Roger Hackstock: Wie wir die Welt retten, ohne uns dauernd Sorgen zu machen.

Roger Hackstock: Wie wir die Welt retten, ohne uns dauernd Sorgen zu machen.
Wien: Kremayr & Scheriau 2025, 219 Seiten.

Einen sicheren Tipp, um eine Party zu crashen? Reden Sie über die Energiewende, und die Stimmung ist im Keller. Das meint humorvoll der Hochschullehrer, Energieberater, Erwachsenenbildner, Autor, vielfältig und schon langjährig im Klimaschutz aktive Optimist Roger Hackstock.

Der Titel seines Buches ist Programm. Zuversichtlich wünscht sich der Autor für die kommende Generation, dass der Ausstieg aus der fossilen Energie, das fossile Zeitalter, nur mehr Thema für die Geschichtsbücher sein wird. Mit dieser Grundstimmung hat Roger Hackstock ein aufheiterndes, sicherlich nicht bedrückendes Buch über die Chancen, dem Klimawandel positiv zu begegnen, verfasst.

Der Autor weiß aber, wie und warum sich Satire und Ironie im Zusammenhang mit Klimaschutz schwertun. Wenn 2023 die 28. UN-Klimakonferenz im Steuerparadies Dubai stattfand und von einem hochrangigen Ölmanager geleitet wurde, hatten Klimaforscher*innen nichts zu lachen und die bittere Realität erschlug jeden Witz über das Ereignis. https://de.wikipedia.org/wiki/UN-Klimakonferenz_in_Dubai_2023

Nichtsdestotrotz – jammern bringt nichts, meint der Autor. Er empfiehlt, selbstbewusst und zuversichtlich eine nachhaltige Zukunft einzufordern. In vielen Beispielen zeigt sein Buch, diese hat schon begonnen und ist nicht mehr aufzuhalten.

In den ersten Kapiteln argumentiert Roger Hackstock dagegen, wie medial, auch in Filmen und Songs, Katastrophen inszeniert werden. Zukunft wird dabei völlig mit Angst besetzt. Er plädiert für fröhliche, bunte Bilder, die eine lebbare Zukunft als Ort der Zuversicht, darstellen. Große Hoffnungen setzt er auf die Jugend. Als spezielle Bewegung skizziert er „Fridays for Future“. Aber, so der scherzhafte Hinweis, nicht nur Freitage, sondern auch der Rest der Woche sollten einer zufriedenstellenden Zukunft gewidmet werden.

Wege zu einer solchen verheißungsvollen Zukunft skizziert Roger Hackstock im Kapitel „Die schöne Welt von morgen“ – unter anderem an Beispielen der Städte Kopenhagen und Paris. Der Umbau dieser und anderer Städte, mit dem Ziel Klimaschutz und Lebensqualität zu erhöhen, hat schon begonnen.

Nachdrücklich erinnert Roger Hackstock an die historische Entwicklung Europas. In der Geschichte Europas gelang es immer wieder, mit Traditionen zu brechen und einengende Dogmen zu überwinden. Warum soll das nicht in Hinblick auf erneuerbare Energien, als „Motor des Wandels“, für eine neue Welt auch gelingen. Ein „neuer Kompass“, eine neue Leitidee, die die „Verantwortung für das Ganze“ umfasst, sollen die Intention unterstützen.

Diese Überlegungen führen den Autor im Kapitel „Ein neuer Kompass“, zur Frage, was ein gutes Leben ausmacht. Soweit Langzeitstudien vorliegen, heißt die Antwort: Gute soziale Beziehungen lassen uns glücklicher und gesünder leben! Es ist nicht der schnelle Gewinn, es sind nicht Ruhm und Reichtum!

„Wirtschaft neu denken“ heißt das folgende Kapitel. Darin werden u. a. der „European Green Deal“, Investitionen in grünes Wachstum, diskutiert und auch sieben Stufen vorgestellt, wie die Transformation in nachhaltige Unternehmen erfolgen kann. Letztlich werden in diesem Prozess des Wandels zwei Sinnfragen formuliert: „Was ist die Aufgabe des Unternehmens in der Gesellschaft? Wie dient es dem Planeten, der Umwelt, der Gemeinschaft und den Kundinnen und Kunden?“ (S. 168).

Damit wird auch ein Menschenbild angesprochen, das für Bildungs- und Erziehungsziele bedeutsam ist. Roger Hackstock vertraut auf „The survival of the friendliest“. Im Gegensatz zum Homo oeconomicus – egoistisch, aggressiv, am eigenen Vorteil interessiert – präferiert Roger Hackstock das Bild eines freundlichen, unterstützenden, mit seinen Mitmenschen in positiven Beziehungen stehenden Menschen.

Wird die Welt als komplexes, vernetztes System verstanden, mit einer Kreislaufwirtschaft, in der Materialien und Energie zirkulieren, würde sich der Abfall extrem reduzieren, weil er sich als Nahrung für den nächsten Prozess erweist oder Produkte so lange wie möglich repariert werden. Einer rein technologischen Lösung, wie oft vorgeschlagen, steht Roger Hackstock äußerst skeptisch gegenüber.

Wenn wir uns nicht primär von Geld leiten lassen und begreifen, weder Wachstumszwang noch Wegwerfmentalität ausgeliefert zu sein, haben wir Chancen „ein lustvolles Leben ohne sinnlose Verschwendung und Naturzerstörung zu führen“ (S. 188).

Besonders in diesem Kapitel finden sich Ideen und Vorschläge für die Praxis der Erwachsenenbildung. Z. B. lassen sich für Antworten auf die Frage „Was man im Leben wirklich braucht?“ sicherlich interessante Workshops und Seminare konzipieren. Inhaltlich und didaktisch könnten sie von theoretischen Erwägungen bis zur realen Überprüfung unseres Besitzes, der vielen Dinge, die wir unser Eigen nennen, führen.

„Packen wir’s an!“, fordert der Autor mit dem letzten Kapitel. Politische Weichenstellungen sind natürlich wichtig, aber auch eine „Lyrik des Handelns“. Gemeint ist, mit positiven, lebendigen Bildern – Storytelling – die Sehnsucht zu wecken, klimaneutral zu leben. Wichtig: Die Vorteile, die sich daraus für den Alltag ergeben, sollen sichtbar werden, damit die Menschen „zu Verbündeten“ werden.

Das Buch hat hohen Stellenwert für die politische Bildung und unterstützt alle Angebote, die sich zuversichtlich für klimaneutrale Lebensweisen einsetzen. //

Lenz, Werner (2025): Roger Hackstock: Wie wir die Welt retten, ohne uns dauernd Sorgen zu machen. In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. Herbst/Winter 2025, Heft 285/76. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

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