Am 7. November 2023 fand zum zweiten Mal die Fachtagung Lesekompetenz, Leseförderung statt, die sich heuer dem Thema Professionalisierung und Qualitätssicherung widmete. Die Fachtagung wurde online durchgeführt und 110 Personen aus Schule, Erwachsenenbildung, Hochschule/Universität nahmen daran teil. Durchgeführt wurde die Veranstaltung in einer Kooperation zwischen der Pädagogischen Hochschule des Burgenlandes und der Universität Klagenfurt.1
Anlass für die erste gemeinsame Veranstaltung im Jahr 2022 war der Nationale Bildungsbericht 2021,2 der dem Thema Lesekompetenz in Österreich einen eigenen Schwerpunkt widmet und viele Veranstaltungen, Projekte, Maßnahmen mit dem Schwerpunkt Leseentwicklung nach sich gezogen hat.
Wie wichtig dieses gemeinsame Thema der Lesekompetenz ist, zeigt auch die Global Campaign for Education, eine weltweite zivilgesellschaftliche Initiative. Denn laut ihrem Ansatz von „Literacy for all“3 geht die Lesekompetenz über die Bildung hinaus. Lese- und Schreibkenntnisse sind entscheidend für das persönliche Wohlergehen, für die Entwicklung von Gemeinschaften und Nationen, für die Gesundheit, für die persönliche Autonomie und für die politische Teilhabe. Und die Fähigkeit zu lesen ist einer der grundlegenden Bausteine zur Verwirklichung des Rechts auf Bildung.
Lesekompetenz ist daher als gesamtgesellschaftliches Thema zu definieren und betrifft Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Studien zeigen, dass 20-25 % der Schüler*innen am Ende der Volksschule nur elementare Lesefähigkeiten haben,4 aber auch rund 17 % der in Österreich lebenden Erwachsenen nicht sinnerfassend lesen können.5 Diese Zahlen und die individuellen und gesellschaftlichen Konsequenzen haben eine hohe bildungspolitische Brisanz und stellen eine Herausforderung für alle dar, die sich mit Leseförderung befassen. Die VHS hat das Thema schon früh erkannt und führt bereits seit Beginn der 1990er Jahre Kurse für Erwachsene für Alphabetisierung/Basisbildung durch.
Im ersten Teil der Tagung wurden zwei Qualitätsmodelle aus Schule und Erwachsenenbildung vorgestellt: LesenkompP6 (Christian Aspalter, Pädagogische Hochschule Wien) und Qualifikationsprofil Basisbildner/in7 (Angelika Hrubesch, lernraum der VHS Wien). Der Fokus „Individualisierung und Differenzierung“, der sich in beiden Modellen findet, wurde anschließend durch Praxisbeispiele vertieft. Marlene Walter (Langjährige VS-Lehrerin und Lehrer’innen-Fortbildnerin) präsentierte für die Schule und Julia Rührlinger (Basisbildung VHS Floridsdorf) für die Erwachsenenbildung.
Anschließend wurde in Arbeitsgruppen vertiefend diskutiert, die eigene und die jeweils andere Praxis beleuchtet. Einige Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen: In den Schulen sollten die Arbeits- und Rahmenbedingungen für die Leseförderung verbessert werden. Diagnosemodelle, Lesescreenings, u.a. könnten auch in der Basisbildung für Erwachsene erprobt werden. Erkennen von Rechtschreibschwäche und Legasthenie erfordern Sensibilisierungsmaßnahmen und Kenntnis von Supportstrukturen. Schule und Erwachsenenbildung könnten in der Elternbildung enger zusammenarbeiten. Außerdem wurde der Wunsch nach mehr Information über Texte in „leichter Sprache“ geäußert.
Abschließend gab es eine Podiumsdiskussion mit Entscheidungsträger*innen und Expert:innen des Bildungsministeriums, der Aus- und Fortbildung sowie der Universität: Doris Wyskitensky, Leiterin der Abteilung Erwachsenenbildung, Klaus Novak, Pädagogische Hochschule, Karl Hochradl, Bundesinstitut für Erwachsenenbildung und Monika Kastner, Universität Klagenfurt.
Fazit: Für eine engere Abstimmung in der Förderung der Lesekompetenz zwischen Schule und Erwachsenenbildung gibt es mehrere Ansatzpunkte in der Bildungspraxis, in der Forschung und der Fortbildung. Im Rahmen des Schwerpunktes „Lesen“ des Bildungsministeriums sollten sich Möglichkeiten für ein gemeinsames Vorgehen bieten.8
Alle Präsentationen finden sich hier: Leseförderung und Lesekompetenz – Schule und Erwachsenenbildung im Dialog II – Professionalisierung und Qualitätssicherung – 7.11.2023 Online 14:00 bis 16:30 Uhr (padlet.com) //











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