AK Jopsy – ein bildbasiertes, niederschwelliges Interessenstool für alle ab 13 Jahren

Bildungs- und Berufswahl ist in jeder Lebensphase, in der man damit konfrontiert wird, ein herausforderndes Thema. Sei es für Jugendliche, die vor der Erstentscheidung stehen, welchen Bildungs- bzw. Ausbildungsweg sie einschlagen wollen, sei es für Erwachsene, die sich umorientieren wollen oder müssen. Bei jungen Menschen kommt hinzu, dass Eltern, Erziehungsberechtigte oder Vertrauenspersonen eine große Rolle bei dieser Entscheidung spielen, genauso wie in einem erweiterten Kreis Lehrer*innen, Jugendcoaches und Schülerberater*innen. Aber auch Erwachsene und Bildungs- und Berufsberater*innen brauchen valide Tools und verlässliche Instrumente, um sich selbst zu orientieren bzw. unterstützen zu können.

Allen Gruppen gemeinsam ist, dass am Beginn des Orientierungsprozesses oft die Auseinandersetzung mit den Stärken und Fähigkeiten einer Person steht. Klingt logisch und einfach, de facto ist es erfahrungsgemäß für viele gar nicht so leicht, die Frage nach den eigenen Interessen zu beantworten. Vor allem – aber nicht nur – junge Menschen tun sich oft damit schwer.

Warum Jopsy? Vom Fragenkatalog zum bildbasierten Tool

Um hier zu unterstützen, gibt es etablierte Interessenserfassungsmethoden, zum Beispiel den Allgemeinen Interessen-­Strukturtest (AIST-R). Wie bei anderen ähnlich gelagerten Angeboten zur Interessenserfassung müssen beim AIST-R viele Fragen beantwortet bzw. eingeschätzt werden, was diese Art der Erhebung zeitlich aufwändig macht. Die Grundidee von Jopsy war daher, die Fragen durch Bilder zu ersetzen, um das Tool niederschwelliger, weniger sprachenzentriert und schneller zu machen. Gleichzeitig ging es darum, ein wissenschaftlich valides Tool zu entwickeln, das ein aussagekräftiges Interessenprofil und brauchbare Berufsvorschläge liefert und dabei sowohl in Gruppenkontexten als auch im Einzelsetting gut einsetzbar ist.

Denn egal ob Jugendliche oder Erwachsene: Je fundierter und informierter die Entscheidung für eine Schule, eine Ausbildung fällt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, die Ausbildung abzuschließen und mit der eigenen Wahl zufrieden zu sein. Als Kick-off für diesen komplexen Entscheidungsfindungsprozess wurde Jopsy entwickelt.

Was steckt dahinter? Das RIASEC-Modell – Interessentypen nach John Holland

Das ursprünglich von John Holland entwickelte Modell beruht auf dem Konzept des „person-environment-fit“, das davon ausgeht, dass es sechs verschiedene Interessens-orientierungen gibt, denen sich die meisten Personen zuordnen lassen. Jedem Typ werden dabei bestimmte Orientierungen und Interessengebiete, die ihn charakterisieren, zugeschrieben. Die sechs Typen lauten in ihrer englischen Originalbezeichnung Realistic (praktisch-technische Orientierung), Investigative (intellektuell-forschend), Artistic (künstlerisch-sprachlich), Social (soziale Orientierung), Enterprising (unternehmerisch) und Conventional (konventionell).

Wie die einzelnen Typen zueinanderstehen, soll die Darstellung in folgendem Hexagon zeigen. Je näher die Typen zueinander, desto mehr verbindet sie und vice versa. Die Anfangsbuchstaben der einzelnen Typen sind namensgebend für das gesamte Modell (RIASEC-Modell).

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Nach diesem Modell lassen sich Personen einem dominanten Typen zuordnen. Ebenso wie die angeführten Interessentypen können auch dazu passende berufliche Umwelten entsprechend zugeordnet werden: So kommt es zu den Berufsvorschlägen. Dabei wird aber nicht ausschließlich mit dem dominantesten Interessentyp gearbeitet, sondern mit den ersten drei Typen.

Wichtig dabei ist, dass die Interessentypen nach Holland keinen Rückschluss darauf zulassen, ob die Person auch über die notwendigen Fähigkeiten verfügt, um etwaige vorgeschlagene Berufe oder Ausbildungswege zu schaffen. Nicht immer gehen Neigung und Eignung miteinander einher. Und: Vor allem bei jungen Menschen ändern sich Interessen im Laufe des Erwachsenwerdens und entwickeln sich mit einem steigenden Erfahrungsreichtum weiter. Ein Interessenprofil nach diesem Modell kann also nach ein paar Monaten anders aussehen als zu dem Zeitpunkt, an dem es erstmals erstellt wurde.

Da das RIASEC-Modell ein Matching von Interessen mit Berufen erlaubt, hat es sich ausgehend vom angelsächsischen auch im deutschsprachigen Raum als das gängige wissenschaftliche Modell zur Interessensabklärung etabliert. Neben Jopsy basieren unter anderen der erwähnte Allgemeine-Interessen-Struktur-Test (AIST-R) und die Multimethodische Objektive Interessentestbatterie (MOI) darauf.

Jopsy (Job & Psychologie) – bildbasiert und niederschwellig

Da das RIASEC-Modell breit in Verwendung ist und es langjährige Expertise und positive Erfahrungen damit gibt, lag es auf der Hand, auch bei Jopsy damit zu arbeiten. Neben der bildbasierten Interessenabklärung ist es ein Ziel der App, auch die Ergebnisse so aufzubereiten, dass sie möglichst gut verständlich, vor allem für User*innen, die Jospy alleine machen und anschließend kein Beratungsgespräch oder Ähnliches in Anspruch nehmen können.

So besteht Jopsy aktuell aus drei Teilen – dem Interessentool selbst (inklusive dem individuellen Interessenprofil), den passenden Berufsvorschlägen und Informationen zu weiterführenden Angeboten. Die App kann kostenlos in beiden Stores downgeloaded werden und steht online unter www.jopsy.at zur Verfügung.

So funktioniert Jopsy

Nach der Auswahl der Version (unter 18 oder über 18) und einem kurzen Erklärvideo steigt man direkt in das Interessentool ein. Dabei schätzt man die gezeigten Bilder möglichst intuitiv, also „aus dem Bauch heraus“, nach dem eigenen Interesse ein: Je mehr einem eine gezeigte Tätigkeit zusagt, desto weiter bewegt man den Button am unteren Ende des Bildes nach rechts, je weniger man sich davon angesprochen fühlt, desto mehr geht man nach links. Nach zirka fünf bis sieben Minuten ist man mit den Bildern durch, schließt das Tool ab und erhält sein individuelles Interessenprofil.

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Der Ergebnisscreen zeigt die drei dominanten Interessentypen als Balkendiagramm, wobei man auf den jeweiligen Balken klicken bzw. tippen kann, um eine Kurzinformation zu bekommen, was diesen Typen ausmacht und welche Berufsfelder damit verknüpft sind. Die Balken sind gleichzeitig auch eine grafische Darstellung des ermittelten RIASEC-Interessencodes. Das abgebildete Beispiel ergibt zum Beispiel den Code R-I-A: Macher*in (= Realistic), Denker*in (= Investigative) und Gestalter*in (= Artistic). Das wird zwar den User*innen an dieser Stelle nicht direkt erklärt, ist aber die Basis für die Berufsvorschläge, die generiert werden (mehr dazu weiter unten).

Als zusätzliche wichtige Angabe wird auf die Profilgenauigkeit verwiesen und damit auf jenen Wert, der angibt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das Ergebnis die tatsächlichen Interessen der jeweiligen Person widerspiegelt. Die Profilgenauigkeit ist also ein wichtiger Referenzwert und eine Hilfe, die Aussagekraft der Ergebnisse einschätzen zu können.

Wählt man den Button „deine Ergebnisse“ kann man sich die Interessenverteilung über alle sechs Typen ansehen. Kurze Erklärungen zum Ergebnis und Hilfestellungen zur Interpretation der Ergebnisdarstellung finden sich in den FAQs.

„Deine Berufe“ – Berufsvorschläge in Jopsy

Über „deine Berufe“ gelangt man zu einer Liste mit den Berufen, die mit dem eigenen Interessencode korrespondieren. Wählt man einen Beruf aus, erhält man eine Kurzbeschreibung. Diese Beschreibungen wurden extra für Jopsy verfasst (bei den Lehrberufen in einfacher Sprache), als Basis für diese Texte diente das Berufslexikon des AMS (www.berufslexikon.at). Ergänzt wird der Eintrag zum jeweiligen Beruf um ein Symbolfoto und eine rudimentäre Information dazu, welche Ausbildung es braucht, um den Beruf ausüben zu können. Man kann nach Ausbildungsniveau filtern und sich eigene Favoriten unter den Berufsvorschlägen merken.

Die Reihung der vorgeschlagenen Berufe erfolgt auf Basis des Interessenscodes und beginnt mit jenen, die exakt dem generierten Code (in unserem Beispiel war das R-I-A) zugeordnet werden (Person-Job-Fit). Die Anzahl der ausgespielten Berufe kann dabei stark variieren; auch hier kommt es auf den Drei-Buchstaben-Code (three-letter-code) an. Aufbauend auf die sechs Interessentypen nach Holland können insgesamt 120 Drei-Buchstaben-Codes abgeleitet werden, aber nicht zu jeder Kombination passen gleich viele Berufsvorschläge. Dies gilt auch für die Verteilung der Ausbildungswege. Auch hier hängt die Anzahl der Berufsvorschläge und Auswahlmöglichkeiten vom entsprechenden Interessencode ab.

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In einigen wenigen Fällen kann es passieren, dass keine Berufsvorschläge erstellt werden können. Das tritt dann ein, wenn die Profilgenauigkeit unter einen kritischen Wert fällt, also so niedrig ist, dass sich keine seriösen und wissenschaftlich validen Rückschlüsse ziehen lassen, welche Berufe in Frage kommen könnten. In diesem Fall erscheint ein entsprechender Hinweis.

Es kann verschiedene Gründe geben, warum die Profilgenauigkeit so niedrig ausfällt, dass keine Berufsvorschläge generiert werden können. Kurz gesagt ist das immer dann der Fall, wenn die Bilder bzw. Tätigkeiten, die den User*innen gezeigt werden, von jenen insgesamt zu ähnlich eingeschätzt werden – also keine genauen Präferenzen in die eine bzw. die andere Richtung herausgearbeitet werden können.

Jopsy im Einsatz – Einzelberatung, Gruppensettings und mehr

Jopsy kann in den unterschiedlichsten Kontexten eingesetzt und verwendet werden – zum einen als schneller Einstieg in das Thema Interessen zu Beginn einer Einzelberatung, aber auch mit Gruppen, die in den Prozess der Bildungs- und Berufswahl einsteigen und über einen längeren Zeitraum daran arbeiten, eigene Perspektiven zu entwickeln (z. B. in Pflichtschulabschlusskursen, Kurse/Programme für Wiedereinsteiger*innen, in Umorientierungsphasen). Aufbauend auf das Interessenprofil und die Berufsvorschläge bietet es sich natürlich an, weiter zu recherchieren und sich ins Thema zu vertiefen; dafür wurden auch eigene Arbeitsblätter entwickelt, die jederzeit zum Download zur Verfügung stehen.1 So kann Jopsy ein wichtiger Mosaikstein im komplexen Prozess der eigenen Bildungs- und Berufswahl sein, denn die eigenen Interessen zu kennen, ist eine wichtige Voraussetzung dafür, eine für sich selbst maßgeschneiderte und passende Entscheidung zu treffen. //

1   Siehe: https://wien.arbeiterkammer.at/service/broschueren/Bildung/BO-Mappe_2025.pdf [25.4.2026].

Aicher, Martina (2026): AK Jopsy – ein bildbasiertes, niederschwelliges Interessenstool für alle ab 13 Jahren. In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. Frühjahr 2026, Heft 286/77. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

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