haben wir Terracotta am Boden verwendet.

Wir haben ursprünglich das Farbkonzept nicht in die Kursräume weitergezogen, weil wir uns nicht sicher waren, wie die Teilnehmer*innen reagieren werden. Sehr bald haben wir von den Teilnehmenden gehört, ihr seid noch nicht fertig, denn ihr habt die Farben ja nicht in die Kursräume weitergezogen. Das haben wir dann in den Osterferien nachgeholt und das Farbkonzept in die Kursräume weitergezogen. Das hat mich sehr gefreut.

Barrierefreiheit ist ein wichtiges Thema für die Volkshochschule.

Das ist ein mittlerweile selbstverständlicher Standard. Zum Beispiel haben wir in der Lehrküche herabgesetzte Kochstellen, sodass auch Rollstuhlfahrer*innen hier gut lernen können.

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Was wäre aus heutiger Sicht anders zu machen? Die quadratischen Tische haben wir bereits angesprochen.

Quadratische oder rechteckige Tische eignen sich, etwas größer und stabiler, sicherlich gut für ein Atelier, wo nichts herausgeräumt wird. Was mir heute noch leidtut ist, dass die EDV-Anschlüsse nicht flexibel gestaltet wurden. Dieses Pult, in dem sich Computer befinden, ist fix in einer Ecke verbaut, das entspricht nicht mehr den heutigen Erfordernissen. Um ein flexibles Arbeiten mit elektronischen Geräten zu ermöglichen, müssen oft lange Kabel durch den Raum gelegt werden.

Wir haben zum Beispiel auch Garderobenwände mit Haken darauf. Das ist nicht notwendig, denn unser Schienensystem ermöglicht es, dass schnell und flexibel auch Kleiderhaken eingehängt werden können. Wir hatten damals so eine „Hutablagendiskussion“, die zu dieser Lösung geführt hat, obwohl Hüte nicht unbedingt eine Ablage brauchen, sondern auch an Haken gehängt werden können. Raum wird immer kostbarer, jede Fläche sollte daher maximal ausgenützt werden können. Deshalb sollte so wenig wie möglich fix verbaut werden.

Apropos Garderoben, wie habt Ihr das bei den Räumen für Bewegungskurse gelöst?

Bei Bewegungskursen ist es wichtig, dass es Garderoben für Männer und Frauen gibt. Wir haben auch Duschen, die allerdings weniger genutzt werden. Man kann weniger Duschen planen, weil viele Teilnehmer*innen nach dem Kurs nach Hause gehen und dort duschen. Für die Kursleiter*innen gibt es gesonderte kleine Garderoben mit Duschen, das wird sehr gut angenommen.

Ein Zimmer für die Kursleitenden gibt es auch …

Für Kursleitende gibt es ein einiges Dozentenzimmer mit Kopierer und EDV, dort kann auch recherchiert und etwas gearbeitet werden. Für die angestellt tätigen Kursleiter*innen haben wir aus Lernkojen, die nicht genutzt worden sind, einen weiteren Kursleiter*innen-Raum geschaffen. Auch dieser kann für die Vorbereitung genützt werden.

Welche Empfehlungen gibst du für neu auszustattende Kursräume? Was sollte heute anders gestaltet werden?

Auf jeden Fall bedarf es vieler Steckdosen und entsprechend starker Stromleitungen. Neben der Flexibilität sind auch offene Bereiche wichtig. Unser Schienensystem haben wir zum Beispiel auch außerhalb der Kursräume. Lesen, Weiterlernen und Recherchieren ist auch in den offenen Bereichen möglich. Grundsätzlich wären mehr Flächen der Begegnung wichtig, diese könnten auch durch Pflanzen aufgelockert werden, was aber wieder Ressourcen bindet.

Flexibilität und offene Räume sind wichtig. Bei den Kursleitungen ist sicherlich noch vieles in den Köpfen zu verändern, denn bei der Gestaltung der Räume sind wir schon wesentlich weiter, als tatsächlich genutzt wird. Die U-Form hat sich sehr stark eingeprägt, denn so stehen die Lehrenden immer noch vorne. Es ist uns nur erst vereinzelt gelungen, Kursleiter*innen zu motivieren, auch andere Settings auszuprobieren.

Was ich aber als Bestätigung sagen kann, wir wurden auch von Architekten von Bildungsbauten kontaktiert, die uns als Vorbild für Umbauten zum Beispiel an der Pädagogischen Hochschule, genommen haben.

Ein Dankeschön gilt allen Mitarbeiter*innen, die so gut auf die Räume achten. Dazu gehören das Reinigungsteam und der Hausdienst, die gut mit den Räumlichkeiten umgehen, damit das Haus auch langfristig schön bleibt.

Das liegt natürlich auch an der Leitung, die darauf achtet, dass das Haus gut erhalten bleibt.

Das Interview wurde am 22. Jänner 2024 von Gerhard Bisovsky geführt. //

1     Vgl. Sarah Dallinger (2009): Der Raum als dritter Pädagogie. In: PÄD-Forum: unterrichten erziehen, 37/28 (6), 247–250. Verfügbar unter: https://www.pedocs.de/volltexte/2021/3208/pdf/Dahlinger_Der_Raum_als_dritter_Paedagoge_2009_6_D_A.pdf [22.1.2024].

Slupetzky, Nicole (2024): Flexible Lösungen für Lernräume statt „Hutablagen“. In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. Winter 2023/24, Heft 281/74. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

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