Zukunft war und ist politisch, sie zu gestalten eine Machtfrage. Wachstum und dauerhafter Wohlstand werden zu hohlen Narrativen. Wo bleiben die Alternativen? Viele Menschen agieren gleichgültig. Sie haben ihre innere Beteiligung verloren, eine gute Zukunft zu planen und zu gestalten.
Der Zukunftsforscher Klaus Kofler will mit seinem Buch irritieren und bequeme Gewissheiten stören. Er übt Kritik an einer Zukunft, die als geplante Verlängerung der Gegenwart den Konsument*innen vorgesetzt wird. Klaus Kofler plädiert für ein anderes Verständnis von Zukunft: Er versteht sie als kollektiven Prozess, an dem sich Menschen gestaltend und in Beziehung beteiligen. Gemeinsames Gestalten hält der Zukunftsforscher für eine zeitgemäße Kulturtechnik.
Im ersten Teil des Buches, „Das Ende des Weiter-so“, attestiert Klaus Kofler der Gesellschaft eine gewisse „Zukunftsblindheit“. Er vermisst, Zukunft als verantworteten Gesellschaftsauftrag anzunehmen und „Veränderung als lebendigen Raum des Denkens und Handelns aktiv und wirksam zu eröffnen“ (S. 12). Insgesamt moniert Klaus Kofler die fehlende Orientierung und dass Zukunft, besonders für die junge Generation, als zunehmend engerer Korridor erscheint. Mit dauerhafter Aufgeregtheit finden wir uns – statt in einem Zukunftsmodus zu navigieren – in einem Krisenmodus gefangen.
Nach dieser kritischen Diagnose wendet sich der Autor im nächsten Teil, „Das Material Zukunft“, dem positiven Blick nach vorne zu. Er stellt sich die Frage, welche Narrative, Ressourcen und welche kulturelle Substanz die Zukunft lebendig erscheinen lassen. Außerdem fragt er, wie sie zu gestalten sind, damit sie gegenwärtigen und künftigen Generationen Orientierung geben.
Für potenzielle soziale Transformationen präsentiert der Autor sein Menschenbild. Er sucht Menschen, „die mit sich selbst verbunden sind, verbunden mit ihren Werten und Überzeugungen, aber auch mit ihrer eigenen Vorstellung von Zukunft“ (S. 77). Er spricht von Menschen, „die eigenmotiviert Verantwortung füreinander übernehmen“ (S. 76). Dieser innere Bezug, diese inneren Zukunftsbilder – mit unseren Wünschen, Ängsten und unserem Selbstvertrauen – schaffen das Fundament eines möglichen Wandels. Die Zukunft beginnt bei den inneren Bildern, meint der Autor. Durch sie errichten sich „mentale Infrastrukturen“ und Vorstellungskraft. Zukunft bedarf der Selbstwirksamkeit der Menschen sowie ihrer Fähigkeiten, sich als handlungsfähig zu erleben und eigene Ziele zu setzen. Als wichtige Zukunftskompetenzen bezeichnet der Autor u. a. bewusstes Handeln – nicht schnelles Reagieren –, Vertrauen stärken, Resonanz schaffen und sich selbst wieder als wirksam betrachten!
Das führt zum „Prinzip des Regenerativen“. Leben ist Zirkulation, nicht Akkumulation, erklärt Klaus Kofler. Mit Bezug auf Regeneration wird gefragt, wie Neues entstehen kann und wie Kreisläufe wieder in Gang gesetzt werden können. Er spricht Regeneration heilende und stärkende Kräfte sowie Hilfe zum Überleben zu. Regeneration repräsentiert Gestaltungskompetenz. Zukunft ist eben kein Produkt, sondern ein lebendiger Prozess. Um diesen zu beeinflussen, sollen wir ein Denken in Möglichkeiten, nicht in Grenzen pflegen. Diesen Paradigmenwechsel betont der Autor, da er das Leben als Kreislauf von Wachstum, Wandel und Wiederkehr charakterisiert. Daraus ergibt sich ein Verständnis für eine bewegliche Zukunft: eine Zukunft, die nicht abgesichert, „sondern nur genährt werden“ (S. 93) kann.
Deshalb beurteilt der Autor den Begriff Nachhaltigkeit mit Skepsis. Dieses Konzept wirkt ihm zu stabilisierend, es vermittelt eine „Ethik des Stillstands“ (S. 95) – Transformationen beginnen erst mit der Neukonstruktion.
Der nächste Teil des Buches behandelt „Regeneratives Zukunftsdesign“. Es wird von der Frage geleitet, wie Organisationen und Lebensweisen zu gestalten sind, „dass sie sich selbst erneuern, statt sich zu erschöpfen?“ (S. 103). Klaus Kofler spricht von einer neuen Epoche, von einer „kulturellen Evolution“, wobei Geben und Nehmen im Gleichgewicht stehen sollen.
Dieser Teil des Buches ist sehr handlungsorientiert. Der Autor vermittelt konzentriert und eindringlich wiederholend seine Ansichten, mit welchem Selbstverständnis Zukunft gestaltet werden soll: nämlich sich selbst etwas zutrauen.
Von besonderer Bedeutung ist es für Klaus Kofler, die Rolle als Zuschauer zu verlassen und „Design als Haltung“ zu praktizieren, um Gestaltende und Beteiligte in lernenden Systemen zu werden. Konsequent schlägt er deshalb „Design“, das Erlernen dieser kollektiven Kompetenz, dieser menschlichen Grundkompetenz, Probleme zu erkennen, als attraktives Schulfach vor.
Eine besondere Vermittlungsrolle spricht er der Kunst zu. Er hält sie für ein Trainingsfeld der Zukunft, weil Unsicherheit schöpferisch dargestellt und Wirklichkeit neu entworfen wird. Kunst ermöglicht ästhetische – wahrnehmende – Bildung und „lehrt Zukunft als formbares Material zu begreifen“ (S. 142).
Zukunft, meint der Autor resümierend, ist kein Besitz, sondern eine Beziehung. Ihre Qualität entsteht in der Kombination von Denken, Fühlen und Handeln.
Das Buch ist ein Plädoyer wider den resignierenden Zeitgeist: zuzuschauen und anderen Gestaltungsmacht zu überlassen. Sicher finden die „Kunst-VHS“1, aber auch andere institutionelle Kultur- und Bildungsvermittler, viele anregende Gedanken und unterstützende Ideen bei der Lektüre. Volkshochschulen und andere Bildungseinrichtungen können die „Ressource Zukunft“ fördern, wenn sie Interessierten Räume und Gelegenheiten für gemeinsame Reflexion und Diskussion, für autonome und selbstorganisierte Bildungs- und Lernprozesse zur Verfügung stellen.
Letztlich motiviert Klaus Kofler uns alle, gemeinsam zu überlegen, wie wir die „Ressource Zukunft“ sinnvoll und verantwortungsvoll beleben wollen. //












Lieber Herr Lenz, ganz herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mein Buch zu lesen und sich so intensiv damit auseinanderzusetzen. Es freut mich wirklich sehr, wie aufmerksam und differenziert Sie meine Überlegungen aufgegriffen und aus Ihrer eigenen Perspektive weitergedacht haben. Genau das wünsche ich mir mit meinem Buch. Nicht fertige Antworten zu liefern, sondern zum Nachdenken anzuregen, Gewissheiten zu hinterfragen und neue Gespräche über unsere gemeinsame Zukunft anzustoßen. Vielen Dank für diese besondere Form der Wertschätzung und die vielen weiterführenden Gedanken. Das bedeutet mir wirklich sehr viel!