VÖV übernimmt KEBÖ-Vorsitz 2025 – 2027 in herausfordernden Zeiten

Fest steht: Tatsächlich ist das bundesweite Netz der gemeinnützigen Erwachsenenbildung ein entscheidender Pluspunkt für die Weiterentwicklung der Gesellschaft in Österreich. Den Wert dieser Infrastruktur bestehend aus 10.000 Kursorten, 50.000 Unterrichtenden und 2,5 Millionen Teilnahmen pro Jahr gilt es zu betonen und bildungspolitisch zu nutzen. Schon jetzt bringen die KEBÖ-Verbände Grundbildung, Zweite Bildungswege, Integrationskurse und Digitalisierung in alle Regionen des Landes. Es wäre allerdings kurzsichtig, diese großartige Struktur lediglich als Umsetzerin von Projekten, Programmen und den entsprechenden Vorgaben zu sehen. Österreich verfügt im Rahmen der KEBÖ über eine – im internationalen Vergleich – besondere Tradition der Volksbildung: Sie ist an den Teilnehmenden und an deren Lebenswelt orientiert und verbindet Bildung mit der gesellschaftlichen Teilhabe. Das dadurch vorhandene Knowhow hat in den letzten Jahren entscheidend zu allen Leuchtturmprojekten der österreichischen Erwachsenenbildung beigetragen. Mehrerer diese Projekte, die auch maßgeblich von den österreichischen Volkshochschulen angestoßen, entwickelt und getragen wurden, sind aktuell von Umgruppierungsprozessen betroffen. Die Weiterbildungsakademie (wba) wird ebenso wie die Geschäftsstelle für Level Up – Erwachsenenbildung (früher IEB) sowie Ö-Cert per 1. Jänner 2026 in das Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) eingegliedert. Mit diesem „bifeb neu“ ist nun ein starker staatlicher Arm der Erwachsenenbildung in Österreich vorhanden. Diese Entwicklung unterstützen wir klar und nachdrücklich. Gleichzeitig ist es jetzt unerlässlich, die gemeinnützigen Bildungs-Träger und ihre Vertretung ebenso aufzuwerten. Konkret bedeutet das die inhaltliche Einbindung der KEBÖ in das BIFEB auf Augenhöhe, aber auch eine bessere gesetzliche Absicherung und finanzielle Ausstattung der KEBÖ-Arbeit.

Die Schwerpunkte des KEBÖ-Vorsitzes 2025 – 2027

Für die zwei Jahres des VÖV-KEBÖ-Vorsitzes können folgende Schwerpunkte umrissen werden:

Erstens: Die österreichische Bundesregierung plant laut Regierungsprogramm eine neue Strategie für lebenslanges Lernen. Die KEBÖ muss und wird dazu einen substanziellen Beitrag leisten und ihre Expertise einbringen. Bildungspolitik muss mehr sein als Arbeitsmarktorientierung; sie muss die Fähigkeit der Menschen stärken, mündig, kritisch und sozial verantwortlich zu handeln.

Zweitens: Österreich verfügt über ein EB-Förderungs-Gesetz mit klar definierten ­Förderkriterien, welche insbesondere den Aspekt der Gemeinnützigkeit betreffen. Diese rechtliche Grundlage muss konsequent auf alle (!) Bereiche der Erwachsenenbildung (inkl. Arbeitsmarktpolitik, Integration und Digitalisierung) angewendet werden. (Erwachsenen-)Bildung soll vor allem auch sozialen Zusammenhalt, Resilienz und gesellschaftliche Teilhabe stärken und kein Feld für Profite sein.

Drittens: Wir brauchen starke Bündnisse und Bündnispartner*innen. Die zuständige
Ministerin, ihre Kabinettsmitarbeiter*innen und die Abteilung Erwachsenenbildung haben an vielen Stellen klar signalisiert, dass sie den Wert der gemeinnützigen Erwachsenenbildung kennen und schätzen. Ebenso essenziell sind Beziehungen zu Gewerkschaften, Kammern und zivilgesellschaftlichen Initiativen. Innerhalb unserer Einrichtungen sind zudem die Mitarbeitenden die wichtigsten Multiplikator*innen. Die Vernetzung all dieser Akteur*innen muss in den nächsten zwei Jahren ebenfalls ein strategischer Schwerpunkt sein.

Evers, John (2025): VÖV übernimmt KEBÖ-Vorsitz 2025 – 2027 in herausfordernden Zeiten. In: Die Österreichische Volkshochschule. Magazin für Erwachsenenbildung. Herbst/Winter 2025, Heft 285/76. Jg., Wien. Druck-Version: Verband Österreichischer Volkshochschulen, Wien.

Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Zurück nach oben